Ungereimtes

Vorbemerkung

zum vierten Band der Sprüche zum Thema des

Faulen Apfels,

den eine gewisse Eva im Paradies

vom Baum der Erkenntnis pflückte

 

So Mancher hat mir die Gretchenfrage gestellt: »Was soll denn das 'mal werden?« Und ich konnte ihnen nur antworten was es sicher nicht werden soll: Kein Buch im traditionellen Sinn und kein System, das ein für alle Mal alle Probleme des Daseins in den Griff kriegen soll. Literatur auf jeden Fall und auch Autorenschaft im Sinne eines »Selbsterschaffenen« das nur mit Seitenblicken [ich hoffe nicht immer allzu scheelen] auf andere Autoren und Akteure arbeitet und dabei geradezu seinen eigenen Weg findet. Eben dies: Etwas das sich selbst definiert, indem es wird!
Das ist geradezu die Definition des Lebenden:  Und wenn dabei nur »tote Buchstaben« geschaffen werden, dann kann ich es auch nicht mehr
ändern. Ausschlaggebend ist doch für mich, daß ich meinem Ziel gerecht werde und dem Antrieb, der ganz aus sich selber heraus vorhanden ist Genüge tue.  Ich muß ja zum Glück nichts mehr beweisen, und mir einen »Namen machen« und ich kenne genügend Abscheulichkeiten dieser Art um so weit ich nur kann, von irgendwelchen Systembasteleien und konzis-konsistenten Schulweisheiten entfernt zu bleiben.  Indem ich es so weiter mache, wie es sich mir bis jetzt ergeben hat, muß es sich selber erfinden und definieren, was es ist. Das ist eine sokratische Haltung der Liebe zur Weisheit, die sich ahnungsvoll bewußt ist, daß es zwar keine vollständig »geschlossen« formulierbare Wahrheit geben kann, daß aber doch das Streben dahin zum höchsten gehören kann ... und dabei bin ich mir nur zu deutlich bewußt in welchem Maße die Lüge, das Verheimlichen, das Ungesagte, des durchaus Sagbaren, Teil dieser »Wahrheit« ist ...
Ich bin eben doch kein Gespr
ächspartner, der auf Gretchen und andere Naiv-Unvoreingenommene Eindruck machen und sich Lustverlangen stillen möchte... mir hat kein Mephisto die zugeführt, die leicht zu verführen sind. Ich mußte lernen Mephisto ist genauso gut ein figment of the imagination wie der Liebe Gott nach dem die Gretchen alle fragen. Bevor mir Mephisto und alle Leitbilder zum Machterwerb verloren gingen, mußte ich erst mal lernen daß Gretchen in aller ihrer Naivität eine ganz Durchtriebene war, bei der der Wunsch nach dem Kind und der Wunsch a person of high standing zu sein, derart in Konflikt kamen, daß sie sich selbst auslöschen mußte:  Da war nichts anderes »Schuld« – der in der Schuldillusion sich verzehrende Dr. Faustus, der Besamer ist »hergenommen worden« und stellte sich dann als Einer heraus, der in seinem unbestimmten Streben eh keinen akzeptablen Status vermitteln konnte... Ich selber betrachte es als mein besonderes Privileg, das Streben nach Status so weit »überwunden« zu haben, daß es mich hier unten in meinem Kabuff nicht mehr regelmäßig aus der Bahn wirft ... obwohl natürlich ein ganz wesentlicher Teil dessen, was ich hier einzufangen versuche sich innig mir meinem frustrierten Statusstreben verflochten hat.  »Ist erst die Unschuld ruiniert, dann lebt es sich ganz ungeniert« hat Wilhelm Busch gereimt. Aber das ist auch ein Musterbeispiel für Schuldunfähigkeit, die aus dem Zeitgeist gezeugt ist; denn wenn man seine Hetztiraden gegen Juden und Franzosen mit den Ellen der heutigen mores messen will, dann ist er ganz und gar unmöglich, so ungeniert er sich auch selber und zwei Generationen nach ihm erlebt haben mögen. Das was ich sagen kann, das kontrollieren ich doch immer noch mit einem Rest Schamhaftigkeit -- und wenn ich über alle Funktionen die mit dem auf Vermehrung ausgerichteten Endokrinen System zusammenhängen »freiweg« reden kann, dann gibt es durchaus andere Elemente der Schamhaftigkeit, die sich nicht oder nur schwer überwinden lassen:  Dabei ist das was ich in der zweiten Märzhälfte festgehalten habe ein Grenzfall ... Aber ich kann eben solange nicht über das reden, was ich vielleicht sehr wohl weiß was auszusprechen mir eine viel tiefer in Unbewußten versteckte Macht verweigert [das ist etwas ganz anderes als das was Wittgenstein über Nichtwissen vermutete und wo er mir seinem Schweigegebot einen billigen Ausweg gefunden hat] ...

 

2342

 

Der tausendjährige Kampf zwischen Kirche & Kaiser ist nun endlich zu einem Ende gekommen. Die Kirche steht in Massachusetts vor einer grand jury und muß Rechenschaft ablegen. Zahlen sollen sie, und zwar die Kirche als Institution, um den Schaden zu begleichen, die ein paar irrende Hirten angerichtet haben.  Da könnte man fast schon meinen ein weiteres Argument für die Diagnose vom Ende der Geschichte gefunden zu haben.  Nur die Herrschaften, die hinter der grand jury stehen, das sind alles andere als »absolute Ich« das sind die gleichen fürchterlichen Kleinkarierten, die sich als »gesundes Volksempfinden« über den Fehltritt ihres Präsidenten künstlich aufgeregt und empört haben oder die den Deutschen den Mut zur einmaligen Untat verliehen haben.

 

2343

 

...der Zeitgeist zu Pferde die »erste« Verschwörertheorie, die sich akademische Würden und staatserhaltende Erhabenheit erwerben konnte. Aus dieser Perspektive ist es durchaus nicht verwunderlich daß Dianetics ernst zu nehmende Ansprüche erhebt »ernst« genommen zu werden ... und in Bayern ist halt die Gegenreformation immer noch voll installiert, die sich gekonnt gegen alle im Wettbewerb stehende Verschwörertheorien wendet ... Exodus als Verschwörertheorie der Kreuztod als Verschwörertheorie und das ganze Durcheinander des Märtyrerunwesens ... heute nennen wir das den internationalen Terrorismus und niemand kommt auf die Idee die christlichen Urväter mit den modernen Störenfrieden auf eine Ebene zu stellen....

