Id

Omnia munda mundis

[dem Reinen ist alles rein]

Die Essenz des ID: Genetic drift & Brutpflege: Viel schwieriger ist es doch mit den »angeborenen Verhaltensweisen«, die »einfach da sind«; schlimmer noch, die uns unerwartet und ohne alle Vorbereitung überfallen und »ihr Recht« fordern und uns ziemlich durcheinander bringen. Das sind eben alles andere als nur Drüsenfunktionen, sondern umfaßt Handlungskomplexe, die sich in die feinsten Ritzen unserer Seele und unseres Verstandes einnisten. Wir sind so eingenommen von den »offensichtlichen« Effekten dieser elementarsten Lebensfunktionen, daß es uns gar nicht möglich ist den weiteren Kreis der Wirkungen zu erfassen.  Die angeborenen Verhaltensweisen sind 109 Jahre alte »Erinnerungen«, während die uns angeborenen Vorstellungen irgendwo zwischen 102 und 104 [allerhöchstens 105] Jahre alt sind.

Auch wenn man noch keine Erfahrungen gesammelt hat ist die Seele bei der Geburt des Menschen, vollständig erfüllt mit Vorstellungen von einem »vollkommenen« Leben« .  Für die Einen ist das sich zum perfekten Raubtier zu entwickeln und den Anderen Gefolgschaft zu sein und Karriere machen: »befördert werden« und dem Herrn ein guter Diener sein – und wenn’s auf der Welt keinen richtigen Herren gibt, dann sucht man sich ihn eben im Himmel.

Sigmund Freud hat große Verehrung und einen Platz im Olymp der großen Wohltäter der Menschheit damit erworben, daß er den Menschen zum
 
mother-fucker und zur  Penis-Neidischen CUNT
[
THE TWO MOST OFFENSIVE WORDS OF THE ENGLISH LANGUGAGE]
erniedrigte: Der Mensch nicht mehr als ein massiv getriebenes libidinöses Id, dem man nur mit einem entsprechend energischen Überich beikommen kann

314

 Es ist eine Tragödie, daß die Entdeckung des Konzepts des Unterbewußten immer wieder dem S. Freud untergeschoben wird, damit bleibt es von Schieße und Sperma  überzogen und erlaubt uns in aller Unschuld wissenschaftlich therapeutisch von der Sexualität zu reden ... Hindert uns aber zugleich auf  außerordentlich effektive Weise an die eigentliche Funktion des Unbewußten heranzukommen: unsere Seele zu finden ... 

326

 Die Kommunikations-Revolution gibt uns die Illusion der Allmächtigkeit weil  wir uns im Unbewußten gar nicht gegen den Eindruck wehren können an  allen Vorgängen die irgendwie wichtig sind teilzunehmen: Besonders abends bei der Tagesschau, wo wir zu allen Weltereignissen uns nach unserer Meinung befragen können -- Dabei geht es uns wie dem Kaiser von China: wir  wissen nie genau welche Meldungen uns vorenthalten werden.

336

 Todestrieb  - Ödipus - Schnödipus: Innerhalb von weniger als zwei Jahrzehnten sind die  Ansichten über die Qualitäten der Sinnhaftigkeit des Lebens völlig in sich verkehrt worden: Bei FN sehen wir noch wie der Todestrieb und der Wille zum Leben als die Ursache der schöpferischen Spannung angesehen wird aus der Kultur und Kunst als die Chance zur Erhöhung des Menschen  hervorbrechen können.  Gerade am Beispiel der Ödipus Tragödien können wir dort den Vorgang verstehen lernen wie die größte Weisheit uns nicht vor der Verstrickung in Schuld, Leiden und Entsagung beschützen kann ...  Davon "erlöst" uns dann Freud indem er lehrt daß der Todestrieb eine Art  bemitleidenswerte Abweichung von der glücklichen Norm sei und daß Ödipus seine Mutter ja tatsächlich beschlafen wollte auch wenn er sich das nicht eingestehen kann (und jeder der heute noch gegen diese Idee etwas  vorbringen will hat sich damit auch schon entlarvt als motherfucker -- und Kultur verschafft uns so wie so nur  Unbehagen). Daß damit unsere Welt erbärmlich geworden  ist, das wird weit von uns gewiesen.  Nein doch, nun sind wir endlich befreit und können, in aller Unschuld, zu unseren unbewußten Antrieben uns  stellen. Da braucht es doch keine Spannungen mehr zu geben. Nur, mit  dieser Auflösung der Spannungen, verlieren wir auch unseren eigentlichen Impuls der Selbstverwirklichung, werden damit angepaßtes, leicht führbares Herdenvieh.

