Erfolg

Vieles, was Kasse macht, die reine Nichtigkeit: Das ist ein Aspekt des »europäischen Nihilismus« den der gute sächsische Pastoren-Sproß überhaupt nicht sehen konnte. Dem steckte Frugalität so in den Knochen, daß er schlechthin blind dafür war, mit welcher absurden Mühewaltung die vornehme Welt seiner Zeit versuchte sich auszuzeichnen.

 

Sich auszuzeichnen «um jeden Preis», aber dann doch als «wahre Größe» erkannt werden, das ist doch der Fallstrick, den das Abendland erst erkennen lernen mußte: überwunden haben wir diese Problematik aber noch lange nicht. Es war eben nicht nur Berthold Brecht, der mit seiner Stalinverehrung seine eigene Beschränktheit zu überhöhen trachtete. Schon der alte Jacob Burckhardt, mit seiner Renaissance Schwärmerei, hat von dem grenzenlosen Individuum geträumt, das nicht in irgendwelche Beförderungshierarchien eingebunden ist und deshalb «ehrlich» machen kann was «es» will: nicht zufällig sage ich hier «es.»  Das ist nicht der vernünftig abwägende und auf unerschütterliche Wertesysteme ausgerichtete Selbst-Bewußte, ein Ich, daß sowohl sich selbst als auch die Welt unter sich in Kontrolle hat. Das ist vielmehr eine glückliche Kombination von animal spirits die in glücklichen äußeren Umständen, sich glücklich entfalten kann. . 
Vom großen Individuum träumen, das war von Karl May bis Ernst Kantorowitz der Ruf des Tages.  Symbolfiguren schaffen, die Allmacht verkörpern und in dieser Allmacht die eigenen Träume zu verwirklichen scheinen. Oswald Spengler hat sich [ca.1917] sogar so weit vorgewagt, zu prognostizieren, daß das verfluchte XX. Jahrhundert unausweichlich das der großen Einzelgestalten werden muß:  Hitler, Stalin, Roosevelt, Chrurchill, Mao Tse Tung, Mussolini, Peron, Shah Reza Pahlevi, Ben Gurion, Nasser, Mobutu und andere Symbolgestalten der afrikanischen Revolution.
Aber das rechtfertigt noch lange keine Schuldzuteilung.  Die konnten nur groß werden, weil sie sich schamlos der Kariere-Sucht der vielen Aufstrebenden bedienen konnten.  Das was die Intellektuellen darstellten, war doch aus dem Geist der Zeit geschöpft und nicht etwa etwas aus wenigen Köpfen geborenes, dem die Massen verfallen mußten.  Das Lieblingsbild von Kantorowitz, als ein Zwerg, der auf den Schultern von Riesen steht ist doch auch nur eine Suggestion, hier die offenbare Bescheidenheit zu erkennen und damit zugleich auch ihm Größe zuerkennen.
 

Buddhistische Mönche haben es gelernt die innere Temperaturregulierung direkt zu kontrollieren und ihren Körper «aufzuheizen» ohne dabei zu zittern – sie nennen das PARNA. Westliche, positivistisch-naturwissenschaftlich orientierte Psychologen, versuchen dasselbe mit Hilfe des «biofeedback» wobei im Westen die Forschung immer noch darauf gerichtet ist bessere, überlegenere Mephistopheles zu werden und alles um uns herum auf unseren Vorteil hin zu kontrollieren. Wir gehen den gleichen Weg wie der buddhistische Mönch, nur, wir gehen ihn genau in die entgegengesetzte Richtung – hinein in die krankmachenden Verwirrungen der inter-personellen Kommunikation… mit der Absicht zu täuschen und der Vorsicht, von anderen nicht getäuscht zu werden… unser höchstes Ziel: die plumpen Gegebenheiten der menschlichen Natur zu überwinden – sophisticated” zu sein … das heißt genau betrachtet nichts anderes als «erfolgreich täuschen zu können…» Solange uns Erfolg geschenkt wird, ist das ein berauschender Vorgang …ein Prozess, der sich selbst verstärkt …Täuschung benutzt «Mechanismen» die in unserer Seele angelegt sind …in dem Maße in dem Täuschung erfolgreich ist, wird daraus Wahrheit – mehr noch Glaubens-Satz und unerschütterlicher Werte-Rahmen… …wird zum Teil des Selbstverständnisses …indem das «Ich» lernt sich so zu verstehen wird es an einen Punkt gebracht an dem es dieses Verständnis auch mit Gewalt verteidigt…