Kommentare

Aaron

Aaron wählt als Beispiel zur Erläuterung formal logischer Beziehungen einmal nicht die schwarzen Schwäne sondern den ganz erstaunlichen an den Haaren herbeigezogenen, und dafür umso erhellenderen Satz: "daß Hitler tot sei und nicht tot sei kann nicht zugleich wahr sein ..." Ach, wäre der doch bei seinen schwarzen Schwänen geblieben!  Das ist es ja doch gerade, was auch immer wir erfinden mögen uns die Welt zu gestalten, diese Möglichkeit lebt mit uns fort und wird doch täglich neu experimentiert heute in Israel/Palästina, Iran, Nigeria, Süd-Afrika ... Ohne Ende Hilter ist tot und doch lebt da etwas weiter -- boftmals schamhaft versteckt und verschleiert.

Den Sündenbock zu verteidigen und anfangen Argumente zu sammeln, zu beweisen, wie das was geschah, notwendig so geschehen mußte: dazu fallen mir Worte ins Bewußtsein wie "Glasperlenspiel" und "Luftschlösser Wachmannschaften" und doch reizt es mich den Nietzsche vor den giftigen Angriffen zu verteidigen denen er durch Aaron (von rechts), Lukács (von links) und sonst noch alles mögliche Gesindel ausgeliefert wurde.  Der, gerade der als Begründer der Unschuld des Bösen!  Was für ein Mißverständnis! Und doch aber auch: wieso erregt mich das denn so? Ja, so verschütten wir allen Einblick in die Prozesse denen wir unterworfen sind und die unausweichlich in Sackgassen führen wenn wir sie nicht immer wieder in ein fragendes Bewußtsein heben. Es ist immernoch nur eine Hoffnung, daß solch ein soziales Gewissen nicht noch einmal erzeugt werden muß durch ein vernichtendes Weltgewitter:  Dessen Ursache wird ebenso wie in den vorhergehenden Stadien, die selbstgerechte Arroganz des guten Gewissens des Erfolges in sich tragen.

Abraham

...der Gott Abrahams, dieses ganz und gar persönliche und damit unausweichlich ephemere Wesen ...
der ist nicht f
ür die Massen

Mein Verständnis für die Symbolik des Isaak: Es geht bei ihm um das Weiterleben-müssen ganz gleich ob er sich ausrechnen kann, wie es weiter gehen wird oder nicht.  Auch Abraham erscheint mir in einem anderen Licht, der ist noch viel fortschrittlicher als der Gott der Christen, der seinen Sohn morden muß um ein Erlösungsversprechen glaubhaft zu machen - Abraham hat kein Erlösungsversprechen nur ein Gesetz des rechten Handelns und eine unbestimmte Hoffnung, es werde schon irgendwie weiter gehen, solange die Nachgeborenen nur leben.  Es ist ein christlich eingefärbtes Mißverständnis bei Kirkegaard  das Abraham zu dem unerschütterlich Gläubigen macht.  Der zweifelt doch.  Das Gesetz unter dem er antritt, und das Opfer des Erstgeborenen fordert wirft er doch bei der ersten sich bietenden Gelegenheit weg:  das ist die Poppersche Erkenntnistheorie, ich unterwerfe mich einem Gesetz nur solange es fruchtbar ist -- so alt ist das, wofür dieser eine so viel Ruhm und Adel erworben hat - Neidhammel der ich bin finde ich doch immer einen guten Grund die anderen nieder zu machen. Aber doch bin ich zugleich auch dankbar das sehen gelernt zu haben und so in die Tiefe des menschlichen schauen zu können ohne Terror und Angst und Zittern aus dem ein Kirkegaard die Welt hat neu denken müssen. Daß wir die Welt nicht neu denken müssen, daß alles schon einmal gedacht und gelitten worden ist und so es uns nur gegeben ist dieses erlittene neu zu erleiden und aus diesem Leiden zu einer inneren Sicherheit kommen, die uns die unvermeidlichen Unsicherheiten des Daseins und des Zusammenlebens mit anderen überhaupt erst erträglich werden läßt.

Adler

23 Alfred Adler hat uns mit einem bösen Konzept der Feigheit beglückt, das zwar erkennen lehrt, aber uns doch zugleich tiefer in die falsche Richtung preßt... hinter diesem Wort verbergen sich Antriebe, zu denen wir uns nicht bekennen wollen weil sie in unserer Wertskala nicht dort stehen wo wir wollen möchten müssen, das sind Verwirrungen von Intensitäten innerer und äußerer Wertordnungen -- die Maßstäbe haben bei Adler einen dehnbar-schrumpfenden Charakter ... Der Feige erscheint (vor sich selber) in verdrehten Perspektiven; indem er von Einsichten in eigene Beschränktheiten geplagt wird die seinen anderen Rangordungskriterien nicht entsprechen -- sein Einblick in die Verwobenheit der Handlungsimpulse und seine Fähigkeit die plus- und minus Punkte abzuwägen erbringen eine totale Lähmung des Systems der Entscheidungsfindung...

Adorno

2091 In dem Maße in dem wir danach streben uns selber zu begreifen erfinden wir uns auch eine Theorie des Lebens und des Kosmos ... Auch wenn sich Biologie, Astronomie, und Quantenkosmologie als reine Wissenschaften erleben dienen sie doch dem gleichen Zweck, dem zu anderen Zeiten die Theologie und die Philosophie zu Diensten war. Sogar das erste Gebot ... den Namen nicht zu nennen ... wird im heutigen Wissenschaftsglauben strenger genommen als zu jeder früheren Generation ... Wir wollen uns ja als ein dynamisch wirkendes Element der Natur begreifen ... das ganz aus der Natur heraus bestimmt ist.  Neu ist aber, daß wir plötzlich auch entdecken, in welchem Maße wir in die Natur hineinwirken ... übereilig manches mal, wie die  nurture & enviroment ideologies sichtbar machen.  Was dabei übersehen wird, das ist die Tatsache, daß alle Naturvorgänge immer wieder über ihre eigenen Grenzen hinausreichen ... Grenzen eigentlich nur für analytische Zwecke gebraucht werden weil wir gar nicht anders glauben denken zu können.  Nichts ist »wohldefiniert« und alle Vorstellungen von Anfangsbedingungen sind aus dem längst verdunkelten Himmel metaphysischer absoluta ... so entzieht sich auch ein Ende jeder Art von Existenzbeweis ... das hat dem alten Berkeley die Unschuld dafür gegeben uns zu beweisen, daß wir im besten Fall der Traum eines Gottes sind, an dem bewußt teilzunehmen Gnade eben dieses Gottes ist.  Der Holzhammer-Realismus der Aufklärung meinte das ignorieren zu dürfen und die dialektische Methode hat dazu noch die Unschuld der beliebig zu erfindenden Rand- und Anfangsbedingungen vermittelt: Wenn ich euch sage daß Nietzsche der Philosoph kapitalistischer Ausbeuterinteressen, gar der Philosoph bismmark-wilheminischer Imperialismusträume gewesen ist dann ist damit das Fundament der Erlösung durch Lukács-Adorno-Horckheimer unerschütterlich gegeben: Ich Lukács habe das Glück und die ungeheure Schaffenskraft, Zeitgeist zu sein ...

Aristoteles

Ist Griechenlands Kultur untergegangen wegen der ewigen Bürgerkriege oder vielmehr weil sie Erlösung von sich selber im Reich fanden -- Platos Reich des Geistes, von Aristoteles pragmatisiert waren so erfolgreich, daß sie für 2500 Jahre jeden eigenen Ansatz zertrümmerten "wer ist denn der? ... was will der denn ..."

Es ist wohl eine perspektivische Verzerrung anzunehmen, daß im alten Griechenland die Ausnahme die Regel werden wollte, -- obwohl vom wirklich radikalen Demokratismus wie er sich in bestimmten Ruinenkomplexen erkennen läßt haben wir noch nicht einmal mehr schriftliche Quellen ... Im Vergleich zur historischen Umwelt haben sich dort allem Anschein nach geistige Wahrscheinlichkeitsfelder so "schnell" verändert, daß sie als Chaos erlebt werden mußten... Die Figur des Alexander und seines Lehrers Aristoteles erscheint dadurch in einem völlig anderen Licht:  als der "leichte" Ausweg.  Wir leben doch auch in Zeiten schneller Veränderung -- hüten wir uns vor "leichten" Auswegen!

Moral-Wissenschaft ist immer ein beweihräucherndes Abwägen von Angebot und Nachfrage: "Ob wir wohl damit durchkommen?" Preise sind dabei nur ein Nebeneffekt, der heute selber schon der primäre Rangindiktor ist: das ist doch die Wurzel der Ökonomie selber Moralwissenschaft zu sein, nicht erst bei Adam Smith, schon bei Aristoteles Wir können in diesen Fragen nichts beweisen, bestenfalls etwas feststellen und für eine Gewisse Periode zum Maßstab machen.

Im Gegensatz zum methodischen Zweifel, gehören weder Mißverständnis, noch Lüge zum anerkannten Handwerkszeug der Philosophie ... mehr als die Hälfte der geistigen Aktivität des Menschen ist damit unter den Teppich des »du sollst nicht« gefegt ... Man denke nur an die über Jahrhunderte weiter getragenen Lügen und Unwahrheiten in der Natur-Lehre des Aristoteles.

Aristoteles wollte uns einreden Perfektion sei in der Harmonie zu finden, wie sie sich in den himmlischen Sphären darstelle. Heute »wissen« wir, daß Galaxien ineinander stürzen können und schwarze Löcher alles um sie herum sich erzeugende aufsaugen und zum »Verschwinden« bringen können.  Das ist vielleicht nur eine Übersetzung unserer menschlichen Dimensionen in kosmologische Vorgänge:  Jedenfalls erleben wir Vollkommenheit im Widerstreit des Wollens ... Nur aus diesem Widerstreit kann sich ein »Bestes« gestalten ... Kein Bestes kann auf Dauer bestehen bleiben, es ist immer instabil, zerbrechlich und leicht verletzbar ... und im Ende wird es »nur« durch Glauben zusammengehalten, der dem Wollen die Unschuld des Handelns vermittelt.

Augstein

... Heine ein Augstein ja ich weiß’net ... Augstein ein Heine jedenfalls nicht, dem fehlt ja alles was zum Poeten gehört ... das hat er mit teurem Kognak kompensiert.

Sein Verhältnis zur politischen Wahrheit entsprach dem Verhältnis von Hugh Hefner zur Liebe.

Nihilistische Hoffnungslosigkeit, verbunden mir einer eifernd schwärmerischen Begeisterung für längst verlorene Glücksspender, Götter, Ideologien und »Wahrheiten« und wissenschaftliche Erkenntnisse: Lauter »letzte Menschen« ... Utopie -- das zarte Gespenst -- Dabei kann man aber sicher sein, daß jeder der so Erfüllten, sei es nun das Artamanenthum von Heinrich Himmler oder der bürgerliche Vernunftglaube der Gräfin Döhnhoff oder das links-aufklärerische Besserwissen von Rudolf Augstein und seiner eloquenten Winkeljournalisten,  jeder der so Erfüllten sieht sich selber durchaus nicht als einen der in nihilistischer Hoffnungslosigkeit versunken ist ... wenn nur endlich die Anderen einsehen würden, wo der wahre Pfad ist ... Aber das ist ja das Wesen des Verlusts der Hoffnung: nicht mehr daran glauben können, daß »ein gütiger unsichtbarer Gott« alles zum Besten wenden könnte.  »Modern« ausgedrückt: Nicht daran glauben können, daß die Selbstregulierungskräfte der Gesellschaft stärker sind als alles Wollen Einzelner ... Daß dazu das vollständig Unverständliche, das Unvernünftige, daß dazu einmalige Untaten gehören, um Schritte zu ermöglichen, die anders gar nicht denkbar gewesen wären.

Herr Augstein  wurde von dem Schatten seiner eigenen Größe mit Blindheit geschlagen. Es ist kein Wahrheitsbeweis, wenn man eine große Gefolgschaft hat ...was ich ihm besonders übel nehme ist sein Einfluss auf das Kunstverständnis

Augustinus

Augustinus entwickelte den “freien Willen” als Herrschafts-Instrument... und wir fallen immer noch auf diese verfhrerische Suggestion herein: Frei sein und siegen.

Benjamin

ich bestimmte Sachen kann ich auch mit Mühe nicht aufnehmen: Die Präsentationen des Neu-Heiligen Walter Benjamin, zum Beispiel, bleiben mir verschlossen.  Warum eigentlich? Das ist  ein Heiland für diejenigen, die seinen Schriften folgen; ein Gekreuzigter der alle Schuld der Welt auf sich genommen hat und damit unser Mitleid unsere compassion herausfordert, in dem Maße in dem wir nicht selber leiden können.  Ein Heiland, der mit vagen Versprechungen die Welt verbessern will indem er uns lehrt, wie die Anderen sich verhalten müssen, damit alles Leiden ein für alle Mal aus der Welt geschafft wird. So sehr hat er an der Welt gelitten, daß er sich selber ermorden mußte um den Häschern zuvor zu kommen, die ihm nicht nur nach dem Liebe trachteten, sondern die auch noch am Grundgerüst seiner Rettungsideale Unheil stifteten ...  Und das was das Intellektuellenblatt der Deutschen vorzubringen hat ist mir auch in weitem Maße weggerückt:  Darüber kann ich mich noch nicht einmal mehr richtig ärgern.  Aber ich weiß doch, ich zähle auf zu der Kohorte der Leserschaft mit Abitur und die sind ja explosionsartig angewachsen und so eine Erklärung für den phänomenalen Erfolg dieses Blattes hergeben. Das Blatt für die mit einem akademischen Titel [die Dr. Lieschen Müller heißen mögen] ist mir schon seit 1963/64 ungenießbar geworden als die einen Artikel veröffentlichten, der alles Leiden dieser Welt aufs Autowaschen zurückführten. Ich habe diesem doch noch etwas höher stehenden Blatt der Superintellektuellen den Rücken kehren müssen und schaue dort immer nur noch mit neugieriger Verzweiflung hinein, ob ich nicht vielleicht doch wieder in der Lage wäre mich mit dieser Mischung aus Ordnungs-politischer Trockenkost und moralisierender Rechthaberei zu arrangieren ... Alle Einwände gegen »modern obsessions« wie meine Segelleidenschaft ist ja aus dem gleichen Impuls geboren, der damals eine Dame [mit nachgewiesenen Kenntnissen in Soziologie und Psychoanalyse  in jener heute fast nicht mehr nachvollziehbaren Nachkriegs-Mischung aus Freud und Heidegge und Jaspers und Jung; schade daß ich mich nicht an ihren Namen erinnern kann] dazu anregte, sich darüber zu erregen, daß der biedere Wohlstandsbürger, der doch eigentlich an der vernünftigen Verbesserung der Welt arbeiten soll [damals war ja vom Auschwitzkomplex noch weit und breit nichts zu vernehmen, es sei denn, daß der Eine oder Andere sich fragte ob der allgemein geläufige Ausdruck “bis zu Vergasung” wirklich so lustig ist wie man ihn in den späten 40er und in den 50er Jahren des verdammten XX. Jahrhundert allgemein genommen hat] nicht besseres im Kopf hat, als den Lack am Auto auf Hochglanz zu halten ...

Benn

Bewußtsein als Krankheit.  Das ist der Traum von einer perfekten Welt, die immer im Zustand des Orgasmus, im Zustand irgendwelcher gehobener Gefühle für die ist, die im körperlich Sexuellen das Niedere sehen.  Das ist der Traum man könne sich immer auf den gesteigerten Energiepotentialen entfalten -- in der Seglersprache "gleiten" [to sit on a plane].Bewußtsein als Krankheit - das hat auch Benn zum Ausgangspunkt seines Denkens gemacht: Leiden am Ich und an der Welt als das Negative und aus den Negativen das Böse erwachsend.  Leiden verführt aber dazu an Erlösungsversprechen zu glauben. Und mit den Erlösungsversprechen begeben wir uns immer in die Gefahr irgendwelchen Rattenfängern und ihrem lockenden Flötenspiel zu folgen. Leiden am Ich und an der Welt ist aber die Herausforderung an sich. Wenn mir etwas weh tut, dann ist das doch eine Herausforderung mich aus den Umständen zu befreien die diesen Schmerz verursachen.  Dazu muß mir aber der Schmerz ins Bewußtsein treten.

