Ruhm

Helden

Die hinterhältige Käuflichkeit, venality [Frage ist nur “wer zahlt?” und wofür?] umfaßt so ziemlich alles, was sich in anonymen Großorganisationen gestaltet, die in allen Lebensbereichen den Ton angeben: Da kauft sich jeder jeden, ohne daß je ein Pfennig ausgegeben werden muß.  Anonym sind diese Organisationen gerade dadurch, daß peinlichst vermieden wird, dem einen Namen zu geben, was ihren eigentlichen Lebensgeist ausmacht ... »Blutorden + Botschafter am heiligen Stuhl« und »Frontbewährung« und die Frage nach der Beförderungspraxis im Spiegelverlag, und wie sich dort die Eiferer als Frontbewährer zu profilieren verstehen, und wie gerade das die Auflage hoch hält -- und also alle Glücklich sein müssen ... daß es ihm nur darum geht, seinen eigenen Kragen zu retten -- als der große Zambano weiter an der vordersten Front zu wirken: Indem er andere aus dem Schutz des Grabens in die Feuerlinien schickt.

Geschichte machen

Die Sänger der Barbaren haben im Kriegshelden den Geist des marodierenden Haufen beschworen.– das Überich –  Im Gilgamesch ist das zum ersten mal schriftlich festgehalten und in der Ilias und Odyssee zur hohen Kunst erhoben worden.  Heute ist der Sänger selber schon der Held [John Lennon], die Heldin [Britney Spears zum Beispiel] ... und im übrigen macht das irgend ein – hocheloquenter –  x-beliebiger Schreiberling für Der Spiegel oder Die Zeit… oder anderen Organen in denen sich der Zeitgeist wichtig tut.
Ich las [in Der Spiegel (№45,1994 p.244)]: „Brando war und ist der größte und wohl einflußreichste, weil stilprägende, das Kino-Bewußtsein revolutionierende Schauspieler den Hollywood besessen hat und hoffentlich noch besitzt …und Hollywood hat ihn vergeudet und ihn um seine äußersten Möglichkeiten gebracht…"
So schafft man Götter …hier wird ein Gott geschaffen aus dem Nichts, das ist in der direktesten und damit verstecktesten Form des Dionysos-Kultes: Das orphische Thema, die Schlachten des Adonis: Dieser Adonis steht aber auch geistig am richtigen Platz, weil er sich für die verkommene Kultur der Indianer einsetzt und weil er als sehr junger Mann stramm, aufrecht und mit ehrlich klarer Stirn gegen McCarthy und gegen alle faschistoiden Ideen aufsteht und meint: „…bis heute glaube ich [Brando] daß wir am Faschismus nur um Haaresbreite vorbeigeschrammt sind…" Sein antifaschistisches Gebaren bringt es damit zum Ausdruck, daß er bei Bühnenauftritten sich „eine Halb-Erektion appliziert, bevor er auf die Bühne geht – was seine Wirkung auf die Zuschauerinnen und Zuschauer nie verfehlte…"
Dem Gotte Priapus dienen ist ja doch nicht zu verachten; das Verächtliche kommt erst hinzu in der manipulierenden Absicht und in der «Auflage steigernden Verehrungswut der Öffentlichkeitsarbeiter» die sich – wie Napoleons Matratze – die Ehre geben und die ohne es zu ahnen selber schon Ausgebeutete sind: Sie können gar nicht wahrhaben, daß das was da mit anbetender Bewunderung und ordentlich in die Vergangenheit tretend vortragen nichts anderes ist als: Sexualfaschismus in Reinkultur
…die nicht sehen, das sich dieses auf Null bringen des anderen Vereinzelten durch nichts von dem auf Null bringen unterscheidet, das in totalitären Herrschaftssystemen wirkt… Wenn die völlige Durchdringung des Daseins mit dem vordergründigen Lustprinzip zur Herrschaft kommt, dann muß man sich dem unterwerfen oder man verkommt zum Nichts.  Wir hören von dem strengen Körpergeruch Brandos, dessen Erklärung: „…weil er nach Sexualabenteuern kaum Zeit zum waschen fand…was seiner sexuellen Attraktion aber keinen Abbruch tat –– im Gegenteil…"
Das ist der Stoff aus dem die Träume sind. Schlimmer noch, das ist Fundamentaltheologie, die absichtlich oder unabsichtlich unser «wollen können» in seinen Grundfesten berührt und die uns so in innere Konflikte stürzt, die sich durch nichts von den Konflikten unterscheiden, die uns aus der paulinischen Sexualmoral erwachsen.