 

2344

 

Der liebe Gott, den sich die Menschen suchen, kann schließlich nicht besser als die Besten Köpfe sein, denen sie zu folgen versuchen...

 

2345

 

... Anstoß nehmen! Das ist der einzige Grund sich zu äußern ...
... wenn ich zum Beispiel Heinrich Heine's Lutetia lese, dann nehme ich natürlich Anstoß daran, wie er Napoleon verherrlicht ... dieser schreckliche Parvenu der so viel Eigenverdienst hat wie der »Künstler« Rothko: wo die Zufallsketten sich so verknoten, dass es aussieht als habe Einer für Alle einen Schritt in die »bessere Zukunft« getan Das Phänomen von Rothko's »Kunst« ist ja nicht das, was er auf die Leinwand bringt, sondern der soziale Effekt, den er erzeugt:  Wenn »wer« mitreden will, muß schon so tun können, als würde er Rothko »verstehen« ... begreifen warum der »wichtig« ist; Gewicht hat ... wie »Etwas« aus Nichts wird und sogar so aussieht als würde es »Folgen haben« [bloß weil sich wichtigtuerische Gefolgschaften um dieses Nichts versammeln ... ich weiß wovon ich rede: habe lange genug unter dem »Gewicht« der Wichtigtuer -- der Inhaber von Positionen die Kraft ihres Amtes tatsächliche Gewalt auszuüben vermögen -- »leiden« müssen] ...
... und wir haben ja ein schlagendes Beispiel dafür wie etwas ganz und gar einmaliges aus einem ziemlich jämmerlichen Nichts [denn nach allem, was die neuere Geschichte über den schreienden Österreichers zusammengetragen hat, war er ja doch ein Bild des Jammers] geworden ist: die einmalige Untat der Deutschen... ich bin ja auch ganz unschuldig auf die Feststellung eines positivistischen amerikanischen Pragmatikers, hereingefallen der mit nihilistischer Lakonik feststellte: Das Geistige ist der Soziale Effekt ... das stimmt eben nicht ... halt! ... stimmig ist es schon ... es ist sogar richtig ... wahr! ... im paradigm of the American World-Republic ... und genau diese Wahrheit ... die vom Teufel ist ... ist es ja, die die Muslim auf die Barrikaden treibt ... und nicht nur die Muslim ...
... wo bin ich denn da hingekommen:  »betr
ügerische Sirenengesänge« des lutherischen »Halb-Juden«, der vom absoluten Geist schwärmt und von Moses' persönlichem Gott ... but the truth of the American World Republic ... das hieße eben Picasso für einen »großen Künstler« halten und gar Bert Brecht [diesen »wirklichen Betrüger« diesen stalinistischen Amtsinhaber] für einen »großen Poeten« und after all ... ach da will ich lieber erst 'mal Schluß machen: die Verherrlichung des »Erfolgs« hat eben auch ihre Grenzen ... es ist politically incorrect bestimmte »Erfolge« beim Namen zu nennen ...
... aber was sind das erst f
ür Sirenengesänge, die unsere heutigen selbstdenkenden Selbstgötter veranstalten: im Vergleich zu dem Format eines Oskar oder Joschka und ihrer innerparteilichen Gegner -- die ja nicht nur das Los der Menschen verbessern, sondern gleich die ganze Welt retten wollen, das Erd-Klima beeinflussen, no less mit ihrer Einheit von Sein und Wissen in dem Gott zur Erkenntnis seiner selbst kommt -- da erscheint natürlich der Augsburger Bürgersohn, der stalinistische Amtsinhaber als ein Koloß ...
... und wenn das selbstdenkende Selbstgötterthum nicht Veranstaltung, mit allem drum und dran, ist dann ist es überhaupt nicht ... da müssen Ämter verteilt und Rollen übernommen werden und irgendwo ist immer auch die Frontbewährung, das Einsatzkommando nötig, wo die weniger erfreulichen Angelegenheiten erledigt werden müssen, wo man wahrhaft die Treue zur großen Idee beweisen kann. So erst wird man für beförderungswürdig empfunden ... der große Mann Napoleon hat das allen vorgemacht, die sich auf das Roß des Zeitgeistes zu schwingen trachten.
... irgendwo war eben auch der Heinrich, der Harry geblendet von der Idee der Veranstaltung, daß man sich produzieren muß um »wer« zu sein und wenn man sich erst 'mal darauf eingelassen hat, dann liefert man sich unvermeidlich der Claque aus und die ist ja zu den Pariser Zeiten Heine's erfunden worden zu einer Zeit als die Väter der American Republic noch ganz naVv an das Format des Thing des runden Kreises der gleichberechtigt gottesfürchtigen Selbstdenker glauben konnten den volonté general der Gemeinde zu finden ... sobald aber der soziale Effekt Ausfluß veranstalterischer Manipulationen wird, wird er auf schreckliche Weise Zufall.

 

2346

 

Gewissen, besonders wenn man von den Naumburger Drachen getriezt wurde und schon als Fünfjähriger die innere Ordnung zur Perfektion entwickelt hat, Gewissen ist eine tödliche Gewalt. Das ist es was in der Götzendämmerung offenbart worden ist.  Das ist es, was die Leidenschaft der Wortgewalt anheizte, mit der sich dass schrumpfende bißchen Ich gegen den Druck zu stellen suchte, der aus dem Wissen um Perfektion, sich gegen jede Handlungsmöglichkeit richtete ... Aus verwandtem Impuls erfindet Freud die Psychoanalyse, als Methode zur Enthemmung.  Und Margret Mead fühlt sich gedrängt, der puritanischen Welt der Gewissenssicheren zu erzählen, daß in anderen Ländern, andere Sitten herrschen und daß »deshalb« nichts zwingend ist, was sie als unzumutbaren Zwang für sich und »deshalb« auch für andere erleben muß.

 

2347

 

Ich bin mir nun ziemlich sicher, daß das was ich als körperliches Leiden empfinde, nichts anderes ist als die Nebeneffekte meiner seelischen Zustände. Die können nicht anders beschrieben werden als I lost my bearings... Zu begreifen, daß das keine moralische Verfehlung, kein Versagen ist, gehört zu den wesentlichen Grundvoraussetzungen meine Lage zu verbessern.  Dabei muß ich erkennen, daß alle Konzepte zur Definition von Siegen und Versagen fundamental moralisch sind.  Mehr als alles andere bestimmen sie die mores.  Die Kids die von ihren Eltern dazu gebracht werden schon früh Spitzenleistungen [to be winners] zu vollbringen sind nichts anderes als die new kids of the global village.  Das hat im show business angefangen ... und alles was zum show business gemacht werden kann erzeugt solchen Druck: »unsere« Steffi, »unser« Max Schmeling ...