Brecht

Konstruierte Wirklichkeiten als "Lust am Sprachspiel" zu enthüllen.  Dabei sind "die" doch so verdammt gut mit ihren Spielen, daß man es schwer hat Aufmerksamkeit zu erregen.  Berthold Brecht wird noch dort als Originalgenie gefeiert, wo er Form und Inhalt gestohlen hat, wie im Dreigroschenroman und der Dreigroschenoper:  Die gesamte Kultus-Bürokratie der Bundesrepublik Deutschland steht schützend vor dieser Lüge.  Und das Schlimme dabei ist, daß es mir inzwischen fast gleichgültig ist, was die damit erreichen werden.  Bis ich mit meinen eigenen Gedanken fertig bin, ist möglicherweise längst ein back-lash eingetreten, der alle meine Argumente völlig überflüssig macht.

Berkeley

Foucault ist nichts anderes als eine Neuausgabe der Ideen von Berkeley: "es gibt keine Realität, es gibt nur Worte." Während Berkeley noch Gott brauchte um diese Idee zu verkraften, weiß Foucault daß unsere Existenz so weit reicht wie die Texte in denen wir uns wieder finden und die Texte werden durch den Diskurs ausgeweitet. Das hat eine völlige Spiegelung in dem big bang Modell des Universums. Einsteins Relativitätstheorie und Konzept der Zeit als Dimension entspricht dem Fündigwerden, das Foucaults Archäologie der Texte bereitet. So wie wir uns vorstellen, wir blicken zurück in die Entstehung des Universums, wenn wir Bilder von Quasaren interpretieren, so sieht Foucault in den alten Texten einen Diskurs der die Ideenwelten ihrer Zeit begründet und der durchaus nicht geradlinig auf uns kommt. Die Brüche und Katastrophen, denen das Geistige ausgeliefert ist sind das eigentliche Thema der Moderne.  Aber Foucault brauchte sich gar nicht einzubilden er wäre ein Pionier und die Avant Garde des Denkens schlechthin. Karl Mannheim und die Wissenssoziologen haben schon eine ganze Generation vor ihm dieses Thema ausgewalzt und wie Foucault die Illusion gehabt damit einen versteckten Machtanspruch zu formulieren. Die Unzufriedenen aufzuwiegeln, ihnen vorgaukeln, es sei möglich durch Enthüllung der Konventionen des Textes, diejenigen, denen es gelingt Einkommenströme zu ihren Gunsten einzudämmen, zu entmachten; um damit in ein Paradies zu kommen in dem man keine Miete mehr zu bezahlen braucht.

Gestern habe ich mich mit Hume, Berkeley und den Philisophen der Aufklärung aus der Perspektive eines politisch korrekten Norwegers herumgequält.  "Aha, da ist so ein Beschränkter der die Welt ein für alle Mal in Ordnung bringen will".

Beuys

...... in dem bescheidenen Ruhm den »interssierte Kreise« für Josef Beuys mit raffinierter Öffentlichkeitsarbeit in die Welt gesetzt haben, wird die unheilschwangere Tendenz sichtbar, wo jedem x-beliebigen ein öffentlicher Wert beigemessen werden kann ... die Auflösung des Individuums hat ja zur Folge, daß die Leute glauben wollen und in der Suche nach dem Glaubhaften, sich vorbehaltlos Führungen anvertrauen, die sich, nur durch die Kunst glaubwürdig zu erscheinen, legitimieren können und ich selber so ein fatal Unschuldiger wie der Brian Pazival in dem Film von Monty Python. Natürlich weiß ich nicht deshalb einen Weg zum Erhabenen, bloß weil ich nicht sehen kann, daß etwa Andy Warhol oder Josef Beuys einen Widerschein von wahrhaft Erhabenem, Schönen und Wahren geschaffen haben wie ihnen das die Geschäftemacher, die ihre Werke vermarkten unterschieben ... und ich weiß ja noch nicht einmal, was ich hier eigentlich sage.  Wahrscheinlich ist die wichtigste Einsicht dieser Seiten wieder mal in einer Fußnote verschwunden, wie »die Quelle aller Metaphysik der Faustkeil, so wie er seit ein paar Millionen Jahren uns hard wired im Hirn sitzt ...

Burckhardt

Der Gedanke eines Western Patriarchat ist aber von vorn herein absurd.  Seit dem Ende des ancien régime gilt der Mann doch eh' nur als Waffenfutter, als Arbeiter, als subaltern Organisierender. Das muß ich mir noch einmal aus der Perspektive der Zeitkritischen Bertachtungen des Jakob Burckhardt anschauen. Seine Renaissance Manie ist eine Manie der Mannessucht und in den Medici und den Condottiere sieht er noch eine Mannesideal realisiert, das längst verloren ist.  Er war sich damals schon akut bewußt, daß unsere ganz Großen nichts anderes sind als raffiniert herausgeputzte Jagos.  Typen, die sich einer-wie-der-andere durch krumme Touren nach oben geschwindelt haben ... Schwindel als Mittel zu Macht zu kommen, das ist ja noch akzeptabel: Aber Schwindel um der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen, wie es unter vielen Margret Mead gemacht hat, das ist schon etwas sehr schwerwiegendes.  Man muß schlicht davon ausgehen, daß alle Sozialwissenschaft [und die Ethik und die Theologie als Sonderfälle des sozialen Wissenschaften]  politisch motivierte Lüge ist.  Schlimm dabei ist, daß die Novizen im guten Glauben sich in diese Lügengespinste hineinziehen lassen und dabei allen Ernstes an die Gewichtigkeiten der mühsam erworbenen Wahrheiten glauben

Campbell

... Josef Campbell's [in dem Library of Congress Catalogue www.loc.gov sind von ihm immerhin 41 Bücher aufgeführt, was ihn, nach der Frey'schen Erfolgstheorie zu einem der Wichtigen macht, die sich im XX. Jahrhundert zu verwirklichen trachteten] Mythostheorien ist es gelungen, die Erfahrungen der vergangenen 3-4,000 Jahre in Geschichten und Gedankenbilder umzusetzen, die am Beginn des XXI. Jahrhunderts »Sinn machen«. Campbell kommt aus dem irisch-katholischen Weltbild und wußte um ein Mysterium der Universalität, das Protestanten wie Kant oder Hume gar nicht zugänglich gewesen ist:  unter den Vätern der Moderne ist es wahrscheinlich nur Leibniz, der diesen Schleier des Mysteriösen voll akzeptierte und nicht etwa als bloßes noch nicht Wissen abgetan hat -- grundsätzliches nicht Wissen können, das bleibt irgendwo Endpunkt der existentialistischen Philosophien, die uns einreden, wir könnten dieses nicht wissen können durch einen Selbstentwurf überwinden -- etwas anderes konnte dem oberschwäbischen Ex-Katholiken auch gar nicht einfallen:  wenn die Kleriker wider besseres Wissen »lügen müssen«; dann ist alles was »man glaubt« Lüge ...aber rational-Analysen sind ohne Mythenbildungen gar nicht möglich. Der »moderne Mythos« wird aber leider eher verschleiert, von den eindringlichen Bildern, mit denen uns Campbell Vergangenheit sehen läßt.

Camus

Hat sich Camus etwa das Absurde erfunden weil er die Bluträusche der Verteidigung von Lebens-Sinn-Werten zu einem Ende bringen wollte ... Hat er damit nicht der blinden Getriebenheit ein allzugroßes Vertrauen ausgedrückt:  wir haben doch Bewußtsein, das kann aber nur funktionieren unter der Wirkung eines wie auch immer gearteten Ordnungsprinzips -- sollen wir das etwa von irgendwelchen geheimen Verführern uns unerkennbar in blinder Getriebenheit in uns einpflanzen lasen...

Cantor

Ein weiterer meiner Geisteshelden ist irre geworden. Cantor ist 1918 in der Nervenheilanstalt zu Halle gestorben, nachdem er seit etwa 1895 immer intensiver von Nervezusammenbrüchen geplagt worden ist. Ich frage mich, ob das schon einmal etwas gründlicher erforscht wurde. Was immer die Lehrbuchmedizin über diesen Fall festgestellt haben mag, ein wesentlicher Beitrag muß von dem erleben der Ungeheuerlichkeit seiner eigenen Entdeckung herrühren: Ein typisches Schicksal eines "letzten Menschen", den mit der Laterne durch die feuchtkalte Nacht rennt und den Mord Gottes beklagt -- auch wenn er nicht ganz sicher sein kann wer Gott gewesen sein könnte, daß er sich wirklich hat umbringen lassen.  Schade, daß sich die beeiden nie begegneten ... und wohl auch niemals hätten verstehen können.

Georg Ferdinand Ludwig Philip Cantor was a mathematician, still remembered for his contributions to the theories of analysis, topology and mathematical logic. Most of his academic career was spent at the university of Halle where he became extraordinary professor at age 27 and ordinary professor of mathematics in 1879. His life time hope of becoming professor at the University of Berlin was disappointed. His work gained little recognition during his life time, it cumulated in his famous Beiträge zur Begründung der transitiven Mengenlehre (engl. trans. Contributions to the Founding of the Theory of transitive Numbers) which were published between 1895 and 1897. Cantor suffered from nervous breakdowns in his later years and died in a mental hospital at Halle on Jan. 6, 1918. What happened to this man of genius? Did he have an endogenous predisposition, which caused his self control to destabilize, or was he a victim of external forces which drove him into madness.   To achieve recognition and validation, that is the whole purpose of life. Cantor knew that he had achieved extraordinary insights, and despaired because he did not feel rewarded appropriately. The whole of culture is nothing but the strife of men to be recognized and be validated by their peers as well as society as a whole. He was not validated, otherwise he would have been invited to teach at the foremost place of imperial Germany.   But imperial Germany was on its own course of madness. Driven by a man who needed compensation for the disadvantage of being borne with a crippled arm, the German Empire set out to prove they were foremost among the great powers of the globe. Berlin was not ready to receive a thinker who, in all innocense, had destroyed the very foundations which provided the basis prosperity of the Empire as well as all other industrial societies.  The age of reason was about ready to give itself the ultimate test, when Cantor published his findings. May be most of us are still not sure about the message, which was hammered out in the conflicts, the struggle for power, which shook the world since the beginning of the twentieth century. Cantor was among the first of the last men screaming at the dark of the night and complaining about the death of god, as was described in flaming words by another German, Nietzsche, who is strangely contemporary and even more strangely identical in his premonitions about the strength of scientific argument and reason to support the fabric of an exploding life form which was about to conquer the remotest corners of the globe, and which would need the ability to control all its different parts including itself. Cantor and Nietzsche never met, and if they had, they probably would not have understood each other.   The ultimate ratio came to a head in Cantor's mind as a strict and unavoidable consequence of reason and cold and distant argument. What it said was straightforward: Reason ends in antinomy, conflict and paradox. There is no way out: Mathematics and Logic and any other construct of pure reason have definite limits which cannot be overcome. Wittgenstein carried this to the conclusion to command: "Thou shalt be silent where thou hast nothing to say [even if you boil with strange-strong feelings]." But Cantor's madness is the fact that he "knew" there was something beyond the grasp of pure reason and beyond the grasp of words. The miracle of life is exactly at this point of conflict, which cannot be resolved by argument: Life goes on, no matter the paradoxes. The Whole needs governing. But if the true Whole consists of its elements as well as of itself, then, according to Cantor, we will face paradoxes.  In real life we experience the paradox as catastrophe. This is when violence breaks out. This is when human aggressiveness turns ugly. This is the place, where we may learn to understand why the men of faith saw merit in the methods, in the torture, and murder of the Inquisition.

Carlyle

Thomas Carlyle hat die Demokratie mit dem Argument abgelehnt, daß auf diese Weise das Lumpengesindel an die Macht käme.  Dabei ist das Lumpengesindel, die Bastarde und andere illegitime Machthungrige die an die Macht kämen doch wenigstens dadurch geprüft, daß sie sich gegenseitig so mißtrauisch wie nur möglich auf die Finger schauen: "Given a world of Knaves (Schurke, Schelm, Bube, feige Memme), to produce an Honesty from their united action?" Es ist klar, Carlyle hat diese "Wahrheit" nicht gefunden, sie schlummerte schon in der Sprache und hatte somit das Einverständnis mit der Ideologie, die darin zum Ausdruck kommt, daß das Wort Knave schon diese negativen Empfindungen umfaßt. Und die Zahl der sinnverwandten Wörter, die dies Gefühlsebene umfassen, ist nahezu endlos, die meisten die Antonyme beziehen sich auf feine Abstammung und "Auserwähltsein".  Nur leider wissen wir zu gut, daß die feinen Stammbäume viele Äste hatten, aus denen Schurken und Verbrecher, Unbedarfte und Verrückte hervorgegangen sind.

Carlyle ist Kulturkritiker und Fritz Stern hat unrecht wenn er das nur auf Langbehn und andere Jämmerlinge zu reduzieren sucht.  Die Proto-Nazis hatten durchaus kein Monopol auf einen Kulturpessimismus, der sich nach dem starken Volke sehnt. Das kann ich nicht nur bei Carlyle sehen.  Schon Gibbons Schrift vom Untergang Roms hat dieses verlangen nach dem starken Volke zum Ausdruck gebracht. Dieser Pessimismus war ein fundamentaler Teil der Aufklärung und der Untergang der alten Strukturen wie er in Frankreich so ganz besonders sichtbar war hat ein Notstandsbewußtsein geschaffen das bis heute nachflakert.  Das machbare Paradies so wie es Marx und Engels ausgedacht haben ist immer auch das bedrohte Paradies. Das bestehende umzustürzen, wie es Sait-Simon dachte, mußte wissenschaftlich abgesichert werden, damit die Bedrohung eingeschränkt werden kann.  Die Idee von dem was das Bessere sein könnte wird im Zeitraum von 1820 bis 1870 erkämpft und man kann in der Gartenlaube nachlesen wie sich 1870-1890 ein unfaßbarer Meinungsumschwung breit macht, weil die Leute anfangen zu glauben sie wüßten wie es nun auf alle Ewigkeit weiter gehen wird. Das Abschaffen des Fragens der blinde Glaube an die Tat das mußte in den Untergang führen. Und heute können wir durchaus noch nicht sicher sein ob wir damit schon zu einem guten Ende gekommen sind.  Der dance makabre in dem das nationalsozialistische Experiment endete und die unverständliche Selbstauflösung des SowietImperiums sollten uns nicht zu der Illusion verführen, wir wüßten nun wie es weiter gehen soll. Gerade weil eine nüchterne Analyse des Geschehens tabuisiert wird und die Werteordnungen selber nicht in Frage gestellt werden [und die die faking machen so nicht identifiziert werden können] ist es nicht möglich die weiteren Vorgänge abzuschätzen.

In der Carlyle Biographie kann ich nachvollziehen wie vor 150 Jahren der dilettantisch Literat der sich für ein Originalgenie hält langsam zum studierten professional sich wandelt. Friedrich Nietzsche war durch-und-durch Dilettant und Amateur und Goethe der Olympier konnte auch keine propaedeutischen Seminare nachweisen die ihn zu einem wahren professional hätten machen können. Bei aller Verherrlichung der professionals versäumen wir nachzuschauen was uns dabei alles verloren gegangen ist. Fred Kaplan der Herr Professor, das ist ganz sicher ein highly trained professional, der zeigt es dem jungen Gemüse das an sein College kommt und es ist ihm sicher eine große Lust alle Spontanität die ihm dabei gegenübertritt zu zernichten mit Stumpf und Stil: bei Carlyle mag das ja noch angehen - spontan sein - aber wer heute Erfolg haben will der muß sich schon den minimalen Anforderungen an Struktur und Wortwahl stellen. Die Hälfte der Leute mit denen sich Carlyle umgibt sind gentlemen scholars Privatgelehrte, die es sich leisten können zum vergnügen irgendwelchen wichtigen oder exzentrisches Angelegenheiten nachzugehen. Heute ist man «Publizist» und hat seine Seilschaften, die sicher stellen, daß man bei der Stange bleibt -- man muß ja doch überleben.