Dabei ist mir aber ganz und gar deutlich bewußt, daß die raffinierte Verarbeitung des Stoffes durch die von Goebbels auf die Spitze getriebenen Methoden der pfiffig-griffigen propagandistischen Darstellung, die von den Vergangenheitsbewältigern schamlos weitergeführt werden, einen viel größeren Effekt hat, als das Wirken der Person selber.  Zwar wollen sie nur Zeitungen verkaufen, aber – Zauberlehrlinge, die sie sind – bringen sie «Dinge» in Bewegung, deren Konsequenzen nicht absehbar sind: Verzweifelte Kopierversuche und fundamentalistische Gegenpositionen …
In der Darstellung der Person – nicht in der Person – erleben wir die gesamte Dogmatik, die der Frust-Emanzen-Ideologie zugrunde liegt: Selbstverwirklichung durch ungehemmte Ausbeutung Anderer und einen ideellen Überbau, der nicht in diese schweißig-schleimigen Bindungssysteme hineinwirkt: den edlen Wilden retten und den modernen Hexenverfolgern stolz die Stirn bieten…
Ich kann diesem gesamten Komplex nur dadurch gerecht werden, daß ich mir den Begriff der verlogenen Wahrheiten erfinde.  Schön wäre es ja, wenn man durch die Applizierung einer Halberektion willige Emanzenfotzen mobilisieren und mit ihnen Lustempfindungen genießen könnte, die sonst weiter keine Konsequenzen hätten. Aber die Lustempfindung kann gar nicht losgelöst werden von den «Unlust-Konsequenzen» die sie mit sich bringt.  Das geht nun über die Schweiß und Samendrüsen des Marlon Brando hinaus. Hier bin ich an dem Kern der hedonistischen Moderne: Die Glücksmaximierungsideologie, die uns vormachen will, man könne Nutzenordnungen [mit unbegrenzter Zahlungsfähigkeit; denn es wird alles zum Guten gewendet] schaffen, in denen alle negativen Effekte ausgeschaltet werden – strenger Körpergeruch als Lockmittel: Ja doch! – gut für den, der das Glück hat andere – kompensierende – Wonne-Versprechen auszustrahlen …aber doch nicht in dem Massenverkehrsmitteln und anderen mit lauter uninteressanten Fremdlingen gefüllten öffentlichen Orten… …der unglaublich Häßliche, der – mit Hilfe von Simone – große Unschuld-Räuber Jean Paul Sartre hat es eben gerade mit dieser Häßlichkeit (die eine körperliche und in verschleierter Form auch eine geistige Häßlichkeit [ich habe jedes Wort von ihm verschlungen!]war) verstanden sich Jungfern ins Bett zu locken – weil sich hinter dieser Häßlichkeit ein Paradies des ewigen Glücks und der unendlichen Wonne zu verbergen schien. Kompensationen die uns «irgendwie» hinzugedichtet werden, die aber nie explizit gemacht, die nie direkt versprochen werden, sondern «vom Opfer selbst» und «implizit» hinzugedichtet werden …so daß sich das Opfer selbst – zunächst mal – nicht als Opfer erkennen kann… Natürlich sind die jungen Damen «freiwillig» zu Sartre gekommen …andere habe sich freiwillig von Brando's Schweiß und Spermienschleim besudeln lassen und wir nehmen es ganz freiwillig hin in solchen Prominenten die Größten zu erleben und Idealfiguren aus ihnen zurechtmachen zu lassen, denen wir je nach Neigung und Anlage nacheifern und nachstreben, auch wenn wir das gar nicht «wollen-können»…
Das Predigen der verlogenen Wahrheiten, das ist vom Christentum perfektioniert worden. Das hat in dem grau-in-grau der Puritaner seine Blütezeit gefunden und die Welteroberung in aller Unschuld möglich gemacht. Gottes Wille waltete, als die Masern die Indianer sterben ließ. Es mußte keine Hand im Zorn erhoben werden, um die Vernichtung der Anderen zu bewirkten und mit dem Segen der Rule of Law konnte schnell und schmerzlos der herzlose Eigentumsanspruch an frei gewordenem Land besiegelt werden …und heute tut es gut weltweit den untergegangenen Kulturen nachzuheulen, aus dem gleichen Geist puritanischer Rechtschaffenheit heraus.
