Nurture

…ich bin ja bis in die Grundfesten meines Wesens davon durchdrungen, zu wissen, daß die hochgepriesenen Konzepte aller Aufklärungen unter dem Schlamm des anus mundi [siehe 1108] verkommen sind -- und wir heute bloß noch so tun, als könne danach die Welt wieder heil gemacht werden:  Die Untäter bestrafen und der nachwachsenden Generation mit eindeutig richtiger nurture allen Appetit an solchen fürchterlichen Experimente für alle Ewigkeit verderben ... nur leider hilft alles predigen gegen Gewalt und sonstige Getriebenheiten nicht. Mann muss den potentiellen Tätern sinnvolle, prestigeträchtige Aufgaben geben...

Es ist wirklich merkwürdig, daß wir die Wirksamkeit der nurture zur Gestaltung des Zusammenlebens erst dann entdecken, wo uns der Inhalt unserer Ordnungsideen fragwürdig geworden ist und wo wir so weit in das Undenkbare uns vorgewagt haben, daß wir die Grenzen unserer Denkfähigkeit ganz klar vor Augen haben:  Die Ursachen für Cantor's madness überwinden.
Wir können ja noch nicht einmal die ganze Vielfalt der Menschennatur abschätzen und haben immer schon Antworten, schlimmer noch Aktionen, bevor wir uns darüber klar werden können, was eigentlich die Frage ist.
Die Frage in welchem Maße Menschen genetisch bedingt und wie weit sie kulturell geprägt werden können ist im deutschen Sprachraum extrem vorbelastet. Wer von einer biologischen Bedingtheit zu reden wagt, wird schnell als Rassist verteufelt.  Das Absurde an diesem Streit ist aber, daß die «reine Kulturbedingtheit» menschlichen Verhaltens notwendigerweise Evolution leugnen muß und also von einem nicht-variablen Gottesgeschöpf reden muß, das sich seit diesem Schöpfungstag in eine Vielzahl Kulturen auseinandergelebt hat, so wie das in dem Gleichnis vom Turmbau zu Babel und der darauf folgenden Sprachverwirrung berichtet wird.  Da muss man dann doch eine Gefahr des Umkippens in Pseudologie sehen
Es ist eine großartige Leistung der Kulturanthropologen und Sprachwissenschaftler die unendliche Vielfalt menschlicher Ausdrucksformen gesammelt zu haben.  Aus diesem Fundus und mit dem von Historikern, Volkskundlern und Archäologen kann ein dynamischer, vielfach verschlungener Vorgang abgelesen werden, der – it walks like a duck; it talks like a duck: it’s a duck – «evolutorisch» genannt werden muß: Kulturen entwickeln sich verzweigen sich und gehen unter. An diesem Punkt der Entwicklung – wo die Welt einswerden muß – ist eine sorgfältig geplante Minderheiten-Schutz-Politik genau so wichtig, wie eine Politik der «gerechteren Verteilung» des Wohlstandes in der Welt.