Lustmodus

Das ist die Grundvorstellung: Es gibt keine «selbständigen Individuen» und keinen «freien Willen» – es gibt keinen Gott der uns erlösen könnte von dem unausweichlichen «Zwang» uns den Gesetzen der lebenden Substanz zu unterwerfen: Es gibt kein Paradigma, das aus den Köpfen progressiver Anti-Thesen-Helden springen könnte, die Welt der Menschen mit massiven Dosen nurture neu-und-besser zu gestalten: Und das ist doch die Illusion aller Weltverbesserer: Das Wörtchen «Fräulein» verbieten und damit ein Problem aus der Welt schaffen, das «schon immer da war» …wie kompliziert dieses Problem ist, erhellt sich aus der Tatsache, daß sich Menschen – just zu der Zeit, als eine andere Gruppe von Anti-Thesen-Helden die römische Republik in eine Theokratie umwandelten in der sie selber Götter wurden – einen Gott erfanden, der sagt «Du sollst nicht Ehebrechen» und der selber in eine zwar geschlossene aber noch nicht vollzogene Ehe einbricht, um sich in einer unschuldigen Jungfrau – einem Wesen das Fräulein nicht mehr, aber Frau auch noch nicht war – selbst zu zeugen… und an einen Solchen – den sie den Gott der Liebe und der Vergebung nennen – glaubten und glauben die Menschen immernoch mit einer Inbrunst, die nur von der Intensität des Hasses auf andere Götter übertroffen wird… Um sich selbst zu zeugen hätte dieser Gott klonen müssen, aber so weit war er damals nicht… denn «die Unschuld der Jungfrau» reicht noch lange nicht aus, den in ihren Genen angelegten irdischen Erfahrungsschatz aufzuheben, so daß der Gott, der sich in seinem Sohne selbst ermordet, gar nicht mehr der war, der mit ehebrecherischer Wollust die Jungfrau entjungferte… um die Sache noch mehr zu komplizieren, wird in das alles noch der «heilige Geist» hineingedichtet und mit ihm der Logos, das Wort das ganz am Anfang war, unbesudelt von des Fleisches sündigen Bestrebungen… aber ohne dieses Fleisch wäre gar nichts… ohne die unergründliche Widersprüchlichkeit, den alle Vernunft besiegenden vitalen Drang des Fleisches sich selber immer wieder neu zu schaffen und dabei unvorhersehbar zu irren und aus solchem Irrtum derart Nutzen zu erlangen, daß Überleben – wider alle Logik und entgegen aller Vorstellungen von einem «gerechten Gang der Dinge» – nur aus solchen Irrtümern möglich ist.
Anyway was mich interessiert ist der survival-value …Überlebensinstinkt …Überlebenswert bestimmter Verhaltensweisen und wie sie entstanden sind und da muß ich mich mit meiner genealogisch-emotionalen Archäologie allein auf den Weg machen. Bei der suche nach dem «richtigen Wort» bin ich nicht nur auf die Unterscheidung zwischen «proximater» und «ultimater» Forschung gestoßen, sondern habe auch einen Hinweis darauf gefunden, daß Andere im Phänomen der Kunst eine fundamentalen evolutorischen Schritt des Menschen sehen. Nur leider ist der Autor viel zu nah am «vöcheln-„die fick i aa'no-"-Hodenheroismus» den die Kunst – unter Anderem –  gerade zu überwinden soll: Lange, lange, lange vor dem guten Paulus!  Der «Lustmodus» wird doch erst in der total dekadenten Situation des nihilistisch gesinnten Überdrusses relevant. Bis es zum Lustmodus kommt muß Überleben selbst zum Unwert geworden sein… Der «Lustmodus» ist das Gegenteil von «Überlebensinstinkt» und das reicht eben auch zurück in längst vergangene Zeiten: Sodom & Gomorra war wahrscheinlich schon eine zweite, dritte, vierte Phase nihilistischer Überwindung des Überlebensinstinktes im Lustmodus...