Die gleiche Ausgabe «Der Spiegel» wo der Hoden-Heroismus des Herrn Brando bejubelt wurde, barmt sich um das Elend der Frau S.  unter dem irreführenden Titel «Armut in Deutschland» die Arme ist ja doch gar nicht arm. Das Schlimme ist, sie zählt gar nicht – sie wird nur benutzt sie ist ein Aufhänger wie die Fachsprache es nennt… sie ist Musterbeispiel dafür wie «das soziale System» wie die lebendig-verwobene Gemeinde zerstört wird unter der Herrschaft professionell-beamteter Sozialfürsorger und der Neu-Stil-Bildung professionell-eloquenter Propagandisten… Die Schweiß- und Samendrüsen, die sich hier zu neuem Heldentum und zu Lichtfiguren entfalten können sich auf dieses Einzelschicksal nicht verpflichtet fühlen. Aber die harmlos naiven Lesen sollen sich empören und Solidarität zeigen …zahlen heißt das für die Besser-Verdienenden … und den Fachleuten von den Jugend- und Sozialämtern freien Speilraum geben zur Erfüllung ihrer «wichtigen Aufsichtsarbeit» Der Marx und die ihm folgenden Sozialreformer haben uns ja exemplarisch vorgelebt, daß Sexualmoral nicht zählt in der neuen Welt der Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit Die Frauen sollen allen gehören und sich einbilden «freie Liebe» nachdem die Ober-Reformer – wie der häßliche Neffe des Urwalddoktors Jean Paul – von ihrem «jus prima noctae» «"jus primae noctis"» gebrauch-gemacht haben.  Die Jungfrauen ergeben sich ja ganz von selber.  Und ich sitze hier verbiestert und voll Selbstmitleid, weil mir ganz offenbar alles fehlt, diesem Hoden-Heroismus auch nur annähernd gerecht zu werden… Oder habe ich vielleicht doch etwas vorzutragen, was mit diesem neuen Stil nach hinten gerückt worden ist …etwas entgegen zu setzen, das aus meinem Arsenal an Hemmungen und Verhaltensmustern, die Alfred Adler liebenswürdigerweise «Feigheit» nannte, Kant der Hohepriester der «bleiern-fahlen Göttin Notwendigkeit» dagegen aber, das mir eingeborenen Sittengesetz.  Auf meine Solidarität können sie so-wie-so nicht rechnen, die Paradigmen-Veränderer: Ich helfe nicht die Verkommenen zu retten, die als Ergebnis des Hodenheroismus leben müssen ohne zu wissen wozu und die Straßen unsicher machen…
Lust am Dasein diene ich auf meine Weise, und ich erlaube mir mit dieser Lust, so gut ich kann, haushälterischen Umgang zu pflegen.  Die Verherrlichung der einen Drüse, läßt mir nicht den Raum, den ich für meine Wolkenschlösser brauche. Aber ich verwehre niemandem auf diesem engen Grat sein Leben auszubalancieren …Peter Rosegger hatte seine Finger in der Furche und berichtet stolz er habe aus Ehrfurcht und aus dem Wohlgefallen der wonnigen Erfüllung seine Hände nicht gewaschen: Das ist kein Privileg der Linken …der fanatisch vorgezeigte Anti-Rassismus, den sie stolz spazieren tragen ist eine ganz schäbige Ausflucht vor der Idee der Verantwortung die sie eigentlich auf sich nehmen müßten, wenn ihnen der Gedanke nahe käme für den Aufbau einer idealen Welt nicht nur nurture als geheimpolizeilich kontrollierte Sozialfunktionen sondern auch nature die Züchtung eines Geschlechts sozialistischer Edelmenschen unabdingbar nötig sein wird.