412

 Warum haben die Massai, Watussi, Irokesen, Mohikaner ... beschlossen auszusterben?  Weil sie so stolze Menschen waren!  In unserer europäischen Geschichte können wir das verschwinden dieser stolzen Volksstämme kaum noch erkennen -- obwohl, die Leidenschaftlichkeit unserer Heldensagen spricht für sich.

413

 Im  menschlichen Handeln verwirklicht sich immer das was man sieht und mit  einem Namen belegen kann. Das heißt aber nicht, daß das alles ist. Es ist  eben nicht nur die Sprache, die verwirrend und fehl-weisend ist.  Im  Gegenteil, Sprache ist noch hoffnungsvoll, abstrakt (das hängt mit  "trachten" zusammen), und richtig; dort wo wir bewußt lügen ... Es sind  die Motivationen, das, wovon wir zu wissen glauben, was uns bewegt und zum  Handeln bringt; die Zeit , die wir uns setzen, die Werte, die aus der Tiefe unseres Unbewußten kommen und von denen wir nicht wissen können was sie bedeuten, auch wenn wir uns mit mehr oder weniger Kunst, dazu etwas  zurecht machen, wir doch nicht wissen wozu sie uns eigentlich antreiben:  Ganz extremes Beispiel, die Geburtenfreudigkeit der armen  Schwarzen in den USA und im Vergleich dazu, die geringe der  wohlstandsgeplagten Europäer sowie der US east coast Intellectuals ...  Nochmals: Warum haben die Irokesen beschlossen auszusterben?

429

 Ideologie ist kein Instinkt-Ersatz wie uns alle möglichen Sozialtheorien weißmachen wollen --  vielmehr müssen wir die erst einmal als (bedrohliche)  Instinktmultiplikatoren verstehen lernen. Ideologien geben unseren  Instinkten die gehörige Unschuld in einer gegebenen sozialen Situation zu  handeln, Werte zu teilen, zu rationalisieren, zu verbalisieren und zu kanalisieren. Das ist ja gerade das hinterhältige an unserenunbewußten Antrieben, daß wir uns  vormachen können, wir wüßten was wir tun (der Substanzabhängige, der seine Abhängigkeit unter Kontrolle gebracht hat kennt diese Erfahrung; unsere Unterwürfigkeitstriebe unsere gesamten sozialen Antriebe funktionieren aber in genauer Analogie zu diesen Substanzen; deshalb sind sie ja so mächtig).

435

 Wir können  uns selbst in den abstraktesten (das hängt mit trachten zusammen) Äußerungen nicht von unseren elementaren Handlungsimpulsen lösen allein schon deshalb weil wir auch im exaltiertesten spirituellen Zustand noch  immer atmen, verdauen, abscheiden ... wenn wir Mathematik betreiben oder uns von musikalischen Erlebnissen wegtragen lassen -- wir erleben dies als Erhebungen und doch sollten wir gewahr sein daß diese eben in den  "Niederungen" unserer animalischen Natur entstanden sind und ohne dies gar nicht dehnbar sind -- FN spricht von zotiger Musik nur, um vor sich selber  bestehen zu können ... Das unschuldig wirkenden mathematische Gebilde, vor  allem dort, wo wir uns in ganz und gar abstrakte Welten hinein verlieren,  wie in die Galois-Gruppen und in Wahrscheinlichkeitsfelder, hat eine  direkte Beziehung zur sozialen Katastrophe (und spiegelt zugleich die molekularen Vorgänge innerhalb unserer eigenen Zellen wieder).  Hier geschieht etwas innerhalb unserer unbewußten,  unerkannten und nicht verbalisierbaren Steuerungssysteme, das uns auf gemeinsames Glauben und Handeln hin  ausrichtet.  Unsere raum-zeitliche Koordination wird mit dem in  Einklang gebracht, was wir glauben "wollen zu wollen" und "können zu  können" und wofür wir Anerkennung und Rang erwarten dürfen wenn wir es tun. [order out of chaos: wenn ich da nur besser heran käme]

