Geist

Geist existiert nicht außerhalb eines materiell Gegebenen

Das Geistige ist der soziale Effekt.  Erst im Verband mit Anderen, kann ich die Mobilisierung meiner Lebenslust vorbehaltlos erleben, als Begeisterung für eine Idee, aus der heraus sich alles Andere zusammenfügen kann: Wenn es schon keine absolute Wahrheit geben kann, dann wollen wir doch wenigstens das Pfingsterlebnis als Dauerzustand fühlen können:  »in Zungen sprechen«. Wie viele Pfingstochsen laufen herum, mit dem Schaum von der allerletzten Wahrheit auf den Lippen,  der sich in den Ohren des Publikums als beredter Ausdruck des Zeitgeistes darstellt.  Zeitgeist, wohl, der aber jetzt und hier als das Einzig Wahre, alle Absolutheit für sich beanspruchen sollen, dürfen, kann, deren wir in unserer menschlichen Beschränktheit mächtig sind.

Denken über Geist und Geistiges das sind alles schon vorbelastete Begriffe Die Stimme eines Rufers in der Wüste bin ich nicht. Was mich umgibt ist Vollkommenheit auf hohem Niveau.  Überfluß-zum-Überdruß mit peer review und anderen Ritualen der Wahrheitsabsicherung.  Keine Wildnis sondern unendlich verfeinerte Perfektion und Sophistikation. Was ich vor mir habe ist ein voll ausgereiftes kutulrelles Ökosystem mit einem hohen Entwicklungsstand von  einer inneren Geschlossen- und Durchdachtheit voll Wendigkeit, Kunstfertigkeit und Reife. Dieses Ökosystem kann man auch einen Dschungel voller Fallenstellern & Seilschaften nennen.

Hier herrschen Weltgewandtheit mit einem hohen körperlichem, psychischem und gesellschaftlichem Entwicklungsgrad von subtiler Kultiviertheit, raffinierter Gepflegtheit, und komplexer Verfeinerung.

… da kann ich nicht mithalten…

Das ist eine unendlich dicht gepackte Fülle von Brunnen des Wissens, Zentren der Macht und Institutionen der Lehre, Forschung und Verwaltung von Erlösungsideen… Jede geringste Äußerung die in irgend einen der unzählbaren Ströme des Zeitgeistes aufgenommen werden will, wird kommentiert, rezensiert, kritisch gewürdigt und dem peer review [anonyme Begutachtung durch Leute vom Fach] unterworfen… Jeder der Gehör finden will muß seinen Vortrag psychologisch fein ausgeklügelt dem Publikum so präsentieren, daß es sich gar nicht wehren kann total überzeugt zu werden… und das Publikum ist auch nur allzu bereit sich aufspalten zu lassen und auf Distanz zu gehen, so daß nicht nur der Papst und der Präsident und der Führer der islamischen Erneuerungsbewegung sondern neben der TAZ und der FAZ auch noch der geringste der Propheten mitreden können.

Die Stimme eines Rufers in der Wüste bin ich nicht: In dieser babylonischen Sprachverwirrung kann ich nur noch zu den Göttern sprechen.

Oder wie Carlyle sagte: to tell the Universe what o’clock it is.