Die einen morden uns, für ihre jämmerliche Beschränktheit Platz zu machen… die anderen zeugen die Brut, die zu nichts weiter taugt, als sich zu Mörderbanden zusammen zu rotten unter der Obhut von professionellen Jugend- und Moralpflegern…
Die klugen und eloquenten Schnellschreiber glauben wahrscheinlich «ehrlichen Herzens» an die befreiende Wirkung der Enthemmung und der nüchtern mephistophelischen Aneignung der Menschen als Sachen, die Luststeigerung versprechen. Und wir Leser [männlichen Geschlechts] erleben uns als die, denen Wolkenschlösser voller williger Fotzen gebaut werden… meistens als blöde Versager, weil wir uns nicht in der Lage sehen, die «moderne» Wirklichkeit als das zu nehmen was sie so offensichtlich ist.
Aber es sind ja doch die gleichen, die uns – wenn wir nicht voll ihrem großen Beispiel folge leisten – die Schuld an der einmaligen Untat jede Woche einmal an den Latz knallen -- mit Fhrerbild; versteht sich: Sie meinen also, man könne die eine Enthemmung simpel und einfach von der anderen trennen.  Da ist aber ein Zusammenhang… und es gibt ja auch noch die Diskussion um die Unterscheidung zwischen edel-gutem Freiheitskämpfer und kriminellen Terroristen …ebenso die zwischen gutem und schlechten Massenmord … und nur eine einmalige Untat: ein spezifischer Massenmord, der allein unauslöschliche Schuld erzeugte und wer zweifelt: in den Kerker mit ihm – Todesstrafe ist leider auch für diesen Fall nicht anwendbar.
Unser Hodenheld ist alt geworden und fett.  Aber das wäre ja gar nicht weiter schlimm.  Aber trotz seines lieb-blutenden Herzens für die verkommenen Indianer, war es ihm nicht möglich, der eigenen Brut so viel inneren Halt mitzugeben, daß sie hätten mit einigermaßen normalen Umständen des Lebens hätten zurandekommen können. Keine einmalige Untat mit unauslöschlicher Schuld – immerhin aber ein Mord. Da wissen die pfiffigen Eloquenten zu relativieren … die Jungen mußten versagen, wegen der «göttergleichen Größe des Alten…»… vielleicht bereut der aber, nicht dem leuchtenden Hodenhelden-Exempel des großen Erziehers [Rousseau[1712-1778]] gefolgt zu sein, sich von vorn herein der unerwünschten Brut zu entledigen, sie ins Findelhaus abzuschieben: Verdammte von vorn herein [wie Rousseau von John Calvin [was born at Noyon in Picardy, France, 10 July, 1509, and died at Geneva, 27 May, 1564. ] lernte]… Die jämmerliche Beschränktheit der Überflüssigen wird auf keine Art und Weise deutlicher sichtbar: Und die Linken wollen das! Das ist der Traum von der schmerzlosen Geburt und der rein auf nurture bauenden Schaffung des neuen Menschen… alle Voraussetzungen zerstören, Nachkommen in sicherer Geborgenheit aufwachsen zu lassen und zu entfalten: Nur so kann die schöne Theorie bewiesen werden.  Aber wehe, wen sich die Verworfenen selbständig machen – wenn sie sich zusammenrotten und sich schwarz uniformieren – scum of the earth – die Einen die so schön reden können …die anderen, die auf alles einschlagen…

Ruhm

Die Vergänglichkeit von Ruhm zeigen mir die Bücher, die ich antiquarisch gefunden habe [darunter aus Goethe's Werken: «Aufsätze über Literatur und Kunst», dreißigster Teil, 111. Band des Werkes: Josef Kürschner unter Mitwirkung von Dr. Arnold bis Dr. Th Zolling (ca. 30 Mitherausgeber) Deutsche National Litteratur, Historisch kritische Ausgabe Stuttgart 1889 - 1900], machen mich auf ein Phänomen des ausgehenden XIX. Jahrhunderts aufmerksam, das ich bis jetzt nie so deutlich gesehen habe:  Die Technik erschlägt den Menschen mit seiner eigenen Leistungsfähigkeit. So wie sich jeder Möchtegern damit