Todtnau

Man kommt gar nicht daran vorbei, in einer bestimmten Phase seines Lebens, sich ganz und gar einer Sache zuzuwenden, und sie zum Hauptinhalt werden zu lassen.  Wenn man sich dabei als »Gefangener« fühlt, oder unter dem, was die Linken »Entfremdung« nennen, leidet, dann ist das nichts anderes als ein frühes »Ausbrennen«, wo Hoffungen in Neid umkippen, weil man in dieser Phase auch erleben muß, daß es anderen besser, als einem Selbst, gelingt, den Idealen, dessen gerecht zu werden, dem zu unterwerfen, man sich mit großen Hoffnungen und berechtigten Aussichten auf Erfolg, hingegeben hat.  Das ist zum Beispiel die wirkliche Symbolik von Todtnauberg.  Nicht was dort geschaffen wurde, sondern daß sich da einer selbst geschaffen hat, darauf kommt es an.  Aber es ist ja bezeichnend für den Schöpfer schöner Mythen, daß er uns wissen lassen will das seine großes Werk in jener naturnahen Abgeschiedenheit entstanden ist ... genauso wie Nietzsche   nichts unterlassen hat, uns wissen zu lassen, daß seine Gedanken dreitausend Fuß über dem Meer des Menschengesindels entstanden. Da hat sich einer zurückgezogen und ganz »seiner Absonderlichkeit« gedient und ist hervorgetreten, vor die Menschen, und war von da an der große Gewandelte:  Das was im Neuen Testament über Jesu' Aufenthalt in der Wüste erzählt wird reflektiert auch the Roman way of life und die Unterwerfung unter den Druck einer Leistungsgesellschaft.  Weder die einsame Jägerhütte im Schwarzwald, noch die Wüsteneinsamkeit für sich genommen, stellen irgendetwas dar, nur in Bezug auf die Welt in die hinein der Einzelne zu wirken sucht  sind sie relevant ...