1078

Die Psychoanalyse  wollte heilen [und sah in der Enthemmung eine erstrebenswerte Befreiung]  indem sie die unheimlich heimliche Kommandostruktur des Unbewußten [teilweise] bloßstellte. Viel wichtiger ist  aber, daß wir uns auf die richtige Art zu hemmen lernen und die Elemente aus unserem Unbewußten ans Licht des Bewußtseins stellen, wo wir in aller  Unschuld [in Anpassung an soziale Gegebenheiten] handeln und mit der  Gesellschaft als Ganzer in die Irre gehen. Dabei ist es ein großes  Unglück, daß die Libido als die treibende Kraft hingestellt wurde und nicht die blinde Unterwerfung unter die herrschende Meinung. Es gibt kaum Menschen denen die Sexualität im Unbewußten hängen bleibt, aber fast alle sind vollständig unfähig Hemmungen gegen die herrschenden Wahrheiten zu  entwickeln und wer das tut, der wird für verrückt erklärt.

1167

Des Menschen »Wollen« und »Getriebensein« auseinander zu halten und beiden Elementen  angemessenes Gewicht zu geben __ eine unmögliche Aufgabe. In dem Maße in den Ratio Handeln bestimmt, sind wir frei __ so sagt man doch, aber meistens macht sich doch unser irrationales Unbewußtes die Ratio dienstbar. Rationales  Handeln, mit »gutem« Handeln zu verwechseln, das ist durchaus eine reale  Gefahr, deren wir uns mit unserer deutschen Vergangenheit nicht mehr ausliefern dürfen ... Aber für die Qualität des Handelns bleibt uns am Ende nichts anderes als der Erfolg ... Rational zergliedertes und dementsprechend vorbereitetes Handeln führt mit größerer Wahrscheinlichkeit zum Erfolg als intuitive Feurigkeit [das ist: Aufwallung, Ekstase, Feuer, Fieber, Hochstimmung, Inbrunst, Innigkeit, Leidenschaft, Passion, Pathos, Rausch, Sturm, Überschwang]. Ich habe Ziel und  Zweck und versuche mir die Mittel zu verschaffen meine Zwecke zu erreichen  ...

1183

Das ID äußert sich in seiner bedrohlichsten Form und am ungehemmtesten im archaisch verschwiegenen wir und verschleiert seine wahren Absichten im Ritual, wo der Kult der Macht und der Unterwerfung in unbedenklicher Form sich entfaltet.

1231

In der Sprache trifft sich das Bewußtsein mit dem Unbewußten und durchaus nicht nur  mit dem Verdrängten __ da ist viel mehr, als wir ahnen können  wollen.

1468

Der Vogelgesang: nichts als Grenzziehung ... und meine Grenzen bleiben unverletzlich, solange ich mich in meinem eigenen Reich selbst aushalten-und-ertragen  kann.

1469

»Es-Id« drängt immer wieder auf Konfrontationen und wünscht sich herausgefordert zu werden, in der Hoffnung eine Vereinigung zu finden ...  Mit Fragwürdigkeiten konfrontierte [herausgeforderte] äußere  Umstände.

1470

Mathematische  Existenz und Eindeutigkeitsbeweise bringen erst einmal gar nichts ... der Beweis schafft noch lange nicht die Realität des Eintretens, sondern ist zu allererst einmal Ausdruck des Verlangens nach Eindeutigkeit, bei allen  denen, die so viele Möglichkeiten in sich wuchern fühlen ...

1527

Aus dem Unbewußtensteigen in unser Bewußtsein, die geheimnisvollen Kräfte die die lebende Substanz ganz ohne Ziel und Plan gefunden und über unendlich viele Generationen verfeinert und vermehrt hat: In uns versucht sie sich ihrer selbst bewußt zu werden. Aber statt  dessen tun wir alles ihr den Mund zu verbieten – Gipfel: Wittgenstein’s Schweigegebot!

1614

 

Zur »Freiheit« gehört auch vor allem sich loszulösen aus den Gebundenheit die aus den vorlogischen Erlebniswelten auf uns als unsere Selbstverständlichkeit übertragen worden sind. Das geht aber durchaus  nicht ab ohne emotionelle Erschütterungen: physiologisch betrachtet ist  das nichts anderes als der Zusammenbruch einer grandiosen Struktur [als molekularer Zustand im Hirn], die neu ausgerichtet werden muß ... so gelingt mir das EsId zu überlisten, auch wenn ich mir nicht einbilden  kann, seine Herrschaft insgesamt in den Griff gekriegt zu haben.