 

2348

 

Das oberste Gebot, das sich herausschält in der Selbst-Gestaltung des global village ist das Erlangen freiwilliger Spenden, um diese Leistungen auch finanzieren zu können ... Das macht der Präsident der Vereinigten Staaten genauso wie der Papst. So alt ist das global village und so alt ist die wesentliche Frage nach dem was erlaubt ist.  Tetzel und die übrigen Ablaßhändler waren doch gar nichts anderes als fund raisers um sponsorship money zur Finanzierung einer spezifischen Form des Siegens zu sammeln: Und da kommt dann ein Sachse daher und mault 'rum:  »Ich gö[e]nnte ooch'n Siescher sein ...« Alles was darauf folgt, ist nicht etwa das Auffinden einer neuen Wahrheit, oder das Absichern einer alten, sondern die Zementierung der Grundlagen eines Siegens das als Methode die Welt revolutionierte.  Wenn es Luther wirklich um Seelenheil gegangen wäre, hätte er nicht die Thesen an die Tür genagelt.  Mit diesem Hervortreten an die Öffentlichkeit verhält er sich eben ganz genau so wie das allein um die Welt segelnde australische Kid und der gibt wenigstens noch zu, daß es ihm darum geht noch weiter hinauf zu steigen in der Karriere der prominenten off-shore racers ...
Can he get away with murder and still remain a winner ... Immerhin war es lange Zeit innerhalb der Grenzen des Erlaubten, da
ß Schwergewichtsboxer die Gehirne ihrer Gegner zermatschten und weltweit als Sieger gefeiert wurden ... Totale, endgültige Vernichtung des Gegners innerhalb des Rahmens des Erlaubten, das ist doch überhaupt das Ziel dem alle dienen. Genau das ist es doch was mich an den Neu-Edlen-Gut-Menschen die hinter Die Zeit, Der Spiegel, und natürlich vor allem auch der Taz stecken, als Autoren, wie als Leser, so empört:  Sie predigen eine Vernichtungsideologie, die der... der Nationalsozialisten in kleinster Weise nachsteht ... aber sie stehen halt diesmal auf der Seite des besseren Guten.

 

2349

 

Ghettobevölkerung in amerikanischen Großstädten:  Die amerikanische Gesellschaft hat beschlossen, daß das Leben eines Schwarzen, eines Ghetto-Kids weniger wert ist als der Schutz vor der selbstverschuldeten Drogenabhängigkeit der Mittelklasse.  Also versucht man vergeblich die Mittelklasse vor selbstzerstörerischen Handlungen zu schützen und das auf Kosten der freien Geschäftsentfaltung der Drogenhändler. Die müssen dann für die Sicherung ihrer Interessen selber sorgen, weil es kein Gericht gibt, das ihren Forderungen Rechtscharakter verleihen könnte. Daß die initiation rites bei bestimmten ghetto-gangs darin bestehen to murder at random ist nicht etwa der besonderen Schlechtigkeit dieser Klasse Mensch zuzuschreiben, sondern eine Konsequenz »der gesellschaftlichen Zustände« ... Sie sind zu villains gemacht, so wie ursprünglich das Wort entstanden und in dem Stundenbuch des Duc de Berry so eindrucksvoll dargestellt ist.

 

2350

 

Man glaubt das Schicksal des Menschen irgendwie in den Sternen verborgen und durch gründliches Nachrechnen enthüllt werden könnte.  Absolutely not ... Aber hinter diesem Glauben steckt eben doch eine tiefe menschliche Erfahrung. Es gibt Knochenfunde aus der späten Eiszeit, aus denen ziemlich eindeutig hervorgeht, daß die Menschen mit Sicherheit schon vor 30-40,000 Jahren sehr bewußt die Sterne als navigatorische Hilfsmittel nutzten. Wahrscheinlich ist das sogar schon viel älter, nur blieb es in den früheren Zeiten unter der Schwelle des bewußt planenden Verstandes.  In dem Moment aber, in dem die relativen Positionen der Sterne zueinander und vielleicht auch ihre jahreszeitliche Verschiebung notiert und für späteren Gebrauch festgehalten wurde, in diesem großartigen Augenblick der Entfaltung abstrakter Geistigkeit, entdeckt der Mensch, daß er Kontrolle über seinen Weg hat.  Wie weit sich die Horde auch vom Lager entfernen mag, sie hat ein Notizbuch in der Tasche, mit dessen Hilfe sie wieder zurückfinden kann. Diese Sternenmathematik liegt in unseren Vorbewußten so tief begraben wie die Erfahrung, daß man sich durch Kleidung gegen die Unbilden der Witterung schützen kann. Und so wie die Fähigkeit des Kleidermachens in die Idee pervertiert, Kleider machen Leute ... so pervertiert auch der Glaube an die Möglichkeiten der rationalen Analyse in Vorstellungen deren Verranntheit zwar im astrologischen Glauben sichtbar wird, der aber auch in viel alltäglicherem Glauben an die Möglichkeit vernünftigen Handelns schon keine Basis mehr hat. Aber das sind gerade die Situationen, wo es uns nach Sicherheit und voraussehbarer Entwicklung verlangt.

 

2351

 