Comte

So hat uns Auguste Comte die Aufklärung als Wissenschaft vom Mechanismus des Menschlichen entworfen. Dadurch, daß man Klassen schafft und Kategorien des Verhaltens und eine Soziologie des Wissens [und wohl implizit auch des Nicht-Wissens], schafft man aber keine Realität.  Damit macht man etwas einsichtig, was so überhaupt nicht existiert. Die griechische Tragödie stellt uns die Schicksale von Königsgeschlechtern vor.  Aber sie tut das nicht etwa aus einem Klassenbewußtsein heraus, sondern nur um von Anfang an festzustellen, daß diese Schicksale nicht beschränkt sind von den kleinen Erbärmlichkeiten des Alltags - nicht aus der Not um das tägliche Brot schlägt das Schicksal zu und kümmert sich auch nicht um die Kontenführung der Erbsenzähler

 

Noam Chomsky ist doch ein Musterbeispiel dafür, daß einer "die innerste Essenz = das Wesen" der Sprache verstanden hat, und nun doch nicht dagegen gefeit ist, blind zu sein für bestimmte Elemente der Realität, und aus dieser Blindheit heraus Schuld zuzuschreiben, wo noch nicht einmal eine Absicht besteht.  Das ist überhaupt "die Krankheit der Linken" dort Schuld zuzuschreiben wo noch nicht einmal eine Absicht gegeben ist.

Darrida

Der Urtyp des intellectual glitterati ...der Liebling der high-brow Feuilletonisten:  Wenn es Einzelnen gelingt durch dichten und denken Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, weil »die Orientierungslosen« meinen, das sei Einer, der »eine neue Richtung angibt« ... dann geschieht das, was Hegel glaubte unmittelbar miterleben zu können, daß nämlich der Zeitgeist sich seiner selbst bewußt wird ... und Darrida will nun mit aller Gewalt widerlegen, daß so etwas geschieht; denn Zeitgeist impliziert ja etwas Absolutes und dem müssen wir uns mit aller Gewalt erwehren, weil wir damit so schlechte Erfahrungen gemacht haben ... Aber es gibt eben bestimmte menschliche Grundmuster, wie bei jedem Einzelnen die Spannung der unausweichlichen inneren Widersprüche immer wieder mit den gleichen Normensystemen unter Kontrolle zu bringen versucht wird. –  Das ist eine Art der Verselbständigung des Geistigen, eine Loslösung von Einzelschicksalen, die den Normensystemen »Heiligung« vermittelt. Wenn diese Normensystem allzu eng mit dem credo einer Gruppe von Herrschenden verbunden wird, dann besteht die Gefahr ihrer Entheiligung, weil alle Menschlichen Institutionen sich korrumpieren, auch solche, die ein, zwei, drei tausend Jahre lang den Anschein der Makellosigkeit zu wahren wissen. Sobald sich solche Normensysteme, die aus dem relativen, des Heran-Reifens Einzelner heraus genommen werden konnten, sich mit der Lust nach Gewalt, mit der Verführerkunst politischen Machtinstinkts verknüpft und den so zu Herrschaft kommenden die Unschuld zur Gewaltanwendung vermittelt, werden sie sehr schnell entwertet und viele ihrer Einzelkomponenten in ihr Gegenteil umgewertet:  So konnten Wilhelm Reic und Margret Meade Sexualnormen auf den Kopf stellen, die den Menschen schon in vorgeschichtlicher Zeit als der einfachste Ausweg aus dem am schwersten zu lösenden Dilemma der species einsichtig geworden sind.

Darwin

Der Würgegriff der christlichen Religion unter dem Darwin zu leiden glaubte und durch den er zu dem Geistes-Titan werden mußte als den ihn heute viele zu sehen lieben.  Dieser Würgegriff läßt uns erkennen, welche Ängste und tiefen geistigen Nöte die unvorstellbaren Leistungen der Götzengestalter der Osterinseln haben leiden müssen ... welche umfassenden Kontrollmechanismen die Priesterbürokratien des alten Ägypten ... welche unlösbaren inneren Bindungen die alten Römer an ihre Götter, ihre Geistergewalten erleben konnten ... Was wir triumphierend als Befreiung erleben, das könnte sich am Ende als ein Verlust herausstellen: »Sieg der Vernunft« ohne den Glauben an irgendwelche Wahrheiten, die höher sind als alle Vernunft ... konfrontiert mit einer völlig neuen Not, von der wir zwar schon seit einiger Zeit reden [Nietzsche, Benn, Wittgenstein ...] die wir aber durchaus noch nicht im Griff haben. Solange wir mit Bertrand Russell und Genossen noch sagen können »Du mußt«... haben wir ja noch etwas von diesem Ur_Glauben bewahrt [die »Linken«; die »Grünen«; die ... das sind noch solche gläubigen Überreste ... die einer nach dem anderen den Weg des Glaubens an die »Erwähltheit der nordischen Rasse« gehen werden] ... Wenn wir die Not als Not der Vernunft ohne triftigen Gründe erleben lernen ... So wie das Christenthum [wie sagte doch Voltaire: »écracéz l'infame«] sich im Angesicht einer überwältigend wachsenden Beweislast hat vom Sockel stoßen lassen, so werden alle denkbaren Heilslehren im Angesicht einer überwältigenden Beweislast gegen ihren Absolutheitsanspruch sich zurückziehen im esoterische Winkel, die Besonderen auszuzeichnen ... das ist nur ein Beweis dafür, daß alle Heilslehren hohl sind, daß es keine vernünftig fundierte allumfassende Ordnung geben kann ... Es gibt aber eine Alternative zu diesem Gedanken:  Die Frage, wie entsteht eine Glaubensgemeinschaft hat ja noch gar niemand richtig fragen können ... Denn bisher sind alle Analysen alle Deduktionen alle »empirische Wissenschaft« immer im Rahmen einer nicht in Frage gestellten Glaubensgemeinschaft entwickelt worden ... Ich habe mich in den vergangenen paar Jahren immer wieder gegen das Aufkommen der Idee wehren müssen, dass es so etwas wie einen telepathischen Konnex zwischen Herdentieren gibt und daß im Normalfall der Einzelne innerhalb der Herde gar nicht anders kann als sich ganz eng an den Codex zu halten.  Nur in außergewöhnlichen Ausnahmefällen, kann der Einzelne seinen intensiven Wunsch_Willen_Gedanken auf eine größere Gemeinschaft übertragen ohne irgendwie zu ihnen zu reden ... So gesehen wäre der Verlust der Glaubensgemeinschaft zurück zu führen auf ein Chaos im telepathischen Konnex weil wir von zu vielen einander ausschließenden Wünschbarkeiten getrieben werden.

Descartes

...in der Philosophie von Descartes schlummern Gespenster einer gnosischen Demirugen-Gottheit, die ihren magic touch in den vergangenen zwei-drei Generationen verloren hat...durch einfaches Zählen sind wir auf Unendlichkeiten gestoßen, die nicht mehr zusammenhalten können, weil sie sich in ihren eigenen Widersprüchen auflösen ... mit der Folge daß wir an den Ort zurück kommen, wo vor zwölf Generationen René Descartes der Gespensterwelt der Rosenkreuzer den Rücken zukehrte, um mit aller Ernsthaftigkeit und gründlichster Methode »nur dem eigenen Gewissen zur Wahrheit« verpflichtet dem Selbstdenkenden Individuum die ausschließliche Macht über alles Denkbare anvertraute...Das cogito ergo sum reicht eben nicht aus, wenn man erst einmal dem Auftrage von Descartes und seinen Jüngern gefolgt ist und alles radikal in Frage gestellt hat:  Die leuchtende Flamme der Aufklärung bleibt eine jämmerliche Funzel, wenn sich das sich selbst erkennende Ich aufmacht die Welt zu erfassen und auf der Basis von Vernunft und Verständnis versucht, sich als einen Teil dieser Welt selbst zu gestalten:  Entschlußlosigkeit und zweiflerische Vor-Ahnungen -- die Ergriffenheit von der Mißlichkeit der Welt als ganzer, die mehr ist als der moralische Pessimismus Schopenhauers -- das ist eine typisch moderne Erkrankung der Seele ... und einer der Gründe für diese Erkrankung ist die typisch moderne Leugnung der Seele, die sich uns eher nebenbei mit dem Mord an allen unseren Göttern ergeben hat. ...  die Behavioristen machen diese Leugnung direkt zur Grundlage aller ihrer Analysen, und dabei versteigen sie sich noch zu der Überzeugung, sie könnten unter dem Schlagwort nurture is everything die Menschen manipulieren »das Gute« zu tun ... wo doch die Definition des Guten ohne Gewissen und die Gewißheit des Gewissens völlig in der Luft hängt.  Kein Wunder, daß der Mr. Skinner auf seine alten Tage mit tiefstem Pessimismus auf die Zukunft der Menschheit schaut und allen Ernstes daran glaubt, wir würden von den mit großer Hysterie beschworenen selbst geschaffenen Nöten -- wie Umweltverschmutzung, Übervölkerung und ... --- zum Opfer fallen ...

Dilthey

Das Geistige ist immer der Stellvertreter des Realen.  Die Art und Weise, wie bestimmte geistige Disziplinen im Zeitverlauf an Rang gewinnen oder verlieren zeigt an, welche Ängste, welche unheimlichen Gefühlswelten, mit einer genaueren Erforschung und damit, der Schaffung eines Geistigen gebannt werden sollen.  Nicht nur die Naturwissenschaften befassen sich also mit dem Realen und der Gegensatz zwischen Natur- und Geisteswissenschaften ist einer, der aus Minderwertigkeitsängsten geboren ist [deutlich zu spüren bei Dilthey und bei Rudolf Eucken, die in einer Zeit lebten in der der Triumph der Kontrolle der Natur durch wissenschaftliche Analyse ganz überwältigend offenbar erschien... nach Hiroshima und nach den teuflischen Konsequenzen, die man glaubte aus der Vererbungslehre ziehen zu können, sind aber die Naturwissenschaften in den Schatten gerückt und werden von den Wildnisverehrern und anderen Grünen auch weiter gründlich verteufelt] ...

Dühring

Dühring — einer der Begründer des ”wissenschaft lichen“ anti-Semitismus — sagt von Kants Gedanken sie seien sich nicht selbst bewußt: "die sich selbst unklare Art der Gedankenbewegung" läßt jeden merken, daß "in dem Gedankengang eine Ungehörigkeit unterlaufe"; denn Kant leide unter "einem Zwiespalt des Gemüts mit dem Verstande..." Wie wahr! Aber hat uns denn der Herr Dühring aus diesem Zwiespalt herausgeführt, und sind sich somit mit ihm heute alle positiven Denker genau deshalb so sicher weil sie den Aspekte des Gemüts total erschlagen haben ... Kann der Menschen Wahrheitsfindung wirklich unabhängig von ihrer Eingebundenheit in sich selber und in die weitere Menschengesellschaft sowie die Natur stattfinden?

Einstein

Albert Einstein hat sich mit allen seinen geistigen Kräften gegen ein dynamisches Universum gewehrt ... Das Denken in statischen Ordnungen war ihm Selbstverständnis.  Unser eigenes Selbstverständnis ist ja doch immer auf »Gegebenheiten« hin ausgerichtet.  Aber wenn die Sternensysteme auseinanderfliegen, wenn Galaxien ineinander stürzen können, dann ist Gottes Ordnungsvorstellung vielleicht doch nicht auf die Erfüllung kleinlich ewigwahrer Pflichten ausgerichtet: Uns ist immer schon der nächste Schritt aufgegeben ... Das Schlimme ist, daß wir gar nicht irgendwelchen höheren Gewalten gehorchen können, wir sich doch vermarktet oder den Machinationen der großen Volksverführer ausgeliefert, lange bevor wir als Einzelne in diesen dynamischen Prozessen »fliegen« lernen ... das Beste, das uns bleibt, sind regressive Erweckungsbewegungen, die alte Zauberkräfte erwecken denen sich unsere Ahnen seit der Zeit von Cro Magnon voll Andacht hingegeben haben ...

 

Erasmus

Was hat denn Erasmus mit seinem Lob der Torheit sagen wollen? Er beschreibt die Hypocrits in action, aber er zieht durchaus nicht in Zweifel, daß damit die hohen Werte, für deren Durchsetzung und Aufrechterhaltung die hohen Herren mit den niedrigen Verhaltensweisen beauftragt sind, selber in Frage gestellt wären ... 

Linguisten: das sind erweckte Wortgeklingel-Abhängige (addicts) denen plötzlich klar geworden ist, daß was sich so gut anhörte, gar nicht so wünschenswert sein mochte; schon Erasmus fällt in die Falle zu glauben er könne die Welt verbessern indem er die Lehre von irgendwelchen "Irrtümern" reinigte und zu den "wahren" Quellen zurück käme.  Dahinter steckt doch der Glaube, Dichter, Literaten gar könnten die Welt verändern ... aber die, die, die Welt gestalten, die lesen doch gar keine Bücher (mehr).

Eucken

Ich habe mit Rudolf Eucken Bekanntschaft aufgenommen.  Es ist außerordentlich interessant heute festzustellen wie so manche Gedanken in der Luft lagen. Der ganze Heidegger ist schon da und das Heisenbergsche Unschärfe Prinzip ist auch schon da in dem Gedanken daß die Welt als ganzes nicht ohne den Einzelnen ist und der Einzelne durch sein Sein sein wollen und werden die Welt mit schafft.ch kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß FN sehr wohl wußte was so an den hohen Schulen gelehrt wurde, und was im Falle von R. Eucken zum Nobelpreis reichte. So schreibt Eucken immerzu von der Zeit und von der Menschheit, als ob das selbstständige Einheiten seien und vom Geist, als sei der unabhängig vom Leben.  Wenn man aber genau nachliest, dann ist das nur ein vordergründig Verständnis heischendes; dahinter liegt die Ahnung die bei FN zum Hauptgegenstand wird, daß nur im schaffenden Einzelnen, der sich "irgendwie" zum Teil eines Ganzen macht, Geist lebt.  Eucken erfindet Kunstwörter und es ist schon sehr erregend zu sehen wie "Phænomen" bei ihm noch nebenbei in einer Fußnote erscheint und dann ein paar Jahre später Lehrbücher mit solchen Titeln geschrieben werden.  Auch das Wort Existenz wirk von ihm ausgeprägt und nach der großen "Volltat" der Zertrümmerung der Überreste des 19. Jahrhunderts wird das dann das Modewort der Jugend, die trotzdem weiter leben muß. Die Jugend nach 1945 hat sicher etwas ganz anderes darunter verstanden, als Heidegger und Sarte, aber sie haben es eben nicht in Worte sondern nur in Taten umsetzen können ...

Freud

Jedes denkende Wesen, das auf den Tiger seiner Triebe reitet muß doch wissen, daß das ein gefährliches Tier ist mit dem man sich in aller Vorsicht auseinandersetzen muß.  Da anzunehmen ist, daß die Menschheit sich selbst schon sein ungefähr 200,000 Jahren in einer ungewissen Form selbst bewußt geworden ist erscheint es mir eine unfaßbare Naivität und eine typisch "moderne" Form des Glaubenkönnens wenn ohne die geringste Möglichkeit der Infragestellung behauptet wird Sigmund Freud habe als erster Mensch die Bedeutung der Triebe erkannt, so wie etwa Albert Einstein aus bestimmten Voraussetzungen die Relativitätstheorie entwickelte.  Das Bild des Universums, das wir im Geiste mit Lichtgeschwindigkeit durchwandern, das geht uns etwas an und hat auch sicher eine fundamentale Bedeutung dafür wie wir von jetzt ab uns in der Welt sehen.  Aber die Freud Verherrlicher stellen das Aussprechen einer Tatsache, die ohne alle Voraussetzungen "da" ist, gleich mit einer Theorie die aus teilweise schwer durchschaubaren [Zeit als zusätzliche vierte Dimension - wo doch möglicherweise die drei räumlichen Dimensionen Funktionen der Zeit sind und es noch höhere Dimensionen geben könnte bis hin zu einem Hilbert-Raum mit unendlich vielen Dimensionen] Voraussetzungen abgeleitet wurde. Wenn Freud aber den Trieben eine neue Bedeutung gegeben hat, dann ist das nicht Erkenntnis, sondern willentliche Veränderung der gesellschaftlichen Regeln - kaschiert als Erkenntnis - und es ist zu fragen, was die "Legitimation" dieses Be-Deutungswandels ist.

