Das Gute

Verwalter der Idee des Guten – wie es vor allem der Mutter Kirche eigen ist –  haben enorme Not den Effekten der progressiven Verbesserung der Einsicht in das Wahre zu folgen: Indem es Technikern gelingt effetive Schlussfogerungen aus dem zu ziehen was in den Naturwissenschaften wahr scheint verändern sie die Natur, so daß nicht mehr klar ist was natürlich und deshalb unausweichlich sei und wo moralisch fragwürdig menschliches Wollen widernatürlich ist.

 

Zur Rettung der Idee des Guten redet der «moderne Aufklärer» vom »historischen Jesus« und will mit dieser Rede durchaus den ewigen, den immer gültigen, den gottgleichen, den göttlichen Jesus verkaufen. Aber bei dieser historisierenden Betrachtung erwähnt er natürlich nicht, daß Jesus ganz und gar Kind seiner Zeit war.  Wenn der Mensch Augustus Anspruch darauf erheben kann göttliche Verehrung zu erfahren, dann kann das jeder.  Wenn uns aber im Zusammenhang mit dem Versprechen Aufklärung Zukunft zu geben, der Gottessohn als die einzige Lösung angeboten wird, dann kommt mir das so vor, wie der Vorschlag des Sohnes des Blutordensträgers, in den fünfziger Jahren, mit Jesus in der Physik, alle die dort auftretenden beängstigenden Fragwürdigkeiten auflösen zu wollen.

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Das Problem des menschlichen Zusammenlebens ist doch,  daß das Gute,  Beste,  Allerbeste, nie absolut sondern immer nur in Bezug auf etwas gewollt werden kann, und daß es sich, wenn es erreicht ist notwendig als relativ enthüllt und durch ein anderes Allerbestes ersetzt wird -- das absolut Notwendige, das der Gattung dient, das können wir nie voll erfassen ...

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Moral ist vor allem nicht etwas Absolutes, was uns von außen, von den Herren Gottesvertretern und Werteverwaltern vorgegeben ist.  Wir geben diesen Herren nur deshalb einen solchen hohen Status, weil in uns selber das so hoch steht und wir für die Opfer, die wir uns selber darbringen auch einen äußeren Widerschein haben wollen.  Wenn wir uns aber als autonom empfinden und Gottesvertreter und Werteverwalter irgendwo unter uns sehen, dann können wir das nur so vor uns rechtfertigen, daß wir uns schädliche und zerstörerische Gedanken und Antriebe als solche erkennen und feiere uns Handlungsabläufe entwickelt haben diese zu vermeiden, umzulenken und ins Produktive zu übersetzen.  Unsere Empfindungen feiere das Gute ist viel feiner als das was uns gelehrt werden könnte -- und es ist uns ganz selbstverständlich, daß das was uns dient auch feiere alle anderen besser ist, als das was vordem war...Nur leider, so empfindet auch der Gewaltverbrecher, der Triebgestörte und alle anderen Neider und Zukurzgekommenen.
 

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Das Gute, Wahre und Schöne auf der Basis vollständigen Wissens um alle vorhandenen Möglichkeiten abzuschätzen ... auch wenn das unmöglich erschein als Projekt, es reicht immer noch nicht aus. Wir müssen in jedem Augenblick immer etwas darüber hinaus erfinden ... das Wissen erweitern und die Möglichkeiten neu schaffen.

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Bei aller Verherrlichung großer geistiger Traditionen, die sich im wesentlichen auf ihren moralischen Anspruch stützen, frage ich mich, warum diese Traditionen nicht das Schlechte verhindern konnten,
und moralische Katastrophen abzuwenden.  Sie werden von den Vielen bejubelt, die nicht das Zeug dazu haben,
das Gute in sich selber zu finden, weil ihnen so die Möglichkeit der Schuldzuweisung gegeben wird ohne daß sie damit sich in irgend einer Form herausgefordert fühlen müßten ihr eigenes individuelles Verhalten  mit den hohen Ansprüchen an die Anderen in Einklang zu bringen.

2078

Im religiösen Gefühl erfüllen wir uns den Teil unserer Impulse die sich nicht zur Tat verdichten können.  Es ist nur schade, daß uns die Religionen dahin verkommen sind, daß sie nur noch Raum haben für »das Gute« ... Aus dem gleichen Grund glaubt man doch tatsächlich alle Andeutungen »böser« Impulse: Sex, Gewalt, Intrigantentum aus der Unterhaltung [am TV] herausnehmen zu müssen ... es könnte ja sonst »Nachahmungstaten« geben.die Verengung auf diesen muffigen Raum
 heißt Verlust des
tragischen Gefühls