Die »modern aufgeklärte Welt« hat immer noch Nischen für verschiedene Formen der divination, in denen die aus dem vor-bewußten Leben mit der Natur Erkenntnisprinzipien Noch überleben.  Es gibt nich nur side walk augurs, soothsayers,  die alten Mütterchen helfen, die Lebenspartner ihrer Enkel zu bestimmen ...  Ich war doch seit 1966 nichts anderes, als ein solcher Hellseher und Weissager.  Nur mit dem Unterschied, daß meine Methoden der Weissagung und Divination im Rationalitätsglauben des scientific mainstream verankert waren und mir ein sehr komfortables Einkommen verschafften, das es mir unter anderem auch ermöglichte mich so heraus zu putzen, daß ich das richtige Äußere zeigen konnte, das der Vorstellung des mainstream von einem Akzeptierten: Ich war »In«, auch wenn ich schon früh ernste Vorbehalte hatte, gegen alles was an diesem Ritual als die ausschlaggebende Rechtfertigung galt: komplizierte mathematische Formeln,  wahrscheinlichkeitstheoretischer Unterbau und eloquente Formulierungen ...I had to pay the rent. Also mußte ich mit den Wölfen heulen, auch wenn das in der Wertewelt vieler, die versuchen »selbst-bestimmt« zu sein, nicht gerade einen hohen moralischen Rang hat.  Seit ich [schon 1966] entdeckte, daß auch Systemtheorie, die Idee der feed-back loops nicht ausreicht, um rationale gesellschaftspolitische Modelle und überhaupt sozial- und geschichtswissenschaftliche Methoden abzusichern, habe ich eben bloß noch mit den Wölfen geheult so gut es ging.  Die einzige Hoffnung die mir blieb, war schon damals die, mein Leben so zu gestalten, daß ich eines Tages noch genügend Zeit finden und genug geistige Frische haben würde, diesen Problemen auf den Grund zu gehen.
...die grundsätzliche Nützlichkeit rationaler Analyse steht außer Zweifel, wenn man sich bloß vorstellt wie leicht Navigation geworden ist – schon seit Tycho de Brahe und Johannes Keppler...  Aber für mich war die Sache erledigt noch bevor ich mich ernsthaft um die rationale Durchdringung menschlichen Verhaltens bemühen konnte.  Rationale Systeme funktionieren nur, wenn sie ausschließlich von rationalen Wesen, die immer ehrlich und straightforward sind, bevölkert würden.  If we all had Kant’s brain & character we would be able to live in a world as conceptualized by Adam Smith and supplemented with the Ideas of John Maynard KeynesUnfortunately, the world is quite different -- actually it is a world in which rational an honest people are considered monsters or idiots
So einer war Alan Turing der das Konzept der artificial intelligence entwickelt hat, und hielt an dieser Idee bis zu seinem widerw
ärtigen Ende fest, obwohl er doch selber den fundamentalen Satz dafür, daß es so etwas nicht geben kann, formuliert hat.
Für mich wird in Turing sichtbar, was uns als einer der fundamentalen angeborenen Impulse nicht nur erhöht, sondern auch bedroht.  So wie das Kleidermachen leicht zur Mode pervertiert, so pervertiert uns, und gerade in unseren besten Vertretern der species das rationalanalytische Denken zum Geisterglauben:  Ja, wenn die Welt sich nicht ändern würde, und wenn die Umstände sich immer wieder gleich, und ohne Lüge, Täuschung und Irreführung in sozialen Beziehungen ausgestalten würden ... und wenn wir alle Kant's character & brains hätten, dann könnte man vielleicht für eine beschränkte Periode damit rechnen, das sich die Welt vernünftig ordnen läßt.
Dafür gibt es natürlich Beispiele: Für mich ist das vor allem das alte Ägypten ... Aber, wenn wir schon einmal bei der Astrologie sind, dann können wir auch da eine interessante Linie sehen.  Das was in der Steinzeit angelegt wurde, das wurde direkt zum Kulturfundament:  Dabei ist es wirklich außerordentlich aufschlußreich in welchem Maße und an wie vielen verschiedenen Orten und Zeiten, die Himmelsmathematik zentrale zivilisatorische Fundamente lieferte.  Die Priester Mesopotamiens und Mesoamerikas nutzen praktisch die gleichen kalendarischen Systeme um staatliche Ordnung abzusichern ... und wahrscheinlich sind die Monumente in Stonehenge aus der gleichen Motivation entstanden: Den öffentlichen Zwängen und unvermeidlichen Ungerechtigkeiten den Charakter einer vom Himmel diktierten Unausweichlichkeit zu vermitteln.

 

2352

 

wir sind jetzt tatsächlich am Ende aller Geheimnisse sind, und deshalb sich die Intelligenz von dem Grauenvollen [dread das Gegenteil von divination] des zeitbedingt Zufälligen lösen kannEverything is conditional probability and where you have decision making entities acting at some minimal degree of independence you will have a situation, in which events cannot be predicted and it cannot be decided in advance whether the outcome will be desirable or not. Wenn jeder Mensch nur eine einzige wirklich unabhängige Entscheidung während seines ganzen Lebens trifft, dann ist das in der Summe, und über den Verlauf von wenigen Generationen schon so viel unvorhersehbare Störung, daß es mir immer wieder wie ein Wunder erscheint, daß am Ende doch noch Ergebnisse herauskommen, die sich wenigstens dazu eignen Geschichten zu erzählen und »Geschichtswissenschaft« zu betreiben.

 

2353

 

Alles »Geschichten erzählen« und alles schön geordnete »auf einen Punkt bringen« gehört in den Bereich dessen was man »Lüge« nennen müßte, wenn es nicht so viel Spaß machen würde aus dem Wirrwarr des Geschehens das »Essentielle« heraus zu filtern. Alle »Erfolgsautoren« leben von der Kunst der Vereinfachung. Aber indem sie so vieles weglassen – und uns dadurch die Illusion vermitteln, wir würden »verstehen« was sich ereignet – schaffen sie doch nur Lügen-Geschichten.

 

2354

 

Das »nicht lenken und beeinflussen wollen« öffnet eine ganz andere Perspektive, die sehr weit weg ist von dem, was einem Manipulator überhaupt zugänglich ist:  Zusammenhänge begreifen und je mehr man sich ihrer bewußt wird, desto intensiver erleben, daß man sie nicht beeinflussen kann.  Der moderne Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler begreift gar nicht, und sieht auch keine unbedingte Notwendigkeit dafür. Er will die Welt verändern und nicht etwa, versuchen sie zu interpretieren, auch wenn er gar nicht Marxist sein will, sondern irgend eine »bessere« soziale Ordnung zu gestalten versucht ...ich bin so weit, daß ich Abwechslung brauche und mich noch einmal nach dem Sonnenstand zu orientieren versuche ... solange die Sonne scheint ...