Fritz Stern

Das was Fritz Stern an Langbehn und anderen Randfiguren der intellektuellen Entwicklung Deutschlands zum Zentralstaat zu entdecken meint, das ist viel breiter und umfassender als es auf den ersten Blick erscheinen mag.  Kulturpessimismus als kollektive psychische Erkrankung kann tatsächlich viel umfassendere Effekte haben, als das was irgendwelche Formeln zur Macht zu enthüllen vermögen Der Untergang Roms ist nicht etwa aus dem »Sieg des Christentums«, wie Gibbon das herleitete, sondern schon viel früher, aus dem Triumph aller Mäkler und Infragesteller zu erklären.  ...Athen hat Sokrates zum Schierlingsbecher nicht etwa deshalb verurteilt, weil er unliebsame Wahrheiten vorgetragen hat, sondern weil er glaubte mit diesen Wahrheiten gleich auch den inneren Zusammenhalt der Gemeinde in Frage stellen zu müssen.  Athen nimmt Sokrates übel, daß er die Konventionen bloßgestellt hat mit seinem: »Erkenne dich selbst!«  Aber was viel schlimmer ist, und was bis in unsere Zeit immer die fürchterlichsten Konsequenzen hatte, das ist der von Kirkegaard so gepriesene unerschütterliche Glaube an die Eindeutigkeit und schlechthinnige Wahrheit dieser Selbst-Erkenntnis.

Galton

... der “reine” Empiriker, fand Gründe die Eugenetik zu propagieren - das hat uns Auschwitz gebracht. Bevor Galton seine Ideen entwickeln konnte war längst der Boden bestellt in dem auch die schlimmen Irrtümer gut gedeihen konnten. Das war die Hunde-, Pferde- und Rinder- züchtermentalität des englischen Landadels, die 100 Jahre vor der Theorie der allgemeinen Entwicklung schon weitgehend sich über Europa ausgebreitet hatte. Wenn man irgendwelche Zusammenhänge »verstanden« hat, dann heißt das noch lange nicht, man könne sie auch verändern.  Dazu gehört ein Wille der schon lange vor dem Verlangen des Verstehens wirksam gewesen sein muß.  Diesem Willen steht »verzeihen« so fern, daß es vollständig außerhalb irgend eines möglichen Zusammenhangs bleibt.  »Alles verstehen« und »alles verzeihen« haben ganz und gar nichts miteinander zu tun. Das Verständnis irgendwelcher Zusammenhänge zielt ja auch gar nicht darauf ab, »alles zu verstehen« sondern gerade so viel, daß der Handlungswillige Ansatzpunkte findet, dem Gewollten besser auf die Spur zu kommen. Das »volksgesundheitliche« Streben der aufgeklärten Welt, die sich nach den statistischen Errungenschaften von Galton und den biologischen Erkenntnissen der Vererbungslehre des gärtnernden Klosterbruders Mendel glaubten an den Genpool der Menschheit mit ordnenden Kräften zu vergreifen, dieses Streben wurde erst wirksam als sich ein Machthungriger dieses neuen Verstehens bemächtigte.

George

Gibt es höhere Menschen z.B. den Herrn Stephan George (dieses affektierte Oberarschloch) und seine Jünger, die sich so definiert haben? Die wohl nicht -- fast alle sind ja nun vergessen aus jenem "Kreis". Bei Luther mußte der höhere Mensch sich selber zurücknehmen da Lotterer zu viel eingestehen müssen. Napoleon, Alexander und alle Helden der Tat sind hochgespült in den Wirren der Zeit ...Vom Standpunkt der Frage nach der Erstellung höchster menschlicher Entscheidungsinstanzen ist es absolut unerläßlich, daß das analysierende "Ich" die Not des eigenen Status innerhalb der Rangordnungen von irgendwelchen Sub-klassen der Gesellschaft total und völlig und derart überwindet, als wären diese Probleme von vorn herein nicht da gewesen: Hier öffnen sich mir Tore zum Verständnis bestimmter Attitüden von Stefan George über die mönchischen Gelehrten des Mittelalters und die elitären Kritiker in der Endphase der Republik (besonders Cicero) bis zurück hin zu den Propheten und Buddha und Konfuzius und Zoroaster.  Ich kann mir Gemütszustände vorstellen, die genau dies erreichen.  Das ist ein bestimmter Aggregatzustand der Seele, eine bestimmte Ordnung der inneren Konstellationen -- Erleuchtungen, so sind sie der Menschheit immer schon bekannt gewesen. Immer standen die Erleuchteten auch in irgendwelchen Wüsten und oft (wie bei Stefan George) ist es eben auch nur leerer Anspruch und pompöse Attitüde geblieben oder alles verzehrende Rachsucht, wie bei Dante.

Gödel

es wird erzählt der habe sich nicht mehr vor die eigene Haustür hinaus gewagt, nachdem er gesehen hatte, was das Einstürzen der Säulen alles rechtfertigen konnte: Der Hexenwahn des Senators aus Wisconsin

Gould

Stephen Gould interpretiert Darwin strikt individualistisch und bringt in diese Interpretation auch die Sozialtheorien von Adam Smith.  Nach dieser Interpretation ist es falsch anzunehmen es gebe ein gemeinsames Interesse für die Spezies, es ist vielmehr immer nur der individuell sich fortsetzende Gencode, der den Fortgang der lebenden Substanz bestimmt.  So gesehen ist "Spezies" eine menschliche Konstruktion, die gar keine Bedeutung für die Entwicklung des Lebens hat.  So ein radikaler Individualismus ist counter-intuitiv und ich kann mir gar nicht vorstellen was damit wohl "beabsichtigt" ist und was ihn zu diesen Extremen Ansichten treibt.  Aber solche extremen Weltanschauungen regen zum Nachdenken an.

Grass

...Alles verachtenswert machen , was sich nicht jubelnd den Richtungen der Schienenleger unterwerfen will ...der Leo [in Grass: Hochwasser] geht 1956 ins Eis, weil ihm die Ideologie abhanden gekommen ist, findet sich dann aber 1968 an der fordersten Front und verteufelt mit Teufel und Uschi als epitomy of a school yard bully was eh schon dabei ist, mit der alten Garde ins Grab zu steigen. ...ich bin der Mühsal nicht gewachsen Günter Grass »Örtlich Betäubt« zu lesen. Es ist mir widerwärtig geworden, mich durch die Schablonen von »Bösmenschen« und »Gutmenschenthum« zu quälen, die da vorgelegt werden.  Und das Schema der Vorlage ist die Kunst Verwirrung zu stiften in einer Zeit da Verwirrung oberstes Prinzip in allen Lebensbereichen war.  Da wird die Massenproduktion verteufelt, ohne daß auch nur mit einem Wort der Funktion des ganzen Ramsch der – damals erst noch in kläglichen Anfängen steckend – Überfluß-Überdruß-Gesellschaft erwähnt wird: Wie soll man denn die vielen Durchschnittsmenschen anders einem ehrbaren Broterwerb zuführen.  Und die Krise der information super high way industries zeigt wie unbeständig und launenhaft der Konsument die Güter der high tech industry im Stich lassen kann: Milliarden in den Sand gesetzt und kaum Aussicht auf grundlegende Besserung... Aber bloß weil der Herr Grass meint er habe es nicht nötig seinen Status mit dem Vorzeigen einer teuren Limousine zu betonen, darf er das doch nicht mit Bausch und Bogen vom Tisch wischen, woran bei anderen alle Leidenschaft und Selbst-Bewußtheit hängt.  Sicher läßt es sich aber ganz gut leben, bei der Masse der Bücher, die der an den Mann gebracht hat und die oft genug nur als ungelesene Prestige-Objekte in den Bücherschränken derer stehen, die sich für modern-und-gut-und-aufgeklärt – eben für Gutmenschen – halten. Den Herrn Grass kümmert die Zukunft des Menschen nicht er ist obsessed mit der Vergangenheit der Deutschen und schleudert wie ein Besessener das tut blindlings Muster zur Vervielfältigung seiner Denkweise ins verzweifelt nach hinten schauende Volk. Das haben die, die er anklagt, vor ihm auch schon mit großem Erfolg gemeistert...

Habermas

Habermas steht in vielem für mich stellvertretend für alle modernen Sozial-Reformer, mit seinen klugen und einleuchtenden Argumenten, denen man sich kaum entziehen kann. Gerade deshalb halte ich ihn für so gefährlich.  Für mich sind alle Weltverbesserer und Sozialreformer unter dem Verdacht, daß sie die Gutwilligen ausbeuten, nach Strich und Faden, daß sie bei allem Gebarme um Humanität nichts anderes im Sinn haben als the death of the human spirit und zwar auf rein wissenschaftlicher Grundlage: Sie haben ja die Modelle, die unwiderleglich aufzeigen welche Handlungen – schlimmer noch, welche Gesinnungen – erlaubt sind und welche – auf Teufel komm raus – verboten werden müssen. Alle diese Modelle sind aus tödlichem Haß geboren, aus Unfähigkeit zur Liebe.

 ... ob sich der Herr Professor Dr. habil. Habermas, Drs. h.c. [je mehr Ehrentitel, desto deulicher sichtbar, wie sehr der gute Mann vereinahmt wurde] je bewußt geworden ist, daß er als Lehrstuhlinhaber unausweichlich zum Büttel der Mächtigen wird, selbst dann noch wenn er meint die Mächtigen in ihren Verhaltensweisen zu beeinflussen -- das kann ja bestenfalls erst in der nächsten Generation geschehen, und wie man bei den früh vergreisten 68ern sehr wohl sehen kann, hält mancher großartige Anfang nicht das was man sich davon versprach.—…Was uns Habermas einreden will ist doch ganz und gar gefährlich, weil auf diese Weise die Blutordensträger und alles mögliche andere gescheite Gesindel die Oberhand kriegen.  (Ich sage kriegen und nicht etwa bekommen). Das ist überhaupt die schlimmste Entwicklung in die unsere cereblare Kultur hineinstolpert "gescheit" mit "gut" zu verwechseln.  Da brauche ich noch nicht einmal den alten von Weizäcker in mein Argument hineinziehen, da brauche ich mir nur vor Augen zu halten, wem ich so in den vergangenen 30 Jahren begegnet bin.  Lauter Westentaschenmephistofeles, die zweite Garnitur; aber alle haben sie sich bewiesen, die hohen Herren mit glücklichem Raten und einem guten Verhältnis zu denen die über die Promotionen bestimmen.   was Habermas harmlos treugläubig den kommunikativen Prozess des Selbstfindung des Weltgeistes nennt, wobei er schnell bei der Hand ist das was veröffentlicht wird so gut wie nur möglich zu steuern, damit der Weltgeist auch rein rauskommt Es gibt keine Zensur, aber was veröffentlicht wird, das bestimmen doch die Weltgeistbeschützer. An denen muss ich vorbei-denken, um überhaupt zu dem zu kommen, was ich jetzt schon vor meinem inneren Auge sehe.  Ich weiß nicht, ob das nun Zeitverschwendung ist oder ob ich mit diesem Unterfangen wirklich etwas notwendig-unausweichlich zu Erledigendes auf mich nehmen muß ...Grabbes Scherz ... ist so ein Dokument der Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist oder gar dem Weltgeist, denn immerhin reicht er in seinen ironischen Anwürfen zurück bis ins erste Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Aber Grabbe macht mir auch deutlich, wie leicht es ist in dieser Auseinandersetzung die tiefere Bedeutung zu verlieren, zumindest nicht zu erkennen in welche Richtung weiter gelebt, gedacht und gehofft werden soll.  Wie sehr er auch die Geistesprominenz seiner Zeit durch den Kakao zieht

 

Hegel

Hegel hat noch glauben können, das "Gerede" habe keinen Effekt auf die großen Linien der historischen Entwicklung: FALSCH!  Das was heute noch Gerede ist kann morgen schon die Unschuld schaffen Mißliebige aus dem Weg zu räumen. Das ist doch der Grund weshalb Fritz Stern obsukre Spinner wie den Langbehn aus der wohlverdienten Versenkung hervorgezogen hat. Aber ich kann mich trotzdem nicht mit der kausalanalytischen Methode dieses hohen Herren befreunden: In dem Maße in dem wir in Schuld und Unschuld teilen und Linien ziehen schaffen wir nur die Voraussetzungen dafür, daß neues Unglück sich entfalten kann.

Heidegger

Ich weiß ja gar nicht was die Ontologen mit dem SEIN untersuchen wollen, wenn sie aber sich wirklich darum bemühen der Wirklichkeit als solcher geistig näher zu kommen und dabei die Hoffnung haben auf diese Weise unseren Geist zur Einsicht in irgendwelche Perfektion zu verhelfen, dann sind sie eindeutig auf dem Holzweg, den Heidegger doch so liebte.  Und auch der Holzweg ist ein symbolisches Teil der Wirklichkeit und unserer Fähigkeit zur Einsicht in diese Wirklichkeit.  Auf dem Holzweg wird sumpfige Unwegsamkeit vorübergehend und für beschränkte Dauer begehbar - hier kommen wir über etwas hinweg, was eigentlich eine unüberwindliche Schranke sein sollte.

Heine

Den zitier ich am liebsten gleich selber: “Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner.  Der deutsche Donner ist freilich auch ein Deutscher, und ist nicht sehr gelenkig, und kommt etwas langsam herangerollt; aber kommen wird er, und wenn ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, so wisst: der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht. Bei diesem Geräusche werden die Adler aus der Luft todt niederfallen, und die Löwen in den fernsten Wüsten Afrika's werden die Schwänze einkneifen und sich in ihren königlichen Höhlen verkriechen. Es wird ein Stück afgeführt werden in Deutschland, wogegen die französische Revolution nur eine harmlose Idylle erscheinen möchte ...”

Heraklit

So wie ich mir hier Gedanken mache, hat das frühe Christentum im Soliloquium die Annäherung an das Göttliche gesucht. Hat zu einem Gott gesprochen, um Erlösungen zu finden vor dem Anpassungsdruck der den Sucher zu weit von seinem Eigentlichen abzutrennen sucht. Aber das ist nicht nur eine christliche Angelegenheit. Wenn die Legende die sich um Heraklit rankt, ein Körnchen Wahrheit an sich hat, dann hat auch er ein geheimes Zwiegespräch mit dem Göttern gehalten und seine Ideen der Artemis dargebracht, im Tempel zu Ephesos.  Und die buddhistischen Mönche, die konfuzianischen Weisen haben sich doch auch aus dem Rampenlicht der Öffentlichkeit heraus genommen, um ungestört vom Geschrei des Alltags, zu Einsichten zu gelangen, die dem persönlichen Erwachen dienen sollten.