1615

Wenn wir uns das ganze Ausmaß der Selbstregulierung des  Leibes anschauen, dann kann man nicht anders als sich eingestehen, daß auch Rauschmittelgenuß nichts anderes ist als ein bewußter und durchaus  von der Ratio gesteuerter Versuch, den Zwängen des Id zu entfliehen.

1616

Wo selbstzerstörerische Handlungen stattfinden,  müssen wir annehmen, daß das Id unter den gegebenen Umständen nicht mehr weiter machen will: Es will die Umstände ändern... das kann sich dabei um höchst moralische Konflikte handeln.

1686

In der Diskussion um nurture [Zucht] und nature [Züchtung] wird völlig außer acht gelassen, was es eigentlich ist, was durch diese Einflüsse geprägt wird:  Das id als Produkt der Züchtung wird ergänzt durch das Überich als Produkt der Zucht ... Ich bleibe bei dem ganzen Prozess immer außen vor und der Verantwortung, der Not überlassen Entschlüsse zu fassen und mir Ziele zu setzen, auf die hin meine Entscheidungen überhaupt erst Sinn machen.1736 Das Ich beweist sich nicht im Denken, es beweist sich nur wenn es mit wirklichen Grundentscheidungen konfrontiert wird. Das heißt, wenn es nicht schon vorher durch das id zu einer spontanen Handlung gekommen ist und der Überich die alte Leier der Gewissensnot anstimmt.

1804

Freud war gar nicht das Originalgenie zu dem er immer wieder hochstilisiert wurde, der war bloß belesen und hat das angelesene auf seine Wiener Verhältnisse übersetzen können.  Was er uns als id und ich und Überich andreht hatten nicht nur die Kirchenväter in der Trinitätsidee schon vor Augen, sondern das war schon bei den alten Griechen als       Pneuma, Psyche und Logos längst bekannt ...

1977

Züchtung als kollektive Aufgabe ist auch ohne die Erfahrungen der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts ein Alptraum. Aber täuschen wir uns nicht, es ist zugleich ein verlockender Traum, der absolute Schuldfreiheit verheißt. Bei allen diesen Vorstellungen schleicht sich immer die Zernichtung des Ich ein: Die perfekte Vereinigung von Id und Überich, ohne das quälende Entscheiden-Müssen.

1978

Von Standpunkte des ich [wenn es denn schon sowas gibt: Donna Anna & Don Octavio als Typus haben kein »ich« sie sind von einem strengen Komptur vollständig kontrollierte Id] aus gesehen, können wir [als Summe solcher Einzelner, denen die Fähigkeit zum »ich« gegeben ist] immer noch nur aus der Natur des Id [das wie das Überich Teil der natürlichen Anlagen...] einen besonderen Anspruch ableiten.  Das »Wissen« des Kollektiven und seine »absoluten Wahrheiten« dem sich dieser Anspruch konfrontiert sieht, ist aber immer mehr, als in dem besonderen Anspruch des Einzelnen liegen kann, was uns übrig bleibt, ist das »Bessere« zu finden.

1987

Meine Einsicht gegen die generelle Abhängigkeit von peer review procedures und das Verlangen nach Loslösung vom Allgemeingültigen ist eine Schmetterlingsidee ...sie flattert mir immer wieder davon: So treibe ich immer wieder in die Sphären des Selbst, das sich nur in der Anerkennung durch die Anderen seiner selbst sicher sein kann. Ich kann doch gar nicht tun was »ich will« ...auch wenn ich das wollen-sollen-können-möchte. Entweder tu’ ich was »ihr« für richtig haltet, indem ich mich auf den modus meines Überich einlasse ...dann bin ich das aber nicht »ich selbst« ...oder ich überlasse mich den Getriebenheiten meines Id und laufe das Risiko von »euch« als Verbrecher verfolgt zu werden.

2191

Sich selber als Ich als das Eine Ganze zu erleben, das heißt in Himmel und Hölle  zugleich zu verkehren und niemals genau wissen wo man sich eigentlich  befindet.  So sehnt Es-Id danach die geistige Führung der Anderen zu empfangen und in einem eindeutig machenden wir aufgenommen zu werden. So findet es immer die richtigen Worte und kann sich in aller Unschuld sich zum Werkzeug dieser Führung machen. So  erreicht er Rang und Status