zufrieden geben kann, daß sein Name in Who-is-Who oder im Brockhaus erwähnt wird, so definiert dieses Werk Literatur und wer da nicht aufgenommen wird, der gehört einfach nicht dazu. Das aber mobilisiert den Protest der Ausgeschlossenen und der noch-nicht-Angekommenen aus dem Unbewußten. Da wollen wir doch erst einmal sehen, wer stärker ist. Die Herausgeberschaft, das ist die Fleischwerdung des Zeitgeistes: Aber wer erinnert sich noch an Professor Nerrlich oder Dr. F. Muncker ... Diese gesamte studierte und hochgebildete Mischpoke ist hinabgestürzt in den Orkus obwohl sie ja der Meinung sein mußten Endgültiges zu vollbringen. Schluß machen, mit dem XIX. Jahrhundert, wie sich das die DaDaisten vorgenommen habe, das wird erst in dieser überwältigenden Form des Selbst-Werdens des Geistigen greifbar.

Dabei ist noch nicht einmal ganz sicher, was eigentlich zum Untergang der Idee einer universellen Geistigkeit geführt hat. Ist es die Schöpferkraft der nachwachsenden Generation, die sich müht das Gegenteil des Kanon von Guten, Schönen und Wahren salonfähig zu machen, indem sie wie Benn, vom Mäuschennest im Mädchenschoße dichtet, oder wie Kandinsky die Bildoberflächen zerfetzt, um eine tiefere Bildhaftigkeit zu erzeugen? Oder sind es vielleicht nur die Polsterfurzer, denen es – je höher die Charge desto besser – mit wenigen bürokratischen Federstrichen gelingt, dieses Werk des Titanenfleißes zu Makulatur zu machen: aus Litteratur wird Literatur, aus giebt wird gibt ... und wir können gleich wieder von vorne beginnen ...Picasso denkt am Anfang seiner Abkehr vom Gegenständlichen noch ganz naiv: Vielleicht gelingt es mir auf diesem Wege in höhere Dimensionen vorzudringen, das Unsichtbare, aus der vierten, fünften ... n-ten Dimension ans Licht der dreidimensionalen Welt im Jetzt und hier zu ziehen.  Doch siehe da! Die Welt der Intelektuellen, die nicht mitspielen darf, an der Erzeugung von historisch kritischen Ausgaben, des schon einmal produzierten, die entdeckt, für sich, eine Aufgabe, als Mittler zwischen dem neuen Werk und der kunstbeflissenen Normalbevölkerung wirksam zu werden. So erzählen sie dem Maler was er wirklich eigentlich macht und der Maler versucht natürlich, dem Gerede vom Neuen gerecht zu werden ... Das was sich in den tausend Bänden der Deutschen National Litteratur zu manifestieren trachtet, das ist natürlich eine Form der Aufklärung [das ist übrigens das Konzept der Aufklärung, das in der Sowjet-Union und ihren Satteliten das Bildungs- und Kulturleben bestimmte.  Das hatte durchaus seine positiven Aspekte, weil auf diese Weise wenigstens sichergestellt wurde, daß im Theater, Ballett und Oper Werktreue angestrebt wurde, anstatt des wilden Experimentierens irgendwelcher Unschöpferischer, die wie die heute herrschenden Theaterregisseure in Deutschland den Mangel an eigener Kreativität daran zu rächen versuchen, daß sie die Werke der etablierten Olympier und minderer Kärrner und sonstiger Zuträger zum Kulturkanon, verderben], die zum Beispiel Nietzsche, in seiner Attacke gegen David Strauß, bloßzustellen versuchte. Die Symbiose zwischen dem Künstler und dem Intellektuellen, der es sich zum Beruf macht, den Künstler zu interpretieren und in die Alltagsempfindungen des Kunstgenießers zu übersetzen, die taucht in dieser Attacke noch nicht auf. Aber immerhin, Friedrich Nietzsche träumt ja in seinen schwachen Stunden davon, daß es eines Tages Lehrstühle geben würde, an denen die Interpretation seines Zaratustra Gegenstand und Hauptinhalt der geistigen Förderung der nachwachsenden Generation darstellen würde.