 

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...was mich aufs Meer hinaus treibt: Minimierung der Chancen mit Peinlichkeiten konfrontiert zu werden. Sich nicht den Tag von anderen diktieren lassen.  Da gibt es zwar die andere Sorte, die mit großem tam tam auf sich aufmerksam zu machen versuchen, um Sponsoren zu finden, oder im Guinness Book aufgenommen zu werden, der kleinste der schnellste der Größte.  Dabei ist aber klar, daß eigentlich schon alles einmal irgendwie übertrumpft wurde.  Das können sie noch so schnell machen, den Slocum werden sie nicht einholen und selbst der war ein Spätkömmling.  Sir Francis hat sich ums Königreich verdient gemacht. Da kann man erst sehen, wie tief das 1965 gefallen war und da heben es keine Rekorde heraus und auch keine anti-europäische Politik. Mit der Adelung des Einhandseglers wird mir natürlich auch der Adel von Sir Karl und Sir Joseph mehr fragwürdig als ich das bis jetzt schon gesehen habe.
Der Machlup hat sich natürlich auf die Epistemologie von Sir Karl zurückziehen wollen. Ich habe mich damals aber schon intensiv mit der Ungeheuerlichkeit des Schweigegebotes von Wittgenstein herumgeschlagen, sehr wohl ahnend, daß es besser gewesen wäre, wenn Darwin und Mendel nicht erforscht hätten was dann bei den Machthungrigen, mit der Hundezüchtermentalität, unvermeidlich ins Unglück führen mußte ... Und das waren eben nicht nur die Deutschen. Der General Custer hat mit der gleichen Kaltblütigkeit Indianer abgeschlachtet, mit der die Herren von der Wilhelmsstraße sich als Einsatzgruppenleiter sich vor ihrem Führer auszuzeichnen suchten ...
Wie sich die Dinge im Untergrund verschieben, dort wo die Modelle nicht mehr greifen, darauf wollte die Princetonkoryphäe natürlich nicht eingehen.  Ganz und gar unbeabsichtigt, und auf der Suche nach dem was Cantor ins Irrenhaus getrieben hat, kommt Wittgenstein zu einer moralischen Aussage und damit ist er ganz und gar nicht allein. Das war eine der tragenden Säulen der katholischen Kirche als sie noch nicht von Nationalisten und Hedonisten in die Attitüde einer moderaten »Reformkriche« gedrängt wurde. Aber auch Leibniz hat sich, obwohl doch Protestant, diesem Schweiggebot in vielfältiger Weise unterworfen nach dem Motto »nur nicht die Pferde scheu machen« ... und sogar der späte Nietzsche, dieses Rebell »par excellence« gebietet, man solle den Jünglingen die den Göttinnen unter den Rock schauen wollen gründlich einen heiligen Schrecken einjagen.
Wovon man nichts weiß, darüber muß man schweigen.  Das klingt so schön einfach. Aber wenn man mit den pragmatischen Methoden der Wissenserweiterung vorgeht, dann wird das schnell eine billige Ausrede: Darüber habe ich nichts zu sagen, das fällt nicht in meinen Fachbereich, das überlassen wir am besten dem Herrn Professor Habermas und seinen Kommunikationsfreudigen.  Ich mußte erst den Charles Woodward kennenlernen und beobachten, wie der mit größtem Eifer jedem Paradigmenwechsel auf eine Art und Weise folgte, daß man meinen konnte er gehöre zu ihren instigators -- Aber schon vorher war mir truth by consensus mehr als nur suspekt: richtiggehend unheimlich.
Im Grunde erlebe ich selber doch gerade das Wirken von Untergrundstr
ömungen:  Ich kann mich darauf zurück ziehen daß die Frage der Fortsetzung der Therapie völlig meiner Kontrolle entzogen ist ... Zugleich weiß ich aber auch, daß ich schon von allem Anfang an die Idee hatte: »Wie komme ich da bloß wieder heraus?« Das ist doch die Not aller Sozialforschung, daß dort wo politisch gehandelt wird nur das was gerade paßt aus der Vielfalt der Entwürfe ausgewählt wird, und sobald unliebsame Forderungen sich aus dem Modell ableiten lassen, dann geht man andere Wege -- wie sich sehr schön bei den Diskussionen um das balanced Budget Amendment nachvollziehen läßt. Die Form des öffentlichen Diskurs, wo es um Macht, Kollusionen, und Vertragsbrüche geht, ist natürliche ein ganz anderer als der Habermas und Genossen im Sinn steht. Aber deshalb ist er ja auch Professor, der an die Wahrheit glaubt und nicht Politiker, dem es nur um Macht geht, Mach die allen Anschein der Legitimität trägt.
An C-Span ist eine sehr aufschlußreiche Diskussion über die Zukunft des CIA. Da ist eine Institution, die es sich vollständig zur Aufgabe gemacht hat Untergrundströmungen zu entschlüsseln, mit dem Ziel Gefahren abzuwenden. Aber der CIA leugnet natürlich mit allem Nachdruck daß er bei dieser Arbeit selber auch Gefahren schafft.  Damit habe ich ein Grundproblem der Unmöglichkeit die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft zu gestalten angesprochen ... So wie »nicht wissen« durchaus segensreich sein kann, so ist auf jeden Fall »nicht im Untergrund wühlen« eine Grundvoraussetzung dafür, daß die Dinge in der Tendenz eher bleiben war sie sind. Ich denke dabei vor allem an die Tschechen und Polen, die sich um 1900 in Paris und London Unterstützung suchten und nach deren Vorstellungen, dann auch 1918 und 1945 die Landkarte Europas gestaltet wurde.  Das waren durchaus nicht die großen Massen die das in Bewegung brachten ... eine Andeutung davon kann man bei Will Durant nachlesen, der in den 1940er Jahren auch der Lausitz Unabhängigkeit, oder zumindest Zuordnung zu Polen oder die Tschechei zubilligte: Auf so eine Idee muß man erst einmal gebracht werden.

 

2356

 

Wenn ich in Deutschland segeln will, dann werde ich eben doch »einen Schein« machen:  Da ist wieder einmal die hinterfotzig unfreiwillige Witzigkeit der verdammt deutschen Pastoren und Beamtensprache:  Einen Schein machen! Und das mit allem verbissenen Bierernst, dessen nur ein richtiger Deutscher fähig ist ... ohne, daß irgend jemandem einfallen würde, wie nahe der Schein dem Vorwand ist.  Und natürlich ist für die Herrschaften in den Yachtverbänden und den mit ihnen verkungelten öffentlichen Einrichtungen, der Schein der Vorwand, dieses Freizeitvergnügen so gut es nur geht exklusiv zu halten. Wer mit Unterliekstrecker und gieren zurecht kommt, der muß schon auch die Hürde des gegißten Schiffsorts überspringen können:  Maskerade der Schiffersprache -- und wenn man noch nicht einmal dazu gehören will, bleibt einem doch nichts, als sie mitzumachen, damit man nicht Gefahr läuft, von Bord geholt zu werden, weil man gesetzlich festgelegt Vorschriften verletzt hat, wo es doch niemanden einen feuchten Staub angeht, die »Freiheit der Meere« nach Belieben zu nutzen:  Aber man kann ja gar nicht da hinaus, wo die Gesetze nicht mehr gelten, weil man ja erst einmal durch die Küstengewässer schippern muß:  Das Vaterland weiterhin ein Konzentrationslager -- wer hinaus will, der muß sich schon ausweisen können.  Der Ausweis dazu da, daß man drin bleiben darf und nicht etwa ausgewiesen wird.

