Wir betrachten die Heilige Handlung des Menschenopfers mit arroganter Blödheit.  Mit diesem Opfer suchten die Vorväter unserer Vorväter die Neigung der Götter zu gewinnen, den irdischen Frieden zu erhalten. Menschenopfer sind aber auch die Schlächtereien, die blinde Vernichtungswut, mit der seit circa 5 bis 10 Generationen die «zivilisierte Welt» sich ziert.
[Wenn man die Zeit Voltaires als den Beginn der Aufklärung ansieht.„Dass aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja, es ist, wenn man ihm nur Freiheit lässt, beinahe unausbleiblich. Denn da werden sich immer einige Selbstdenkende, sogar unter den eingesetzten Vormündern des grossen Haufens, finden, welche, nachdem sie das Joch der Unmündigkeit selbst abgeworfen haben, den Geist einer vernünftigen Schätzung des eigenen Werts und des Berufs jedes Menschen, selbst zu denken, um sich verbreiten werden." Kant Immanuel, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?, 1783 Was Kant hier beschreibt hat sich im Verlauf der vergangenen 2-300,00 Jahre, mal langsamer, mal schneller abgespielt.  Zum Problem wurde es est, als die Menschen zum «grossen Haufen» wurden und Vormünder brauchten, von denen der überwiegende Teil Auswurf und Abschaum des Haufens «die Abgebrühten» waren je mehr man sich der Gegenwart nähert.]
Die hoch entwickelten Zivilisationen opfern ihrem unbekannten Gott-der-Tausend-Namen-hat.  Angeblich nicht tun sie das nicht aus irrational-religi
ösen-Gefühlen sondern die Zivilisierten tun das ganz rational.  Was sie tun ist nach dem Verständnis der Zivilisierten von einer absoluten Notwendigkeit – dieser fahlen Göttin-mit-den-bleiernen-Händen (Heine) – diktiert… Wir erkennen nicht, daß die Vorväter, die zur heiligen Tat gefunden haben, uns um Aeonen voraus waren.  Sie hatten eine viel größere Distanz gefunden, das Walten eines unerbittlichen Schicksals in ihren Göttern zu befriedigen.  Seit dem Beginn der Aufklärung stehen – rein zufällig entstandene – Vereinigungen von Menschenmassen, die sich stolz Nation, gar «auserwählte Rasse» nennen, im Wettbewerb.  Wirklich Sieger geblieben ist doch keiner dieser Menschenhaufen in all dem Mühen als aufgeklärte Staatswesen mit Vernunft, Verstand und Einsicht, das Paradies auf Erden zu errichten.
 [Freedom & the pursuit of Happiness,  der amerikanische Verfassungsauftrag, wird praktisch in allen Sprachen der Welt versprochen]
Glückseligkeit hier auf Erden steht auf den Heiligen Tafeln der Zivilisierten geschrieben – sogar den Tieren soll ein solcher Segen angedeihen [Jedenfalls in Deutschland, wo das zum Verfassungsauftrag erhoben wurde.] – und die meisten leiten daraus den Anspruch des andauerndes Rausches, des Anspruchs auf immerwährendes Liebesglück, der immerwährenden Befriedigung -die gerade fürs Liebesglück die Antithese ist. [Post Coitam Omnia Animalia Treste Sunt sagten schon die Alten Römer. Aber jetzt lässt man sich einfach scheiden, um anderswo Dauerorgasmen zu finden.] …«Du sollst nicht ehebrechen» als eine ärgerliche Zumutung und unangemessene Forderung nach Eindeutigkeit erleben… [„Seit umschlungen Millionen…“ jubeln Schiller und Beethoven und daraus leiten wir dann– mit Hilfe Wilhelm Reichs & Konsorten – ab, ein glückliches Staatswesen kann nur entstehen, wenn jede mit jedem Orgasmen haben kann…]
Im einzigen Anderen die Unvollkommenheit als das Unerträgliche an sich auffassen und als eine Anmaßung. Wenn diese Schranken wegfallen, fallen wir dann nicht ins Bodenlose, wo wir im Menschenhaufen – total vereinzelt – nur noch die Selbstbespiegelung finden können. Gesellschaft beginnt mit der – im Grundsatz unauflösbaren Bindung des Mannes an das Weib. Wenn das sich nicht erhalten kann, gibt es keinen Grund, warum in allem Übrigen Menschen überhaupt zusammenhalten sollten [So gesehen ist zum Beispiel Friedrich Nietzsche ein verrückter Vereinzelter, wenn er behauptet, die Ehe habe ihren Sinn verloren und solle deshalb abgeschafft werden.]. Dann gibt es aber auch die von den Griechen erfundene Symbolik des Zeus, dem die Weiber den Samen abluchsen [In der Bibel kommt Ähnliches auch vor.] und der – eigentlich Bedauernswerte – meint doch zugleich selber, er sei der große Verführer.  Der «Gestandene» dem sich die «gut Versorgte» umso lieber hingibt je farbloser die Versorgungslage ist; je sicherer die Nestsicherheit sich darstellt – da möchte man schon gern mal Leda spielen und auf der Schwaneninsel sich beflattern lassen [Mit Mörike Frühlingsgefühle haben: Frühling läßt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte, Süße wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land; Veilchen träumen schon, Wollen balde kommen; Horch, von fern ein leiser Harfenton! (Quelle: Eduard Mörike - Maler Nolten (24))]… Wissenschaftlich nennt man genetic drift und meint damit eine fundamentale Überlebensnotwendigkeit für die Species [In der That, eine ganz neue Art Freigeisterei kam damit zum ersten Ausdruck: bis heute ist mir Nichts fremder und unverwandter als die ganze europäische und amerikanische Species von "libres penseurs". (Friedrich Nietzsche)] – auch wenn sie «mit einer Art schlechtem Gewissen belastet ist und mit einem Geheimnis umschleiert [Deshalb steigt Goethe «hinab zu den Müttern…»]… ist nicht Moses auch Zeus in einer anderen Gestalt: Gesetzesgeber, der diese nur geben kann, weil er sich über den Gesetzen weiß.  Hinter der Stimme Gottes verborgen, weil er sich Eines sicher bewußt ist: Seiner eigenen Übertretungen… Der gescheite Spritzer und Rationalist Russell hat uns auch weismachen wollen, er könne uns ein «Du sollst!» An den Latz knallen.  Aber ein Moses konnte er nicht werden, halb Bock, halb Faun, halb Ostermarschierer ist es diesem halbgebackenen Lüstling und Wahrheitszerstörer nie so recht gelungen «ernst genommen» zu werden, auch wenn er sich mit toternsten Dingen befaßte.

Da ist nicht zu machen.  Die Werkzeuge, die wir uns erdenken, reichen so weit über den Horizont des Himmelsgewölbes unseres inneren Sittengesetzes hinaus – man denke nur: Sogar das Gebären eines Messiah aus einer echt-intakten-Jungfrau ist jetzt eine technische Möglichkeit.  Man bedenke aber auch: wie viele Unbefleckte – denen kein Schimmer einer ernsten Einsicht, Vorstellung und Willensregung je Sinn und Aufgabe war, die nie daran dachten Licht in eine erstrebenswerte Zukunft zu bringen geboren aus der Not eines selbst-bestimmten Überlebenskampfes – haben heute Nachfahren, die aus dem Überfluß der Überdrußgesellschafts nichts mitnehmen konnten, was ihren Charakter prägen könnte.