 


Ich habe ein Lebensbild über Albert Einstein gesehen, das mich sehr beeindruckt hat. So wie mir der Film Amadeus das Feuer des Schöpferischen sichtbar gemacht hat, so hat mir diese Sendung die Einsicht in die Einsamkeit, die Unabhängigkeit von Gefühlsbindungen beim rein Rationalen vermittelt.  Um seine abstrakten Vorstellungen zu »realisieren« mußte er sich ganz und gar aus den Niederungen des Alltags heraus nehmen und sich den völlig berechtigten Ansprüchen seiner Lebenspartnerin an Teilhabe bei der Haushaltsführung und bei der Erziehung seiner beiden Söhne brutal entziehen.
Die Sendung zeigte auch, daß der Ruhm, den er sich nach 20 Jahren versteckter, tief vergrabener Arbeit, erworben hat, gar nicht so sehr auf die geistige Leistung bezog, sondern vielmehr darauf, daß trotz des Chaos und der divisiveness, die sich in der abendländischen Kultur zwischen den Völkern und in ihnen zwischen den sozialen Schichten auf gestaut hatte, eben dieses Abendland durch eine neue Weltsicht, neu vereint wurde... Zugleich wurde aber mit dem Überwinden des alten Weltbildes, die Möglichkeit geschaffen ein über das Abendland hinaus reichendes neues universelles Weltbild zu gestalten. Das wurde von Vielen begierig aufgegriffen, auch von denen, die noch gar nicht in den abendländischen Kulturkreis einbezogen waren.Individuelle Verwirklichung, die darin besteht, daß Einer der Natur etwas abringt und dabei keine Rücksicht darauf nimmt, wie die unmittelbare Umwelt darauf reagiert, das ist nicht nur das Schicksal Einsteins gewesen.
Der Ruhm Einsteins ist aber auch sehr deutlich das Ergebnis von media hype. Hier konnte eine Figur aufgebaut werden, die als Gegenbild gegen die regressiven Kräfte in der Gesellschaft dienen konnte. So wurde er aber ein Opfer fremder Interessen.  Die Ideen der Rühmenden prägten das Bild, das sich die Öffentlichkeit von Einstein machen konnte mehr, als die wissenschaftlichen Leistungen, oder die privaten Eigenheiten, die den Mann in Wirklichkeit ausmachten.
Die Welt hat darauf gewartet, daß man ihr eine neue Ordnung gibt. Was die Sendung aber nicht bringt, oder nur in wenigen Andeutungen zur Quantenmechanik erwähnt, das ist die Tatsache des Zusammenbruchs der Tragfähigkeit des wissenschaftlichen Instrumentariums, den ich unter dem Stichwort von Cantor’s Madness ständig vor Augen habe. So gesehen ist eben Einstein doch noch vollständig den Denksystemen und der gesamten Weltschau der klassischen Periode der Physik verbunden – er darf noch in aller Unschuld an die absolute Wahrheit seiner Herleitungen glauben ...und die Leute, die diese Sendung zusammengestellt haben, sind offenbar niemals an diese Grenzen vorgestoßen Schließlich ist es ja auch schwer genug, das Phänomen des gekrümmten Raum-Zeit-Kontinuums zu erfassen.