Rationalismus

Rationalismus wird immer noch als die höchste Form der Entwicklung des Geistes angesehen: Das Zeitalter der Vernunft als Segen für die Menschheit.

Kant meinte: «Affecten» und Leidenschaften unterworfen zu sein, ist wohl immer «Krankheit des Gemüths».  Ich möchte mich hier gar nicht mit dem Gemüt Kants aufhalten. Viel wichtiger ist es, sich klar darüber zu werden, was das für alle Formen der Rationalität bedeutet: Ohne eine solche Voraussetzung kann es keine rationale Theorie  geben!  Rationalität muß sich vom Irrationalen der Affekte – und damit von allem was den Menschen «menschlich» macht  –

… Rationalität muß sich von der Seele lösen.

Damit wird der Rationalismus zu etwas sehr Fragwürdigem.

Wenn man dem Argument von Jared Diamond in seinem interessanten Buch Collapse folgt, dann handeln die Machete schwingenden Überflüssigen, der unter Übervölkerung leidenten Nationen Afrikas vollständig rational: Für sie gibt es keine andere Möglichkeit eine absolut minimale Lebensgrundlage zu sichern. Irrational ist die von Pop-Culture-Celebrities in Gang gebrachte humanitäre Hilfe wird das Problem ebenso schlimmer werden lassen, wie schon die vom Urwalddoktor und seinen Nachfolgern veranlaßte Reduktion der Mortalität.
Ebenso ist es nach den Regeln der ökonomischen Wissenschaften absolut rational für Unternehmen der Holzwirtschaft Urwälder abzuholzen und für Erzbergbau die Landschaft zu zerstören und vergiften und nach getaner Untat zu verschwinden wenn es keine zwingenden Regeln gegen solche Mißwirtschaft gibt. Irrational ist es deshalb unternehmerische Aktivitäten in Bausch-und-Bogen zu verdammen... und dazu gleich auch noch gewisse Zitierkartelle des ökonomischen Denkens [den bösen Neoliberalismus] zu verteufeln.