 

2357

 

Zwischen dead reckoning & most probable position und Positionsbestimmung klafft ein weiter Spalt:  Das Leugnen, die Unfähigkeit sich mit dem Unbestimmbaren abzufinden, und eben bloß mit dem bestmöglichen zu leben.  Was ich bestimme, das stimmt, basta! So etwas ist nurture of the worst kind.  Genau aus diesem Wissen habe ich solche Schwierigkeiten mit allen Welterlösungstheorien die Veranlagungen des Einzelnen leugnen und glauben mit wissenschaftlich fundierter und moralisch höher sehenden Erziehungsprinzipien, den Menschen »verbessern« zu können ...
Aus genau dem gleichen Grund, und auch wegen des Modecharakters und der Vorspiegelung der Einweihung consecration stoßen ich mich ja auch an dem Begriff des Paradigmenwechsels.  Der lebt in einer gefährlichen Form der Sicherheit. Wer nicht erleben kann, daß Positionsbestimmung immer guess work – und also in der deutschen Seglersprache »gissen« – ist, das sich zwar durch viel praktische Erfahrung absichern läßt, aber eben immer auch seine Portion Glück braucht, um auf das hinaus zu laufen, was man so gerne sichern möchte.  Und wer nicht Paradigmenwechsel auch als Katastrophe erleben kann, der lebt in einer naiven Scheinwelt, die, wie wir nun wirklich wissen sollten, nur allzuleicht in die Katastrophe führen kann. Wer mit gekonnter Eloquenz und Überzeugungskraft vom Paradigmenwechsel spricht, der weiß natürlich, daß er [und vor allem sie, die up & coming wissenschaftlich ausgerichtete Emanze], daß er zur Speerspitze der neuen Weltschau zählt. Aber diese neue Weltschau kommt zustande, daß man den Kompass und den Maßstab wechselt und danach das »Neue« mit dem vergleicht, was nach einem alten Maßstab bewertet wurde.

2358

 

»Nicht genug Zeit haben« ist ja in meiner Situation »absurd«:  Erst wenn ich mir anschaue, was das Gegenteil dieses Adjektivs ist, sehe ich das Gefühlsfeld auf dem ich hier wandle: »Sinnvoll« und »sinnlos« sind derart abgedroschene Zustandsbeschreibungen, daß mir selber nicht mehr einsichtig werden kann, daß hinter dem Sinnvollen ja eigentlich das klug Zusammengefügte, das vernünftig Gestaltete, das ansprechend Dargestellte und alles in allem klug, vernünftig und einsichtig Gelebte gefühlt, erwartet und tatkräftig in Erscheinung tritt. Zum Absurden gehört das, was hohl und nichtig [geworden?] ist, was schal und fade meine Zeit beansprucht, ohne mich anzusprechen und was in seiner geisttötenden Routine alle Lebensgeister absterben läßt. »Sinnsuche« ist so gesehen, Suche nach Reizen den Lebensgeistern einen Grund zu geben, und zwar einen der wichtig genug ist, alle Kräfte zu mobilisieren ...
Das Geistige ist der soziale Effekt. Erst im Verband mit Anderen, kann ich die Mobilisierung meiner Lebenslust vorbehaltlos erleben, als Begeisterung für eine Idee, aus der heraus sich alles Andere zusammenfügen kann:  Wenn es schon keine absolute Wahrheit geben kann, dann wollen wir doch wenigstens das Pfingsterlebnis als Dauerzustand fühlen können:  »in Zungen sprechen«. Wie viele Pfingstochsen laufen herum, mit dem Schaum von der allerletzten Wahrheit auf den Lippen,  der sich in den Ohren des Publikums als beredter Ausdruck des Zeitgeistes darstellt.  Zeitgeist, wohl, der aber jetzt und hier als das Einzig Wahre, alle Absolutheit für sich beanspruchen sollen, dürfen, kann, deren wir, in unserer menschlichen Beschränktheit, mächtig sind.

 

2359

 

In de Form des trespassing um deren Vermeidung man in der englisch-sprachen Version der Vaterunser betet und wo wir im Deutschen abstrakt substantivisch von Versuchung und Schuld sprechen wird eine grundlegend verschiedene Lebenshaltung sichtbar. Es ist ein großer Unterschied zwischen aktivem Tun & Lassen auf der einen Seite und passivem Unterworfensein unter Zustände, denen man sich nicht entziehen kann auf der anderen.  Versuchung und Schuld haben gar keine Bedeutung, weil sie nicht deutlich genug darauf bezogen sind, wie diese Zustände im zusammenleben mit anderen und mit sich selber entstehen können.  Das aber kommt gerade zum Ausdruck, in der, im Wort trespassing mitgetragenen Vorstellung der Grenzverletzung, der Überschreitung von  ..., dem Einbrechen in Interessesphären, Lebensräume von anderen. Nicht nur das trespassing bedeutet auch, daß ich mich selber davor zu hüten habe, meine eigenen Handlungsalternativen vor dem Einbruch schädlicher Einflüsse zu schützen; nicht so zu handeln, daß ich damit zukünftige Handlungsmöglichkeiten beeinträchtige.

 

2360

 

Die Idee von Voltaire, daß Candide in seinem eigenen kleinen Reich des perfektionierten Gartens glücklich und in Frieden leben könne, steht natürlich genauso auf tönernen Füßen, wie der gesamte aufs Allgemeine gerichtete Glaube der Aufklärer, der Welt mit Vernunft und Verstand und ohne alle »falschen Rituale« am besten beikommen zu können.  Nicht nur, daß man nicht allein ist, selbst wenn man in seinem backyard für sich zu sein scheint; denn es gibt ja immer Nachbarn -- vielmehr hat man ja doch immer wieder die kleinen und großen Widersprüche, aus denen man sich selber zusammensetzt. Der Nachbar kann mir ja eigentlich gestohlen bleiben, aber von den Konflikten, in die er mich versetzt, kann ich nicht ausweichen. Da beginnt etwas in mir zu bohren; denn ich habe ja schließlich selber schon erlebt, wie nervtötend dieses ständig hämmern in unserer neighborhood sein kann.