Hitler

Hitler kann man aus keinem Geschichtbuch mehr auslöschen.  Mehr wollte der doch auch nicht.  Das war das Heldentum, das die besten edlen Menschen der liberalen Zeiten des 19. Jahrhunderts entwickeln haben: "wie es wirklich gewesen ist" von Ranke bis Kantorowitch, von Mommsen bis zu den Mommsens. Auch wenn man Schuld zuweist zeichnet man noch aus. Und es war doch ein ganz bestimmter Typ, der sich damals vordrängte. Ich habe dieses Bild vor mir von dem eitlen Pfau, der in Rumänien Diktator gespielt hat und das manieristische Portrait von Roosevelt, das in der National Portait Galerie zu sehen ist. All die Westentaschen Napoleons, die Südamerika und die Karibik in ihre Tasche wirtschafteten und dann natürlich Stalin  ...Ich muß mir selber erst einmal ganz klar sagen, daß es ein Österreicher war, der den Krieg angezettelt hat, daß der Antisemitismus mit Sicherheit in Wien, in Prag, in Liegnitz, in Krakau, in Lemberg und in Warschau weit virulenter war als in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder Köln. Der Schreihals aus Braunau hat aber mehr als ein Jahrzehnt bevor er zur Untat schreiten ließ, in allen Details vorgetragen, was er plant. Der Übereifer, mit dem sich die Autoren heute bemühen die Einmalige Untat zu usurpieren, das ist doch genau der gleiche Übereifer, mit dem man zwischen 1938 und 1944 die Menschen zusammengetrieben hat, gegen die irgendwer ein Ressentiment hatte: zur gleichen Zeit sind ja auch welche versteckt worden - und unter Risiko für Leib und Leben vor dem Zugriff der Eiferer bewahrt worden.

Isaak

Die Idee des Zauberhaften ist auch in der Legende vom Isaak enthalten wo Abraham und Isaak die Glorie Gottes sehen können während die Knechte vergeblich versuchten diese Weiten zu durchdringen: "Aber ihr Auge war stumpf, und die Herrlichkeit Gottes blieb ihnen verborgen. «In Grau gehüllt, liegt die Ebene. Einöde ringsumher» sprachen sie ..." Damit ist aber genau die Einsichtsfähigkeit gemeint, die ich unten am Fluß erleben durfte, auch wenn ich das, was sich mir da darstellte nicht gerade die Glorie Gottes nennen möchte, sondern die unheimliche Fruchtbarkeit des Bösen, eines Bösen, das unser Jahrhundert wie keines vorher geplagt hat, weil es in jedem Fall in aller Unschuld und zur Rechtfertigung eines Höheren begangen wurde. Und die Knechte, das sind für mich die vielbelesenen, die sich auf der Höhe des Weltgeistes wissen und die Salin eben doch nur als Kärrner eingeschätzt hat, wenn er sie mit denen vergleicht, die wirklich neue Einsichten entwickelt haben. Aber meine Einsichten sind etwas, das sich nicht verkaufen läßt, und vielleicht ist es so wie so besser ich behalte sie für mich, weil sie ja doch mißbraucht werden können, so wie die Klarsichtigkeit eines Thomas zu den finstersten Kapiteln in der Geschichte der Christenheit geführt hat.

Kant

  "Question Reality"  Das ist gut und schön, aber mit dieser Frage kommt man ja auch nicht weiter. Was die Dekonstruteure anrichten, das hat Kant der "Alleszertümmerer" ja schon vor mehr als 200 Jahren angerichtet -- und uns den Mut zur Freiheit aufgetragen.  Meine eigene Realität kann ich jetzt als einen fortgesetzten Streit erfahren,. in einer Situation in der ich mich durch und durch als Abnormität empfinden muß.  Das Gegenteil davon wäre das Gemeine, das Gewöhnliche, und das Sittliche (customary). Nur kann ich nicht sagen wer die guten Sitten verletzt hat.  Ich bin in einer Situation in der ich in Frage gestellt bin weil ich so wenig teile mit denen die konventionell leben, und die Wahrheit aus dem ableiten, was sie gewöhnt sind.—  Da es mit dem Mut zur Freiheit, den Kant so gepriesen hat, hapert weil, die meisten Menschen es lieber haben einer bestimmten Geisteshaltung Folge zu leisten besteht die Gefahr des Erfolges von Rattenfängern und Massenverführern.  Mit einfachen schwarz - weiß Theorien können so Machthungrige die Massen verführen.  Aber was soll denn mit denen geschehen, die eher eine praktische Veranlagung haben und keine verlockenden Berufsaussichten weil deren berufliche Entfaltungsfähigkeit zunehmend eingeschränkt wird.  So wie praktische Veranlagungen zunehmend weniger wert sind im Arbeitsmarkt, entstehen wachsende marginalisierte Minderheiten, an denen die Versprechungen der säkularisierten Welt der Abstraktionen, die Versprechen der Moderne und des behavioristischen Individualismus, uneingelöst vorbei gehen

...der Sternenhimmel des Sittengesetze, den Immanuel Kant am Horizont seiner eigenen Seele hat leuchten sehen ist in uns angelegt. Das Schlimme ist aber, daß auch die Handlungsabläufe denen sich ein Adolf Eichmann unterworfen hat, nicht etwa rational reflektiert und in böswillig verlogenen Absicht, sondern ganz und gar natürlich und ohne alle Frage aus diesem "Sternenhimmel" gesteuert waren.

Keynes

Die wirklich originale Leistung von Keynes war seine Probability [1920].  Aber die hat man -- er selbst eingeschlossen -- so schnell wie möglich vergessen.  Ausser Leibniz hat keiner versucht in dieser Richtung zu denken.

Für mich gibt es gar keinen Zweifel mehr, daß Keynes ein Hegelianer geworden ist, einer, der wirklich fundamental an den Zeitgeist glaubte und meinte dessen Leitspur in der Saldenmechanik zu erkennen.  Ich bin nun aber so weit zu sehen, daß Produktion nichts anders sein kann, als das Aufspüren von Nachfrage, die biologisch bestimmt ist -- aber wir sind eingefangen in die Saldenmechanik und kommen da nicht raus. Die Industrieländer haben eine solche öffentliche Wut auf Rauschgifte entwickelt, weil hier ein Produktionszyklus ist, der Nachfrage ohne Marktsorgen hat, der aber alle Verfeinerung der Arbeitsteilung ausschließt und damit das gesamte komplexe System einer sich verfeinernden Zivilisation bedroht.  Aus der gleichen Motivation haben wohl die Römer instinktiv das Christentum verfolgt, weil im Christentum alle Versuche der Verfeinerung der diesseitigen Interaktionen menschlicher Handlungsimpulse verächtlich gemacht wurden: Rauschgiftgenuß und spirituelle Weltflucht versprechen individuelles Glück zu vermehren aber auf Kosten der Verfeinerung und des Wachstums der Gesamtheit der Species.

Kirkegaard

Mein Verständnis für die Symbolik des Isaac hat sich in unserem Gespräch heute sehr vertieft.  Es geht bei ihm um das Weiterleben-müssen ganz gleich ob er sich ausrechnen kann, wie es weiter gehen wird oder nicht.  Auch Abraham erscheint mir in einem anderen Licht, der ist noch viel fortschrittlicher als der Gott der Christen, der seinen Sohn morden muß um ein Erlösungsversprechen glaubhaft zu machen - Abraham hat kein Erlösungsversprechen nur ein Gesetz des rechten Handelns und eine unbestimmte Hoffnung, es werde schon irgendwie weiter gehen, solange die Nachgeborenen nur leben. Es ist ein christlich eingefärbtes Mißverständnis bei Kirkegaard,  das Abraham zu dem unerschütterlich Gläubigen macht.  Der zweifelt doch.  Das Gesetz unter dem er antritt, und das Opfer des Erstgeborenen fordert wirft er doch bei der ersten sich bietenden Gelegenheit weg: das ist die Poppersche Erkenntnistheorie, ich unterwerfe mich einem Gesetz nur solange es fruchtbar ist -- so alt ist das, wofür dieser eine so viel Ruhm und Adel erworben hat - Neidhammel der ich bin finde ich doch immer einen guten Grund die anderen nieder zu machen.  Aber doch bin ich zugleich auch dankbar das sehen gelernt zu haben und so in die Tiefe des menschlichen schauen zu können ohne Terror und Angst und Zittern aus dem ein Kirkegaard die Welt hat neu denken müssen.  Daß wir die Welt nicht neu denken müssen, daß alles schon einmal gedacht und gelitten worden ist und so es uns nur gegeben ist dieses erlittene neu zu erleiden und aus diesem Leiden zu einer inneren Sicherheit kommen, die uns die unvermeidlichen Unsicherheiten des Daseins und des Zusammenlebens mit anderen überhaupt erst erträglich werden läßt.

Das Spiel von physiologischen Austauschprozessen, das wir als Gefühle erleben ist etwas durchaus erstaunliches.  Die ganze Psychologie, außer vielleicht den allerneuesten Erkenntnissen der Hirnphysiologie, ist nichts anderes als Schamanentum das sich mit einem wissenschaftlichen Apparat verkleidet hat. Was wir als "Gedanken" aus diesen Gefühlen ableiten und was wir als "wohlüberlegte Willenakte" ansehen stellt im Ende nichts anders dar als ein mehr oder weniger instabiles Gleichgewicht von Ionen-Austausch-Vorgängen. Mir fällt der Name Kirkegaard ins Bewußtsein:  der hat diese Instabilität als "existentielle Not" erfahren aus der nur ein unerschütterlicher Gottesglaube heraushelfen kann: Verhaltensmuster, die auf keinen Fall in Frage gestellt werden dürfen. 

Klein Gerade dort wo scheinbar gar keine Farbe keine Gefühlsfähigkeiten zum Denken dazu gehören: die düster graue Philosophie von Wittgenstein ... das klitzernd Helle, die leuchtend Fröhlichkeit die mir aus den mathematischen Monographien von Felix Klein entgegenstrahlte.

Karl Krauss

........ hat einem giftig-beneideten Wortdrechsler-Kollegen den hämisch-gemeinten Schimpfnamen
angehängt: Sollte dieser kluge Mann wirklich nicht gemerkt haben, wie sehr er sich selber damit auszeichnet? Wie Frauen instinktiv auf Führerfiguren und Oberpaviane reagieren sagt uns, daß Karl Krauss wohl nicht zu dieser Gattung von Führern und Verführern gehörten ... Nur weiß ich noch nicht was dies für die Entschleierung des ganzen Phänomens beiträgt.  Die Mädchen ließen mich in meinen ehrenwert ehrlichen Absichten ins Leere laufen ... und dann erfuhr ich auch das Gleiche in großen Institutionen, die völlig auf abstrakten Ideen gebaut waren ... es waren Männergruppen, Gangs die sich auf die gleiche Weise verhielten wie die Weibspersonen, denen ich mich früher ausgeliefert fand [so muß ich Abbitte leisten, daß ich vielleicht bisher noch nicht richtig gelesen habe was Karl Krauss über Frauen sagt und vielleicht Männergruppen meint, denen er so gerne angehören möchte
.]

Kuhn Thomas S. Kuhn:  Structure of Scientific Revolutions; inductivist; ameliorative; progressive; add-a-fact-at-a-time-don't-theorize-till-you're-old; reductionist; Causes; Strengths of causes; Levels of Causes; Contingencies

Laplace

Ganz abstrakt kann man sich eine Ordnung von Zufallsprozessen vorstellen, die zunehmend von der Vorstellung des reinen Zufalls abweichen.  Aber den reinen Zufall kann es in einem begrenzten Universum, einem Universum, wie es und Einstein's Relativitätstheorie und die Theorie des big bang darstellt, nicht geben; denn das ist ein geschlossenes System in dem jedes Einzelereignis von allen anderen abhängt.  In den ersten zehn hoch minus 23 Sekunden des big bang hat sich das System so geordnet, daß alle Ereignisse in aller Zukunft aus dieser Ordnung vorherbestimmt sind: so wirken Moses und Calvin in den heiligen Hallen der reinen Theorie weiter, die mit Laplace daran glaubt ohne Gott auskommen zu können. Seit der Aufklärung, seit Laplace sich dazu verstiegen hat, zu behaupten es sei möglich das Universum zu berechnen und damit auf jeden Fall die kleinen Umstände des Menschlichen, geben wir uns der Illusion hin, wir wären in der Lage das wirkliche der Wirklichkeit darzustellen. 

Leibniz

Locke

Tabula rasa: Wir kommen auf die Welt und müssen alles lernen: Zwar haben wir "gleiche Rechte", aber die Nutzung dieser Rechte ist immer individuelle Leistung jedes Einzelnen. Jeder muss das innere Gleichgewicht zwischen Rechtsanspruch und Selbstvertrauen selber finden.  Die größte Plage unter der die Unterklassen in einer Klassenlosen Gesellschaft leiden, das ist der Selbsthaß und das Gefühl der Minderwertigkeit. Solche Gefühlswelten nehmen aber ein ganz unterschiedliches Gesicht an, je nach dem, ob man an die tabula rasa Theorie von John Locke glaubt oder ob man glaubt, man hat in seiner Seele auch die Erinnerungen an die Leiden, die seelischen Verkrüppelungen angesammelt denen die Ahnen unterworfen waren ...

Das einzige, womit ich mich noch herumschlage ist die Frage, welche Rolle wir der Lüge zubilligen. Die Lüge, die in der Form einer gespielten Unterwürfigkeit, die in der Form einer Bestärkung des Mächtigen wirkt. Aber da ist ein "weites Feld". Das läßt sich gar nicht festnageln, wenn man davon ausgeht, daß wir als unbeschriebene Blätter - wie es John Locke sich ausgedacht hat - in schon laufende Prozesse hineinkommen ...

Lukács

Georg von Lukács *Budapest 13.4. 1885, †ebd. 4.6. 1971, ungar. Philosoph und Literaturwissenschaftler. Führender Vertreter einer marxist. Kunst- und Literaturtheorie; einer der intellektuellen Köpfe des Ungarnaufstands 1956 und Kultus-Min. unter I.Nagy, mit dem er nach der Niederschlagung des Aufstandes verhaftet wurde; aus allen Ämtern entlassen, wurden seine Werke nur noch im Westen gedruckt; heute rehabilitiert. Werke: Die Theorie des Romans (1916), Geschichte und Klassenbewußtsein (1923), Ästhetik (1963). Das ist der Knabe, der Nietzsche einen Apologeten von Bismarck Imperialismus genannt hat, obwohl er belesen genug gewesen ist, es besser zu wissen.  Den Sündenbock zu verteidigen und anfangen Argumente zu sammeln, zu beweisen, wie das was geschah, notwendig so geschehen mußte: dazu fallen mir Worte ins Bewußtsein wie "Glasperlenspiel" und "Luftschlösser Wachmannschaften" und doch reizt es mich den Nietzsche vor den giftigen Angriffen zu verteidigen denen er durch Aaron (von rechts), Lukács (von links) und sonst noch alles mögliche Gesindel ausgeliefert wurde. Der, gerade der als Begründer der Unschuld des Bösen!  Was für ein Mißverständnis! Und doch aber auch: wieso erregt mich das denn so? Ja, so verschütten wir allen Einblick in die Prozesse denen wir unterworfen sind und die unausweichlich in Sackgassen führen wenn wir sie nicht immer wieder in ein fragendes Bewußtsein heben. Es ist immernoch nur eine Hoffnung, daß solch ein soziales Gewissen nicht noch einmal erzeugt werden muß durch ein vernichtendes Weltgewitter:  Dessen Ursache wird ebenso wie in den vorhergehenden Stadien, die selbstgerechte Arroganz des guten Gewissens des Erfolges in sich tragen.

Damit war er aber nicht allein.  Das war ein Wahn eine Liebingsthorheit im Moskauer Exil. Johannes R. Becher, einst glühender Nietzscheaner, eiferte im Essay "Deutsche Lehre", 1943 gegen Nietzsche: Dessen Denken sei der Keim zur Idee eines "germanischen Europa" unter Führung des preußischen Militarismus.