 

2361

 

Mein trailer ist eher ein Kunstwerk, als ein zweckvoller Gebrauchsgegenstand.  Beim Kunstwerk braucht man wenigstens nicht zu fragen, was es gekostet hat, und wie sich daraus ein vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis berechnen läßt. Ich kann nur hoffen, daß er wenigstens die Minimalleistung erbringt, die ihm zugedacht war, in dem beschränken Maße in dem er, innerhalb der Umzäunung der Whitehall River Marina, gebraucht werden soll. Aber als Kunstwerk fehlt meiner komplexen Konstruktion ein wesentliches Element, nämlich das, was ich dem Josef Beuys, dem Andy Warhol und anderen Fallenstellern und Taschenspielertrickexperten so giftig neide: Das Interesse des Publikums zu mobilisieren -- und auf diese Weise aus dem Nichts eine Geistes-That [sic!] zu gestalten. Was bei mir bloß Machwerk ist, das wird bei denen, die sich richtig zu verkaufen lassen wissen, zum Ausschöpfen des Brunnens des Unerschöpflichen.
Als ich 1966 Carin Neumann half die Diplomarbeit zu schreiben bin ich auf eine volkswirtschaftlich Dissertation [pub. ca 1960-63] gestoßen in der der ominöse Satz zu finden war, das Kunst das ist, was sich einem Marktwert zu verschaffen weiß, auch wenn es im Grunde genommen zu nichts nütze ist. Vincent van Gogh hat sich dafür das Ohr abgeschnitten -- weil er Stimmen in sich sprechen hörte, denen er mit seinen beschränkten Mitteln nicht gerecht werden konnte. Bruno Frey hat sich zusammen mit dem eifrig bemühten Pommerehne, Jahre später [ab 1973], als Originalgenie zu verkaufen gewußt, indem er mit dem Ritualinstrumentarium des Rechenpfennigs, dem Wesen der Kunst auf den Grund zu gehen trachtete. Was den Beiden völlig unzugänglich war, das ist das Unheil der Käuflichkeit:  Was scheinbar ganz harmlos als Schlangestehen vor Kinokassen oder als dezentes Ritual in Versteigerungshäusern zum Ausdruck kommt, das muß sich doch irgendwie auch in die Ökonomen-Mantra von Angebot und Nachfrage einfügen lassen.  Aber der demand and supply Zauberspruch beinhaltet eben auch das Element der Korrupten. »Den kauf' ich mir«, das ist auch Rache-Lust und die Absicht des Hinterhalts.
Die hinterh
ältige Käuflichkeit, venality umfaßt so ziemlich alles, was sich in anonymen Großorganisationen gestaltet, die in allen Lebensbereichen den Ton angeben:  Da kauft sich jeder jeden, ohne daß je ein Pfennig ausgegeben werden muß.  Anonym sind diese Organisationen gerade dadurch, daß peinlichst vermieden wird, dem einen Namen zu geben, was ihren eigentlichen Lebensgeist ausmacht ... Und damit wäre ich bei einem Thema, dem ich mich jetzt durchaus nicht gewachsen fühle. Mir geistern Wörter durch den Kopf wie »Blutorden + Botschafter am heiligen Stuhl« und »Frontbewährung« und die Frage nach der Beförderungspraxis im Spiegelverlag, und wie sich dort die Eiferer als Frontbewährer zu profilieren verstehen, und wie gerade das die Auflage hoch hält -- und also alle Glücklich sein müssen ... und dann sehe ich mich im neunten Stock des damals neuen IMF-Building’s pinkeln und Alan Whittome neben mir, erzählt mir von seinen Sorgen um die Zukunft der Welt, nachdem das Bretton Woods System zusammengebrochen ist und ich weiß, daß es ihm nur darum geht, seinen eigenen Kragen zu retten -- als der große Zampano weiter an der vordersten Front zu wirken:  Indem er andere aus dem Schutz des Grabens in die Feuerlinien schickt.
Da komme ich zurück, auf die Idee des klug Zusammengefügten.  Mein trailer ist zwar aus dem Blickwinkel der mir gegebenen technischen Fähigkeiten, und der verfügbaren Materialien, so klug zusammengefügt, wie es nur eben geht.  Aber er ist eben doch eine contraption ein ulkiges Ding, wie sie nur von Hinterhofingenieuren gestaltet werden können:  Mit einer Ernsthaftigkeit, ja Besessenheit, die »manchmal rührend« ist in ihrer Hilflosigkeit. Hoyle Schweitzer, hat durch »den Geniestreich« seines universal joint aus dem stand on sailboat, das in Popular Mechanics Jahre vorher vorgestellt worden ist, ein weltumspannendes Massenprodukt geschaffen, das als Gegenstand schon fast zum Kultobjekt mit Helden und Halbgöttern wurde: Dank des Erwerbsfleißes Auflagenhungriger Verleger.
Ich bin aber nicht nur aktiv als Hinterhofingenieur: Ich habe es mir ja zur Aufgabe gestellt aus Candide's Backyard Bericht zu erstatten, nachdem ich, wie er, die Not der Welt erlitten habe und mich nun frei von aller Unterwerfung unter irgendwelche venality-rituals erleben will. Aber ich sehe schon, daß auch diese Bestrebungen nicht etwa der Weg zu Wahrheit sein können, sondern mit aller Wahrscheinlichkeit darauf hinauslaufen nichts anderes als einen Ulk zu schaffen:  Und da habe ich dann auch schon »Giganten« vor mir, die vor, sagen wir 'mal, 120 Jahren ausriefen »nur Narr nur Dichter«.  Und alles was ich an »ernsthaftem Streben nach Ausdruck« noch in mir fühle, das ist seit mindestens 2,500 Jahren schon als Schulweisheit ausgearbeitet und in aller Form mit Zitaten, Quellen und Senken abgesichert.
Eigentlich wollte ich ja heute morgen versöhnlich klingen, und meine Position gegenüber der Kunst des Josef Beuys relativieren.  Das ist mir gestern abend eingefallen, als ich den Hund führte, den Mars im Sternenhimmel identifizieren konnte, und wieder vergeblich nach dem Polarstern forschte.  Das Geistige als der soziale Effekt ist halt einfach das was wir akzeptieren lernen müssen:  Aber ich bin doch gerade wegen meines Zweifels aus dem Wunschtraum, ein Musenjünger zu werden erwacht, weil ich in meinen Münchener Tagen, als die Schickeria noch Madonnen sammelte, einem sozialen Effekt ausgeliefert war, in dem Erfolg alles, das Geistige nichts, bestenfalls Arabeske, schlimmstenfalls grundlose Nörgelei war.  Wie blind ich damals war! Das was mir teen-Twen rebellious Nörgelei erschien, und von dem ich nicht wußte, daß es sich im Vorfeld der kommenden Studentrevolte abspielte, das ist heute staatstragendes Ideengut.
Der Beuys der war zu der Zeit noch eine obskure semi-ahndet, von der man nicht so recht wußte, was man mit ihr anfangen soll. Aber indem man [das Geistige als der soziale Effekt] in seine Ausdrucksformen Zeichen des Protestes und des sogenannten radikalen Bruchs mit der Vergangenheit hinein interpretierte wurde er zu Etwas, was an sich selber glauben konnte:  Jawoll [sic!] ich stehe für den, der ihr wollt daß ich es bin. Abstauber, der aus der Beseitigung des Staubs von tausend Jahren unter den Talaren, selber zum Halbgott sich erhöht, dem man, wie im Hamburger Bahnhof in Berlin, Schreine errichtet, wo er nun selber verstauben kann: Ikone einer Moderne, die längst zum Betätigungsfeld derer wurde, denen expediency alles rechtfertigt.
Und dabei war ja Beuys, und das ist meine vers
öhnlich Anschauungsweise, ein Gläubiger, ein »Echter«, der mit seiner verschrobenen Sichtweise, das Glück hatte einen Nerv zu treffen, wo die Reflexe der Zeitgeistes, plötzlich wie wohlkoordinierte Tanzschritte erscheinen.  Aber er hatte eben so viel Glück, wie der Koch Primo in dem Film Big Night Pech hatte, daß er mit seiner Kochkunst den Erwartungen der New Yorker auf Gaumenfreude, nicht entsprechen konnte.  Primos nemesis der Erfolgsrestaurateur von gegenüber ist denn auch die ins Bild gesetzte expediency.  Er kann, ohne dabei die geringsten Skrupel zu empfinden, sagen: I am a businessman, I can be anything to anybody ...
Man stelle sich nun den zum Politiker gewordenen Physiker vor, der von Brandt und Wehner das Handwerk der Politik im Nachkriegsdeutschland gelernt hat, wo es darauf ankommt Konsalnik lesende Kanalarbeiter mit denen unter einen Hut zu bringen, die ganz und gar Kontrastprogramm zu einer derartig »kleinb
ürgerlichen Spießigkeit« sind und deren Gottheit Tisiphone ist, auch wenn sie ihren Namen noch nie gehört haben.  Es ist zu vermuten, daß Herr Lafontaine den Begriff der expediency nicht kennt und doch ist alles, was mit ihm erfaßt, ist sein Lebensgeist: Die Kunst das tatsächlich Unvereinbare als eine kampfesmutige Einheit erscheinen zu lassen. Das ist dann der Rückgriff aus das tatsächlich Nichtssagende, als eines »Tiefen« und »Bedeutungsschwangeren« große politische Kunst.  Dort wo Johannes Goss bloß doof ist, in seinem Glauben »in« zu sein, wenn er in gewählten Wort für Mondriaan und gegen Turner argumentieren kann, da sind die wirklichen Macher raffiniert aus Instinkt.
Aber, so wie die Sprachreiniger, die das Wort Gottes aus seinem Mund in die Münder der mit kleinlichem Stammestreit befaßten Lokalmatadoren ihrer Zeit zurückverlegten, nicht unbedingt haben wissen mußten, daß sie damit eine Absicht und einen wohlumschriebenen Zweck anpeilten, so brauche ich den deutschen Lokalmatadoren überhaupt nicht zu unterstellen, daß das alles mit Absicht geschieht und mit dunklen Hintergedanken. Aber das was ich dem Physiker aus Saarbrücken zugestehe, muß ich dann ja auch billigerweise dem Schreihals aus Braunau gewähren -- und ein Gläubiger, Einer, der von bestimmten Grundvorstellungen zutiefst durchdrungen war - eben so, wie Primo der Koch und Josef der Fettfilzmonumentengestalter - war der zu allererst.
An dem werde ich nicht vorbei kommen!  Selbst wenn mir nichts an ihm liegt und noch viel weniger an den Geschichts-Aufarbeitern, die sich beruflich und politisch mit ihm befassen.  Das steht 'mal fest.
Viel weniger steht fest, wie ich heute mit meinem Projekt weiter kommen werde, denn der Wind der seit vorgestern wehte hat empfindlich kalte Luft hier her gebracht und ich weiß jetzt noch nicht ob ich da mit kalten Eisenteilen umgehen will.