In dem Maße in dem wir danach streben uns selber zu begreifen erfinden wir uns auch eine Theorie des Lebens und des Kosmos ... Auch wenn sich Biologie, Astronomie, und Quantenkosmologie als reine Wissenschaften erleben dienen sie doch dem gleichen Zweck, dem zu anderen Zeiten die Theologie und die Philosophie zu Diensten war. Sogar das erste Gebot ... den Namen nicht zu nennen ... wird im heutigen Wissenschaftsglauben strenger genommen als zu jeder früheren Generation ... Wir wollen uns ja als ein dynamisch wirkendes Element der Natur begreifen ... das ganz aus der Natur heraus bestimmt ist.  Neu ist aber, daß wir plötzlich auch entdecken, in welchem Maße wir in die Natur hineinwirken ... übereilig manches mal, wie die  nurture & enviroment ideologies sichtbar machen.  Was dabei übersehen wird, das ist die Tatsache, daß alle Naturvorgänge immer wieder über ihre eigenen Grenzen hinausreichen ... Grenzen eigentlich nur für analytische Zwecke gebraucht werden, weil wir gar nicht anders glauben denken zu können. Nichts ist »wohldefiniert« und alle Vorstellungen von Anfangsbedingungen sind aus dem längst verdunkelten Himmel metaphysischer absoluta ... so entzieht sich auch ein Ende jeder Art von Existenzbeweis ... das hat dem alten Berkeley die Unschuld dafür gegeben uns zu beweisen, daß wir im besten Fall der Traum eines Gottes sind, an dem bewußt teilzunehmen Gnade eben dieses Gottes ist. Der Holzhammer-Realismus der Aufklärung meinte das ignorieren zu dürfen und die dialektische Methode hat dazu noch die Unschuld der beliebig zu erfindenden Rand- und Anfangsbedingungen vermittelt: Wenn ich euch sage daß Nietzsche der Philosoph kapitalistischer Ausbeuterinteressen, gar der Philosoph bismmark-wilheminischer Imperialismusträume gewesen ist dann ist damit das Fundament der Erlösung durch Lukács-Adorno-Horckheimer unerschütterlich gegeben: Ich Lukács habe das Glück und die ungeheure Schaffenskraft, Zeitgeist zu sein ...

Luther

Das verbissene Besserwissen, das haben wir unseren Nachbarn zu verdanken, die sich gütlich getan haben an unserer Uneinigkeit und unserem Verlangen nach Status.  Das politische Genie, das manipulative Talent eines Luther nicht erkannt zu haben, das hat in Rom auf Jahrhunderte hin viel Verärgerung geschaffen, wenn man dem nur früh genug eine handfeste Führungsposition gegeben hätte, wie hättee er die Vitalität der Institution noch steigern können. Die Kirche, als Institution, wußte schon lange vor Luther, daß der Gott dem sie diente sich verkrümelt hatte und zog daraus mutige Konsequenzen.  Sie wußte doch, daß sich die Nachfrage nach Seelsorgeleistungen von selbst vermehrt und entwickelte ein Instrumentarium diese Nachfrage zu erfüllen, das sich auch heute noch sehen lassen kann. Diese Kirche, die der schöpferischen Leistung eines Mozart in den Arsch treten konnte, nachdem der sich leer komponiert hatte zu Ehren der göttlichen Jungfrau, weiß aber auch heute noch ihren gottlosen Machtanspruch zu vertreten und mischt mit in der Haarspalterei, und nutzt die Zwietracht, die damit erzeugt wird, um ihren Anspruch zu mehren -- und das ist dann natürlich die Institution, mit der sich die Reform-Bemühten am liebsten herumschlagen als Ausdruck der Geisteskultur. Eine Kirche ohne Gott gegen die Welt-Veränderer, die Lebenssinn aus dem Grauen schöpfen wollen, das andere Welt-Veränderer schon angerichtet haben.  Und beide schÖn ordentlich in Parteiformationen eingereiht, die sich so schön in Links und Rechts, in Rot und Schwarz scheiden lassen.

Macchiavelli

Die abgefeimteste Ruchlosigkeit, die einen positiven sozialen Effekt erzeugt, so wie sich das Macchiavelli ausgedacht hat, ist mehr wert als aller Edelmut der blind in den Untergang stürzt.  Aber wie ich das formuliere sehe ich doch auch zugleich, daß die Untaten von Hitler und Stalin in der langen Frist so viel an Gegenkräften mobilisieren konnten, daß sich die Leiden, die Ströme von Blut und Tränen, die von diesen beiden erzeugt wurden, doch noch fruchtbar ausgewirkt haben ...

Machlup

Da sollen die mir nur kommen, die feinen Herrschaften von Harvard. Wenn man sich nie gefragt hat wie groß die angular size of the moon ist, dann kann man sich natürlich irren. Wen man sich aber ein paar mal solche Fragen gestellt hat, dann lernt man eben auch immer näher an die Wirklichkeit sich vorzutasten. Aber damit wird natürlich die Notwendigkeit von Lehrern und Prüfern in Frage gestellt ... und dem muß von Anfang an ein Riegel vorgeschoben werden., die es als eine grundsätzliche Methode betrachten jungen Menschen das Vertrauen in die eigene Denkfähigkeit zu zerstören, weil ja alle preconceptions prinzipiell falsch und nichts anderes sind als die von Benjamin Franklin so genannten old wife's tales.  Aber hier herrscht durchaus nicht die lobenswerte Absicht cognitive abilities zu fördern, sondern das ist ein durch und durch schlechter Stil des Machtkampfes und Dominierungswillens. Ich habe diesen von Fritz Machlup einmal zu spüren bekommen, als ich in Basel, bei einem Gastvortrag gewagt habe die Koryphäe in Frage zu stellen, mit einer epistemologischen Frage: mit ein paar blitzschnellen Florettstreiche, die große Übung bewiesen hat er mir, sehr zur schmunzelnden Genugtuung der übrigen Anwesenden, meine Ignoranz nachgewiesen ... Dazu brauchte er gar nicht prüfen, was ich weiß und was ich nicht weiß, es reichte völlig to shame me into submission: »Halt bloß dein Maul, du weißt wohl nicht, wen du vor dir hast ...«.
Aber irgendwann in nicht allzuferner Zukunft, wird es wieder einen Molière geben, der diesen Figuren die Maske vom Gesicht reißen wird. So wie im Eingebildeten Kranken die Mediziner mit ihrem ancien régime mumbo jumbo lächerlich gemacht werden, oder in Rossinis Barbiere die Rechtsgelehrten zu Witzfiguren, so werden bald die in ihren Formeln und Modellen versinkenden Koryphäen, die Herren des Paradigmenwechsels, als das gesehen werden was sie sind: pompöse Ahnungslose, denen es nur darauf ankommt innerhalb der herrschenden sozialen Rangordnungen so weit wie möglich oben zu stehen [da fällt mir der Herr T… ein, der bei der P... von factoring, merchandising and leasing faselte, in Zusammenhängen, wo diese Konzepte völlig irrelevant waren.  Aber mit dieser Faselei, hat er es geschafft, sich nicht nur einen hochgeachteten Lehrstuhl zu verschaffen, sondern ist gleich auch noch bis zum Staatssekretär [in Verteidigungsministerium?] hochgekommen. Wegen solcher Gestalten bin ich weg und habe auch niemals das Verlangen verspürt beim Staat, oder gar »in der Wirtschaft« unter meinen deutschen Landsleuten Karriere zu machen ... 1948 vor den Toren des Mercedeswerkes, da habe ich tatsächlich noch von großen Ingenieurkarrieren träumen können, und zwar durchaus mit dem Gedanken to move up the ranks:  sich erst einmal die Hände schmutzig machen und wissen, wie man ein Auto baut, bevor man über eine besseres nachdenkt. Aber schon in Hof, wo ich Unternehmerkreise beobachten konnte und deutlich fühlte, daß da Menschen etwas als eigenes Verdienst betrachten was ihnen durch glückliche Umstände und den Warenhunger der Kriegsbeschädigten zugefallen war:  In der Gründerzeitvilla, an der Münch-Ferberstraße in der die Entwurzelten und Versagten unterschlüpfen konnten, anstatt in Moschendorf im Elend des Auffanglagers zu schmachten konnte ich ja den alten Stolz und die neue Not so deutlich wie nur 'was vor mir sehen ...
 

Maimonides

Maimonides [1135-1204] hat als einer der ersten das Abendland wieder zur Vernunft zurück geführt. Vernunft gesehen als das wohlbedachte Eigeninteresse, das im Wettbewerb die Bestrebungen der Anderen mit bedenkt. Das ist eine tragfähige Haltung, solange damit gerechnet werden kann, daß alle Beteiligten innerhalb des gleichen Rahmen von Voraussetzungen und Axiomen denken und handeln.  In dem Moment aber, wo wir vor der Tatsache stehen, daß es keine absolut-ein-für-alle-mal gültigen Rahmenbedingungen geben kann, wird aus der Forderung nach vernünftigem Handeln eine unerträgliche Beschränkung. Wer so etwas fordert ist beschränkt, ist plöterig und borniert, der Handlungsablauf mühsam bemüht stumpfsinnig und die Ergebnisse solcher Forderungen kümmerlich

 

Marx  

 Mein Verdacht gegen alle Führer aller Reformbewegungen besteht doch darin, daß es den führenden Köpfen dieser Bewegungen primär darum geht für sich selber einen Platz zu schaffen wo sie endlich "Erster" sein können.  Keiner hat das so exemplarisch durchgedrückt wie Karl Marx als Vordenker den Kommunismus und als führer der Internationalen.
Bei Marx kommt in wunderbarer Weise ein evolutionsgeschichtlich interessanter Typ zum Durchbruch:  Wie er dienende, und für ihn gebärende, Frauen um sich schart, wie er devote Männerfreundschaften in unmittelbaer Nähe hat und wie er zugleich Männercliquen in aller Herren Länder dominiert: Über den Tod hinaus.  Dieser Typus ist bei den Griechen in Zeus verkörpert und in der jüdischen Tradition im Stammesherrscher und Urahnen,  als solcher ist Abraham nur scheinbar eine historische Figur.

...Sie glauben ihre Wissenschaft sei fest gefügt und nennen sich Materialisten, als ob das was sie untersuchen wollen Materie und nichts als das sei. Der Herr Fechner war ja auch ein Zeitgenosse von Marx und das Leugnen der Seele durchaus kein Privileg der kommunistisch orientierten Sozialwissenschaftler. Das sind Strömungen, die sich vom Flußbett gelöst haben. Und das erstaunliche dabei ist, daß sie nicht in sich zusammenbrechen.  Das ist das was Nietzsche als den Nihilismus in Europa identifiziert hat: Der Glaube alles geht, wenn man sich nur die Macht verschafft, alles das was gehen soll auch zu erzwingen.

Semi Meyer

Probleme der Entwicklung des Geistes; Die Geistesformen; Verlag von Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1913 [von der University of Delawareausgeliehen. Noch im Jahr 1996 ungelesen unaufgeschnitten.]  Die Entwicklung des Geistes in allen seinen Formen, als Teil des Lebens

Mill

John Stuart Mill hat Darwins Theorie der natürlichen Selektion vollständig angenommen. Hat aber zugleich behauptet, daß natürlich der Bereich des Geistigen aus diesem Prozeß herausgefallen ist.  Dadurch daß der Mensch Bewußtsein und Gewissensprüfung und historische Perspektive erwerben konnte ist es ihm -- zumindest im Prinzip -- gelungen geistig aus diesem Prozeß heraus zu treten und ihn selbstreflektierend zu steuern ...

Montaigne

...den Deutschen fehlt der Grundbegriff civility, der überhaupt die Voraussetzung für eine Weltzivilisation ist. Soll trotzdem am deutschen Kultur-Wesen doch noch die Welt genesen? Kultur, die soll zum Herzen sprechen: Herzen, Schmerzen, Triebe, Hiebe mit solchen Assoziationen sind natürlich die Inhalte voll, die über den Äther rauschen und in den Blätterwäldern.  Da werden im Elementaren Bedürfnisse befriedigt fürs Volk; und das Wort zum Sonntag macht sogar noch Raum für höhere Gefühle - und um Pierre Boulez zu hören, oder einen anderen der höheren Esoteriker, der Avant-Garde des Geistigen, da muß man halt schon ins Programmheft schauen, dazu bedarf es ja auch einer inneren Vorbereitung ... Schon Michel de Montaigne ist es aufgefallen, daß bei den Deutschen die Bedürfnisse des Gemüts am häufigsten im Geist des Bieres ihren Frieden finden.  So braucht es auch nicht weiter zu verwundern, daß der Sternenhimmel, den Kant in seinem innersten Wesen sah, vernebelt ist und deutsche Kulturschaffende sich als Nebelhörner erleben müssen und als Heulbojen [im verbiesterten Stil von Hochhut und von Simmel]

Napoleon

Narr

Nietzsche

Der Wille zur Macht als Wille und die Redlichkeit die FN doch so hoch gepriesen hat, schließen einander aus.  Es sei denn man verstünde Redlichkeit als die Kunst des sich-heraus-redens, wie die dieser unsägliche Oberste Bundesrichter am US Supreme Court vor seiner Berufung in ganz einmaliger Weise vorgeführt hat.  Natürlich gehört zu dieser Kunst des sich-heraus-redens auch ein Publikum, das glauben will.  Und dieses glauben wollen reflektiert dann natürlich nichts anderes als den Willen, der vor dem Verlangen nach Macht steht.

...an Nietzsche komme ich auch nicht vorbei, denn er empfindet, als ganz persönlichen Schmerz, die Not, daß die Gottferne der Modernen unausweichlich zu Katastrophen führen muß, wie sie uns das verdammte XX. Jahrhundert in Fülle miterleben ließ...Den Buddhisten kommt die Geschichte von der ewigen Wiederkehr ebenso gelegen wie Nietzsche, weil sie einen Sinn darin sehen sich nicht zu reproduzieren, erreichen sie eine Lösung des Konflikts indem sie meinen sie kommen in ein neues Leben oder gar sie kehren ganz genau gleich wieder. Dabei ist aber diese Idee von einer ungeheuerlichen Aktualität, denn in der Quantenkosmologie haben wir - wohl ziemlich unabhängig von den modernen Philosophen, eine Paralellentwicklung dieser Gedankengänge, die zumindest auf die unabzählbar vielen möglichen Univsersen schließen lassen.  Da ist es dann zumindest denkbar, daß sowohl die Buddhistischen wie auch die Ideen von Nietzsche im Prinzip möglich ist, wenn man sich nicht auf ein so radikales Modell von der Wirklichkeit festlegt, wo alles einmalig ist und wo es keine noch so ausgeklügelten bedingten Wahrscheinlichkeiten gibt, daß sich da Universum doch noch einmal so rekonstituiert, daß die schönen Tage von Sils-Maria wieder kommen..

Die Magersucht moderner Frauen [wie die der Freundin Lou] reflektiert nichts anderes als einen speziellen Wahrheitsbegriff.  Die Vermessung des weiblichen Objekts und die Darstellung einer Idealfigur entspricht durchaus der Idee den Krieg mit Hilfe von body-counts zu führen, oder die Menschen zu messen auf der Suche nach dem idealen Zuchtmaterial für eine Zukunftsrasse auf dem Wege zum Übermenschen.  Alle Nietzsche Hasser sind solche Quantifizierer die Ratio und Rationalität nur auf der Waagschale, und am laufenden Meter begreifen können. Aber das ist das Wesen von Herrschaftswissen. Das Herrschaftswissen heute kann sich nur glaubhaft halten, wenn die richtigen, die angemessenen Quantitaten vorgetragen werden. Ich selber habe dooch mit gutem Instinkt den Weg gefunden mir das Herrschaftswissen anzueignen, das zu meiner Zeit gerade Mode wurde.  Die Physik war abgetan und die Massenökonomie war große Mode und die Statisik. ...  Die Leugnung der Metaphysik und die Leugnung aller höheren Ideen hatte ja durchaus einen guten Grund, und Nietzsche ist in dieser Leugnung eher ein Spätkömmling -- ganz abgesehen von LW oder anderen die in dem 20. Jahrhundert versuchten Dingen auf den Grund zu kommen, die längst schon ausdikutiert waren

Alles Schreiben ist Geistesgeschichte. Indem wir Worte gebrauchen, sind wir schon Teil der Geschichte der Zivilisation.  Die verkrampfte Bemühung um Originalität wird immer dann zu nichts führen wo wir von den schlichten Aufgaben der Werkzeugherstellung uns entfernen.  Nietzsche hat auch nur versucht die Bibel neu zu schreiben. Er erfindet sich einen neuen Standpunkt, der nur deshalb neu ist weil er, wie alle, nicht alles lesen kann was schon einmal geschrieben wurde: Das hat irgend ein Wichtigtuer an deutschen Hochschulen als eine Enthüllung vorgestellt, als er tadelnd bemerkte Nietzsche hat wohl Hegel nicht gelesen und wenn er ihn gelesen hat dann hat er ihn nicht verstanden.

Platon

Das Experiment mit der Demokratie dauert in Athen nicht viel länger als drei Generationen und schafft sich mit Platon [der wurde -428 geboren als Perikles -429  starb] Einen der »das freie Individuum« erfindet, um so Diktatoren und Tyrannen eine bessere Handhabe zu Herrschaftsausübung zu gewährleisten, als dies möglich wäre, wenn die Individuen nicht »frei« sondern in spezifischen Leistungsverbänden, Familien Clans, und andere Formen des »Staats-im-Staate« gestört würden.

"Alle Philosophie ist Fußnote zum Denken Platons." Wenn ich einen solchen Satz anhören muß, dann geht mir der Hut hoch,  dann komme ich in eine Situation, in der ich mich dazu versteige zu behaupten, daß Platon zu den am meiste überschätzten Individuen der Menschheitsgeschichte gehört. Die anderen sind Jesus, Buddha, Zoroaster und Karl Marx - von Hans Magnus Enzensberger, Bert Brecht, Sartre und der ganzen übrigen modernen Mischpoke ganz zu schweigen. Aber das ist es ja wozu ich hier bin.  Bis jetzt hat man nach "der Wahrheit" gesucht und diese verbunden mit ihren Schöpfern, die so ins göttliche übersteigert wurden. Da regt man sich in der christlichen Tradition über den Kaiserkult im alten Rom auf, aber sieht nicht, daß der Jesus-Kult eine direkte Übertragung aus dem alten Rom ist ... Die Linken, die davon faseln, Religion sei Opium fürs Volk, können auch nicht anders als ihre Grundweisheiten an irgendwelche Kultpersönlichkeiten zu knüpfen: und wo es den Himmel der Heiligen gibt, da sind Ketzerverbrennungen auch nicht mehr weit weg - und wenn man schon nicht physisch morden kann, dann ergeht man sich umso mehr in der Lust am geistigen Mord, töten durch Hohn und Häme - immer in der Form des Gang-Rape, denn es macht einfach mehr Spaß das Böse zu teilen, und jeder fühlt sich zu umso größeren Untaten angestachelt, je mehr er sich direkt beobachtet fühlt und weiß, daß andere Not haben werden dem vorgeführten Beispiel gerecht zu werden.....Platon war ein nützlicher Idiot, ein Polit-Berater, wie sie heute wie Sand-am-Meer die Welt verbessern, der den Ursurpatoren und Tyrannen den Herrschaftsanspruch legitimierte.  In dieser Funktion hat er dem Abendland weiter gedient..die Kriche zur zentralen Herrschafts-Institution zu festigen.. das Zentral-Kommittee der KPdSU. Heute reicht er bis Peking

Popper

..eine der neuesten Richtungen des Denkens der Mathematiker sei, daß alle Theorien unvollständig, uneindeutig und inconsistent sein müssen.  Karl Popper hat es sich einfach zu leicht macht, wenn er verweigert überhaupt über die Wurzeln dieses Problems nachzudenken um so für die Erkenntnistheorie eine fruchtbarere Basis zu schaffen.  Bei Popper ist es ja nur die Einsicht in die Beschänkheit des menschlichen Bemühens, während in Wahrheit das Ganze auch ohne menschliche Denkfähigkeit diese inhärente Beschränktheit hat.  Es müßte also oben in Wahrheit heißen: "alle Wirklichkeit ist unvollständig, uneindeutig und inkonsistent"

Rathenau

Rathenau [Von Kommenden Dingen] sah schon zu Beginn des verdammten XX. Jahrhunderts das Aufquellen eines fünften Standes, dem der Arbeitsunwilligen: Enttäuschte, Deklassierte, Ziele noch undefiniert, Lieblingsausdruck:  Bluthund [PIGS]  grundsätzlich Arbeitsscheue, der Gesellschaft Entfremdete, durch Leiden, Strafen, Laster, Leidenschaften Ausgeschlossene, sich selbst Ausschließende, Gesetze und Sitten Verneinende, Schmerzenskinder der Städte, Beklagenswerte, nicht Auswurf, sondern Vorwurf der mechanisierten Gesellschaft ... Der Haß zwischen Führern und Geführten wird umso unversöhnlicher sein, je mehr dem Einzelnen der Aufstieg frei steht. So hat keiner vor sich selbst mehr die Entschuldigung, er sei Opfer überwältigender Welt- und Wirtschaftsordnungen ... der allgemeine Bruderhaß des Unterlegenen, der in seiner kainitischen Form umso mehr vervortritt je weiniger ausgeprägt die Klassenschichtungen der Gesellschaft sich darstellen. Obwohl sich doch Rathenau so lesen kann als sei ein wirklich wirksamer gesellschaftlicher Prozess mit Austauschvorgängen und Wirkungsketten gegeben -- im tieferen Grunde sagt er doch genau das gleiche aus wie Nietzsche in seinen hellsten Stunden vor dem Zusammenbruch -- gerade dort wo er nicht von der Moral redet ...

Rohde

Es gibt bestimmte historische Darstellungen, die können nicht übertroffen werden: “Psyche, Seelenkult und Unsterblichkeitsglaube der Griechen” gehört dazu

Arthur N.R. Robinson T.C., O.C.C., S.C., Hon. Fellow of St. John’s College, Oxford

August 23,2002 The United States administration’s campaign against the International Criminal Court It is astonishing that the United States of America with such a history of promoting human rights, international peace and international order should now be in a determined campaign against an International Criminal Court, which has been adopted by most of the nations of the world, which adhere to principles of democracy and human rights.  Economic and military blackmail must not prevail against progress towards a universal system of justice. The peoples of the world must resist this utterly negative campaign, contrary to the founding principles of the American nation, contrary to the principles of the United Nations, formed after the Second World War, the most bizarre and destructive in the history of mankind which threatened to snuff out liberty, democracy and equality, defended at the cost of millions of lives. Americans joined with others in bringing to justice the perpetrators of Belsen, Auschwitz, Dachau and Mauthausen. The International Criminal Court is designed to deter or bring to justice perpetrators of such outrage in the future. It is an institution which we must defend against all attacks in order to ensure the future of our children and of all mankind.

Russell

Wenn ich über Wittgentein nachdenke, dann komme ich nicht darum herum bei Russell Abbitte zu leisten:  Dort wo Wittgnstein zu dem unausweichlichen Schluß kommt, es bleibt nichts als zu schweigen, da sagt der Russell Du mußt -- thau shallt auch wenn er sich selber nicht daran halten kann, sieht er doch, daß es eigentlich so sein müßte. Das ist ja auch ganz klar, Russell hat schon eine Generation vor Wittgenstein die Felder abgegrast, ist Cantor's Madness begegnet und intuitiv zu dem Schluß gekommen:  Alles was uns noch bleibt, nachdem wir herausgefunden haben, daß wir die absolute Wahrheit nicht finden können ist Sozialphilosophie zu betreiben:  Axiomatisch vorgeben, was sein soll und dann die Mittel dazu finden, daß man uns auch nachfolgt.  Es ist also ganz und gar konsequent, daß dieser helle Geist zum Ostermarschiere wurde, aber zugleich präsentiert er doch das einzig interessante Phänomen, im Vergleich zum dem die Frage nach der absoluten Wahrheit ein eher langweiliges Unterfangen ist.Die friedfertige Alltäglichkeit öffnet nicht nur der Sinnlosigkeit Tür und Tor, sie erlaubt es auch, daß das Schlechteste am Menschen, seine lügnerischen Vorspiegelungen unter dem Deckmantel der für wahr genommenen Heuchelei, wie ein Krebsgeschwür zu wachsen beginnen und alles nur noch zu Schattenspielen wird.  Aber hinter den Schattenspielen verbirgt sich dann immer das wahre Grauen des Bösen in seiner ganzen Unbegreiflichkeit. Zeloten finden sich immer da hinein noch Sinn zu füllen.  Der Eifer der Zeloten und die Herrschaft der Schriftgelehrten hat ja schließlich dazu geführt, daß sich aus dem Gotte des Erwählten Volkes, der milde Gott, der allgemeinen Menschlichkeit entwickeln konnte. Aber nicht nur die Preussen haben ihrem Kriegern "Gott mit uns" aufs Koppelschloß gestanzt.  Kardinal Westmoreland ist nach Vietnam gereist, den an der chaotischen Sinnlosigkeit verzweifelnden amerikanischen Kriegern die Kampfhubschrauber zu segnen. Dabei war das alles andere als ein Eiferer, das war ein kaltblütig kalkulierender Erhalter des Status quo, dem es vor allem darauf ankam, der herrschenden Masse fügsame Unterlinge zu vermitteln: "Die Gewissensnot des kleinen Mannes zu besänftigen"; genau in der gleichen Art in der Heinrich Himmler das Durchhaltevermögen der Einsatzkommandos gepriesen hat.

Das wird wohl unvermeidlich sein, für jeden, der in deutscher Sprache laut zu denken wagt.  Wir werden immer wieder darauf zurückkommen müssen -- nicht wegen der Einmaligkeit der Angelegenheit, sondern, daß wir ihr in der primitivsten, in der am leichtesten zu durchschauenden Form auf den Leim gegangen sind:  Da war kein erwähltes Volk und kein geheiligtes Land, da war nur das Schattenspiel, mit dem was Bismarck zusammengeschustert hat, mit dem was aus Kyffhäuser-Märchen ergaukelt worden war. Da war schon so viel wieder verloren, was zusammengetrieben, was geklaut und unrechtmäßig angeeignet war. Da war nicht einmal ein einigender Gott, den hatten die schon dreihundert Jahre früher rausfegen lassen, von den Schweden, den Franzosen und den Österreichern.

"I am the Chosen One." Der Erwählte sein, dem niemand noch etwas höheres versprechen kann. Das ist der einzige Ausweg.  Das ist, wenn man so will, Nachfolge Christi ohne alles Dogma:  wenn schon, dann der Viereinige Gott: Der Vater, der Sohn, der Heilige Geist und Ich. Dann ist es ganz gleichgültig wer herrscht.  Alle Herrschaft kann sich dann nur noch auf das Regulieren der Verkehrsampeln beziehen.  Alles was darüber hinaus geht, als Brimborium, mit Flagge und mit beratenden Versammlungen hat keine höheren Bedeutungen, außer der, dem jeweils selbst gestaltenden Ich als Resonanzkörper zu dienen  -- aber ich rede da natürlich die Welt der Frei-Vögler von Wilhelm Reich und Margret Mead herbei, denn das wäre ja alles ohne emotionelles Gebundensein.  So ein nüchterner Freivögler ist zum Beispiel Bertrant Russell, der keine Gelegenheit ausließ sich auf Kosten anderer zu vergnügen - und das in aller Unschuld. Mehr noch dieser Typus hat die Stirn uns aufzufordern mit einem "du mußt" die Gesellschaft zu gestalten, damit einige wenige Ruchlose als Herrschende funktionieren können.   Sobald wir diese emotionellen Bindungen zulassen werden aus dem Chosen One, Chosen Two, Chosen Ten, Chosen Thousands.

Es ist interessant, wie das Bild des Erwählten jetzt heraus kommt. Damit schlage ich mich nun schon einige Zeit herum, habe aber nie etwas damit anfangen können. Jetzt ist mir das so ganz von selber in den Gedanken hinein geflossen. Das zeigt mir wie wenig Kontrolle ich habe über meinen Gedankenfluß, und was mit-hoch-gespült wird und wie sich das dann in ein Ganzes fügt. Ich sehe aber auch, daß es mir niemals gelingen wird mit römischer Klarheit zu sagen was der Fall ist, geschweige denn, was sein soll.  Das muß ich den Jüngern des Voltaire überlassen, die gar nicht wissen daß sie Gläubige sind, weil sie selber ein Teil der Gottheit sind und so nicht mehr den Diener vom Herren zu unterscheiden wissen.  Wow! Da habe ich meinen Viereinigen Gott! Das war nicht vorgeplant, das lag nicht an dem Weg, den ich mir heute morgen so mühevoll bekümmert erlaufen wollte.  Da bin ich wieder einmal an dem Hohlraum angekommen, den unter anderem Russell zum Fundament der Moderne erhoben hat: Wohl wissend, daß der voller unauflösbarer Antinomien steckt -- da pfeifen wir uns ein Lied und nehmen eine willige Gräfin her, oder ein Hollywood Schöne.

Aber daß in diesem Hohlraum Atamanen-Gespenster geboren werden und die rachsüchtigen Götter, die die Unschuld des Massenmordens geben, das können wir nicht sehen wollen.  Bevor ich jetzt mich mit women's lib und der muslimischen Gefahr und anderen Gespenstern befasse, mache ich lieber erst einmal Schluß.  Im horror vacui geboren werden, das ist das Privileg allen Unglücks -- da geh' ich lieber Gurken kaufen und Nachttischlampen und Schrauben und Fahrradlampenbefestigungen .... unterwerfe mich meinen Alltäglichkeiten die keines Menschen Frieden bedrohen ... wenn es aber das Pech will, dann schliddere ich doch mit meinem Auto in einen Anderen und habe den Salat.

 

Sartre

Die Moral der Modernen ist in ganz besonders übler Art und Weise, von dem großen Mann der fränzösischen Linken Jean Paul Sartre vorgelebt worden, der sich die Ehre gab möglichst viele junge Damen zu entjungfern ohne sich einen Teufel darum zu scheren, welche "inneren Konsequenzen" das für die jungen Damen gehabt haben möge: hier fügt es sich auf merkwürdige Weise, daß die moderenen wissenschaftlichen unter den Seelenkundigen, die Behavioristen die Existenz solchen inneren Erlebens grundsätzlich leugnen, dann kann man nur feststellen, daß es eben Pech ist, wenn sich Eine nicht genügend rewarded fühlt von solcher Prominenz beehrt zu werden ... Sartre hat sich erzählt, er müsse sich selber erfinden.  Der nahm also an, daß das Publikum immer irgendwie da sei: nur daß es ihn nicht so aufnimmt wie er sich das ausgedacht hat, das bewirkte, daß er die Anderen zur Hölle machen mußte. Aber eine Hölle braucht man doch auch. Nur so kann man sich als Gegensatz erleben und sich von den Anderen abgrenzen. Es ist mein Unglück. daß ich mir in dieser Hinsicht selbst genug bin - ich kann mein Ungenügen so deutlich sehen, daß es hinreichendes Kontrastmittel ist mir mein Eigentliches vor Augen zu führen.  Sartre hat sich von dem negativen Bild der Welt des Man, jenes anonymen Gewoges, verführen lassen, das ihm Heidegger vor Augen geführt hat -- dabei muß man sich aber vorstellen mit welchen beschränkten Deutschkenntnissen Sartre das Geraune der oberschwäbischen Pythia erlauschen mußte.  Daß die Welt des Man selber etwas Erfundenes ist, etwas was sich Heidegger konstruiert um überhaupt eine Basis für sein Konzept der Eigentlichkeit zu gewinnen, das muß man erst einmal sehen.  Ein jedes Publikum ist ein erfundenes.  Das ist dasselbe wie mit allen anderen Kategorien, auf denen alle Denker aufbauen, die die Welt der Menschen zu interpretieren oder gar zu "verbessern" zumindest zu verändern trachten.

Schleiermacher

Seit Heinrich Heine sich abgewandt hat zu Herz und Sinnen zu reden und nicht mehr glauben konnte mit Himmelsschlüsselchen das erstarrende Gemüt der Deutschen zu erschließen, seit der Zeit in der die Deutschen Staat machen wollten mit Kultur und Schleiermacher glaubte die fromme Innigkeit des Glaubens mit dem Lichte aufgeklärten Denkens zu erhellen - seit wir dann von Marx uns überzeugen ließen es sei besser die Welt zu verändern - wenn wir sie schon nicht interpretieren können, ist es immer im argen gewesen mit unserer Kultur und die Arbeit an einer zivilen Welt die haben dann die anderen übernommen, die sich nicht so sicher waren, was eigentlich mit Kultur zu kultivieren sei.

Schopenhauer

Ich bin fasziniert von der Entdeckung des Solipsismus. Meine Form der Weltflucht richtet sich eben nicht auf einen ewigen Gott, sondern darauf wie andere vor mir auf »rettende Ideen« gekommen sind.Schopenhauer hat das auf eine ganz besonders eindrucksvoller Weise beschrieben indem er beschreibt, wie er sich von den Kleinlichkeiten des Alltags abwendet und nur noch im Hochgebirge des Geistigen unter den Giganten der Vergangenheit wandelt. Die großen alten Einsamen, die auf die Gipfel des Denkbaren hinaufstiegen und die sich von Gipfel zu Gipfel die Aussicht auf das Erhabene zurufen.

...vor einger Zeit mußte ich den Film anschauen: “Jackie & Hilary”, eine »wahre Geschichte« vom werden und sterben einer Künstlerin   ... neben mir hat eine Schwangere geheult ... so viel Mitleid ... so viel Lust ...so viel Lust am Mitleiden -- oh' Schopenhauer du Lüstling ... ich fand das bloß anstrengend ... und natürlich gekonnt gemacht; verdammte Professionals, die das Leben immer noch schöner darstellen können, als es wirklich ist ...

Ich will verstehen - nicht rechthaben und verstanden werden. Indem ich mich darauf hin richte zu verstehen, kann ich auch die Wege finden auf denen ich verstanden werden kann. Was mich einigermaßen erstaunte, war sein Urteil über den Islam

Schumpeter

Die Idee an sich ist ein Geniestreich: Schöpferische Zerstörung als die eigentliche Antriebskraft aller Dynamik zu erkennen. Die Geisteswissenschaftler denken aber gar nicht daran ihn dafür anzuerkennen.Da ist aber eine große Lücke im Verständnis des Prozesses der schöpferischen ZerstörungSchumpeter kann uns zwar sehr schön beschreiben, wie Eisenbahn und Elektizität, wie der mechanische Webstuhl und synthetische Rohprodukte erfolgreich in den Markt eingeführt werden und dabei bestehende Produktions- und Versorgungsstrukturen zerstören ... Aber das alles läuft ja ab in einer Welt, die sich in ihren fundamentalen Werten nicht in Frage gestellt sieht ... Nur auf längere Frist und in kleinen unmerklichen Schritten bewirkten technische Neuerungen und Innovationen im Bereich der Organisation und der Finanzierung auch Verschiebungen in der Wertehierarchie -- die dann individuell zwar als schmerzlich empfunden werden, die aber in der Gesamtheit eher in Richtung einer zementierung der Besitzstandswahrung führen.

Sokrates

Ich habe den Sokrates und seine Xanthippe aufgebracht: "Xanthippe hatte schon recht wenn sie zeterte - sie konnte lange vorher voraussehen, daß Sokrates mit seiner Verletzung der Sitten, in allergrößte Schwierigkeiten kommen würde, daß er schlußendlich den Schierling würde trinken müssen. Aus Liebe hat sie gezetert aber das hat sie nicht weit gebracht und ungerechterweise erinnert man sich ihr nur als des bösen Weibes anstatt daß wir uns dazu durchringen könnten zu erkennen, was das Gewissen und die Anständigkeit, und die guten Sitten zu etwas Bösem, Selbstzerstörerischen machen könnte. Als ich in dieser Richtung Andeutungen machte hakte er nach und fragte um eine Klärung:  Ganz einfach ich denke an die feinen, anständigen Herren in den schwarzen Uniformen.  Die Gescheiten, die innerhalb  der bestehenden Wertordnungen nach oben drängen und in diesem Drängen keinerlei innere Hemmungen haben, um zu erreichen, was alle Welt als das Große Wünschenswerte ansieht.  Um ehrlich, redlich, was auch immer zu sein muß ich gestehen, daß ich mich immernoch als Versager ansehe, weil ich das nicht kann, so wie ich mich als Versager empfinden mußte, weil ich nicht das Talent dazu hatte Weiber aufzureißen.

 

Spann

Irgendwo in der Bugwelle von Platon und Hegel hat der Otmar Spann (dieser unmögliche Katholik) seine Theorie von der Weltintelligenz entwickelt, in die sich Kirche, Staat und Gesellschaft einfügen und wo der Einzelne völlig bedeutungslos dem Walten höherer Autoritäten unterworfen ist -- das hat den Popper verrückt gemacht -- obwohl auch der sich nicht trennen kann von der metaphysischen Vorstellung einer Annäherung an die Einsicht how it works.

Thomas von Aquin

Wahrheit — und das zeigt sich auf ganz wunderliche Weise im peer review — ist eine gesellschaftliche Konvention. Aus diesem Grunde waren eben Aristoteles und Thomas Aqunias durchaus auf der richtigen Spur, daß sie alles Wissen nur auf seine ethischen Werte hin wägen wollten.  Das schauerliche an der Moderne dagegen ist doch gerade die Tatsache, daß man mehr oder weniger fest davon überzeugt ist, daß Wahrheit und Ethik ihre eigenen Wege gehen und Ethik auf jeden Fall ein Hinderungsgrund dafür ist, der Wahrheit auf den Grund zu kommen.

Thomas Mann

...was lese ich denn da über das Hauptwerk des Hochverehrten:  Mit Seelsorge hatte Thomas Mann nie etwas zu tun, auch wenn nun die Tagebücher des alten Mannes seelsorgerisch wirken. "Wie sollte er auch?  Ein Werk, das, aus kritischem Geist geboren, auf Ironie gründet und auf Prodie abzielt ..." Wie schön das formuliert ist, wie geschickt wie eingängig und gut verkäuflich, den erträumt sich doch jeder Verlger, der so eine schnelle Schreibe produzieren kann, die ankommt und mit reißt. Aber was sagt er denn da der Herr Kulturpapst. Was in diesem Satz steht geht auf eine ganz einfache Formel hin:

Thomas Mann ist ein Nihilist

Virtuosentum, die Kunst mit Worten zu manipulieren auf die Spitze treiben, und doch alle verarschen, das läßt sich aus diesem Satz ableiten läßt.

Wagner

Wagners Parsifal ist ein Enigma genannt worden.  Ein rätselhaftes Zusammenspiel von Sucher und Wissendem.  Die Hoffnungslosigkeit Erfahrungen der Alten auf die nachwachsende Generation zu übertragen und die verwirrenden Beispiele die Erwachsenen dem hoffnungsvollen Jüngling entgegenbringen.  Der böse Klingsor, der Krieger, der nichts versteht, die Kundry, die heilige Hure und die versteckte Mutter die allwissende.  Es wurde nicht der Versuch gemacht durch die vordergründige Kritik FNs hindurch zu denken und zu fragen: Warum regt er sich denn so auf?  Hat FN wirklich geglaubt, Wagner habe zum Karfreitag zurück gefunden? Der Jüngling der sich opfert -- Wagner kannte FN jedenfalls besser als Jesus. Worüber sich FN in Wirklichkeit aufregt, das ist die Tatsache, daß er sich entdeckt fühlt, daß er vor allem vor sich selber eingestehen muß, daß es ihm an fast aller Lebenserfahrung fehlt und damit an der Weisheit.  So gesehen ist er doch nur reinerTor, der mit seinem angelesenen Wissen weiter denken muß ohne die greifbare Erfahrung, die seine Theorien relativieren könnte. Der Weise, mit der Wunde die nicht heilen will, der Wunde die ihm Verdi und Offenbach und andere, die erfolgreicher waren als er selber, die er deshalb nur als Zauberer und als Böse erleben kann.

Winkler

Manche sind gute Vordenker und manche so richtig eindeutig böse. Kann sich das jeder selber rauß-suchen, oder brauchen wir dazu wieder Vordenker, so wie den Professor Winkler, der schön zufällig zur Zeit der Widervereinigung [sic!das ist Ein Weites Feld] den Junkern die Gesamtschuld am deutschen Bös-Schicksal zugeschustert hat.  Dafür hat dann auch das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland  bekommen

...die Wissenschaft der Schuldzuweisung, die eine Hauptrichtung des sozialwissenschaftlichen Forschens geworden ist hat Winkler die preussischen Junker finden lassen, andere Forscher fanden andere Alleinschuldige ... und diese Neuedlen sehen nicht, daß sie die servil beflissenen Denker des Dritten Reiches fortsetzen, die ja schließlich auch mit ihren wissenschaftlichen Methoden Schuldige identifizierten. Keiner wagt so recht zu fragen, was die wirklich Ursache der Zusammenbrüche der moralischen Substanz der Deutschen [und aller Modernen] gewesen sein könnte.  Und die Funktion der moralischen Aufrüstung, die nach dem Krieg versucht wird, wird heute beschämt belächelt.  Ach so ein rührender Versuch...

Wittgenstein

Alle absolute Wahrheit ist beteutungslos.  Alle Erfahrung gilt nur im Hier-und-Jetzt gleichsam in dem Augenblick, der gerade unwiederbringlich verflossen ist und somit keine volle Gültigkeit für den nächsten haben kann.

Im Traktatus hat uns Wittgenstein auf unwiderlegliche Weise das Wort verboten:  Dabei ist das doch der eigentliche Grund dafür, daß wir »Bewußtsein« haben.  Das worüber man reden kann, das ist doch durch und durch trivial.  Erst wenn es uns die Sprache verschlagen hat, sind wir aufgefordert das Schweigen zu brechen ...

Nicht nur das Wort hat uns Wittgenstein verboten, sondern auch das Selbst des Ich in Frage gestellt. Das macht ihn zu einem späten Gipfel des europäischen Nihilismus ... aber die ihn leichtfertig verehren sind so voll besserwisserischen Selbstvertrauen und Idealordnungsvorstellungen, daß sie gar nicht begreifen können, welcher Abgrund dort aufgerissen wurde. Sie meinen, damit sei nur den herrschenden Ordnungsvorstellungen der Boden der Rechtfertigung entzogen, so daß sie in aller Unschuld ihre eigenen zur Herrschaft bringen können.

Wir weigern uns zu sehen, daß im Zusammenbruch des Kommunismus zugleich auch die gesamte Neureligion der Wissenschaftsgläubigkeit den Boden verloren hat. Dadurch, daß sich der Rationalismus nicht als Religion erlebt, können wir die Augen davor verschließen, daß mit den Enthüllungen von Cantor bis Wittgenstein das Ende der Wahrheit erreicht und mit Gödel und Popper die Beliebigkeit zum Grundprinzip des Handelns, des Erfahrens, und des Glaubens gemacht wurde: so geht es nicht!  Das ist der einzige Maßstab.

 Wittgenstein, dieser Witzbold, dem ist es in einem furchtbar sauertöpfischen Wiener Kaffeehausernst gelungen, spekulatives Denken lächerlich zu machen.  Nun ist das irgendwelchen geldschneiderischen Gurus und Trivialromanautoren überlassen.  Eine vergleichbare Entwicklung, wie vormals bei der Entheiligung der Bacchanalen, die uns heute bloß noch als Staßenprostitution geblieben sind, und in Fasching, Halloween und ähnlichen Volksbelustigungen überleben ... seit 2,000 Jahren.  Glaubte der Witzbold wirklich, er habe endgültig Schluß gemacht? ... Zumindest ist es ihm gelungen, die Universitätsphilosophie zu einer grauenvollen grauen Sache zu machen.

 In unserer Bemühung um das Wahre und Endgültige liegt etwas tragisches das sich an solchen entsetzlich einsamen Figuren wie dem Wittgenstein enthüllt. Keiner ist von Angeberei und Prätention frei:  unser menschliches Wesen auch wenn sich das Ich solipsistisch-philosophisch absolut setzen will setzt sich doch auch zugleich damit über alle anderen hin und will Herr sein und dominieren und nutzt (bewußt oder unbewußt) die Unterwürfigkeitsmechanismen aus die in uns hinein gebaut sind.  Das alles ist doch so beängstigend fragwürdig:  Besserwisserei ohne Machtsubstanz ist nur eine andere Form von Neid ...

Die Variablen mit denen die Sozialwissenschaftler arbeiten stellen doch gar keine Wirklichkeit dar: man betrachte nur einmal genauer einen einzigen Datenpunkt in einer Zeitreihe und alles was dahintersteckt an Zufall und vergessenen Zusammenhängen, das sind zurechtgemachte Geschichten, wie das Balzgehabe der Tanzreiher. Mit diesen "Tatsachen" sollen wir uns begnügen, denn dahinter zu schauen fehlen uns die Begriffe, und da weiter zu suchen hat uns doch Herr Wittgenstein verboten. Und doch ist hier der einzig sinnvolle Ansatz für das soziale Gewissen sich selber zu ergründen: müssen wir uns dazu die Begriffe und Wirklichkeiten in Kausalketten schaffen, oder sollten wir es mit schopenhauerischer Anschauung versuchen? Und siehe da auch der hat einen Weltgeist das läßt sich nicht verheimlichen -- und überhaupt wie ist denn das mit den psychischen Kräften und unseren magischen Erinnerungen an Zeiten wo ich "deine Schwester war, oder deine Frau"...

Jedes Wort ist ein [bloß] Versuch – hat FN festgestellt - ist aber nicht zur Kenntnis genommen worden; denn Wittgenstein hat sein ganzes Leben daran gesetzt irgendwie aus Worten Wahrheit abzufiltern -- und die Herren Dekonstruktionisten nehmen ihre eigenen Worte so ernst, daß sie glauben den wahren Realitäten auf den Grund zu kommen die hinter den Worten derer stecken, die irgendwann schon einmal gedruckt worden sind; denn wer gedruckt wird, der muß ja etwas zu sagen haben, wo man doch weiß wie ungeheuer schwer es ist Verleger zu überzeugen das Wagnis der Veröffentlichung eines Unbekannten einzugehen...

Mit der Libidotheorie nimmt mir Freud den Teil meiner selbst, der im Geistigen grenzenlos ist - das nehme ich ihn ebenso übel, wie ich Wittgenstein das Schweigegebot nicht verzeihen kann. Hölderins Hymnen und die meditativen Erfahrungen, die aus der "Weltablösung" buddhistischer Mönche geboren sind überwinden sowohl das Schweigegebot, wie auch die Einbindung in ein ausschließlich auf Reproduktion gerichtetes Zwangssystem.

Die Aussage Wittgensteins: »Worüber man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen« hat in der Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung das von Laplace ein-für-alle-mal festgelegte Konzept der Wahrscheinlichkeit, die sich nur daran wagt das zu messen, was mit Sicherheit schon vorhanden ist. Und also besteht das gesamte Universum aus einer großen Urne, aus der man Ereignisse ziehen kann und »Häufigkeit« bestimmt was sein kann. Wirklich interessant wird es aber erst dann, wenn wir uns daran machen Ereignisse in Gang zu bringen, die zu nie zuvor geschehenen Dingen führen. Alles was lebt alles was ist... ist einmalig und hat nach Laplace - und mit ihm die gesamte aufgeklrte Welt der Moderne und der Post-Moderne - eine Wahrscheinlichkeit von Null.

... mir hat sich Wittgensteins Erstaunen über den Fußstapfen im Schnee im Prater als Erkenntnisprinzip offenbart ... Wenn man sich diesem Erkenntnisprinzip verschließt, wenn man eindeutig wird, dann kann man auch zum Ab-Urteiler aufsteigen und in aller Unschuld vernichten.

Zweig

Jede junge Frau träumt davon, wie die Marie Antoinette in einer Umgebung von Samt und Seide initiert zu werden ... Stephan Zweig hat mit seiner Biographie mehr getan als nur das Leben einer Frau zu beschreiben.  In seiner detaillierten Darstellung die Pimose und der dermit verbundenen Unfähigkeit einer Hymenpenetration, hat er auch einen Sexualmythos aus dem Fundament gerissen -- unglücklicherweise, erleben wir das Lebendsglück fast immer als eine schmerzlich unbefriedigente Rammelei