 

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Die Aufgabe für den professionellen Hochleistungssportler Rollenbeispiel zu sein, wird von Modernen social engineering conceptualists sehr ernst genommen.  Die Erwartung der Bevölkerung, daß so ein Kicker das Bessere aus denen herausbringen könne, die ihn bewundern und ihm nacheifern wollen-sollen, ist einigemaßen überraschend aber offensichtlich weit verbreitet.  Daß jemand, der mit einer bestimmten Muskulatur- und Reflexstruktur beglückt ist, auch moralisch ausgezeichnet sein könnte, das ist so eine Erwartung, die mit einiger Sicherheit in die Irre leiten muß ... Vor allem aber gehört zu dem beispielhaften moralischen Verhalten eine lange Übung mit dem Hineinleben in die eher diffizilen Regeln des sozialen Lebens, für die diese Muskelmenschen absolut keine Zeit, aber im Zweifel auch nicht die Anlage haben. Diese Adrenalin-Testosteron-Sprudelquellen werden nie und nimmer männliche Gegenstücke einer Miss Manners werden können...

 

2363

 

Ich bin hier in meinem ganz eigenen Reich und meine Lust mich hier, so gut ich kann, meinen Ideenwelten hinzugeben, rechtfertigt jedes Verhalten, das anderen odd, absonderlich erscheinen mag. Ja doch, ich habe mich abgesondert. Dabei tu' ich doch niemandem etwas zuleide.  Na ja »abgesondert« ist vielleicht etwas übertrieben, einerseits nehme ich ja noch in großem Maße teil, an so vielem, was mich eigentlich nichts angeht -- und außerdem unterstellt das Wort eine Eigeninitiative, die ich in dem Maße gar nicht hatte: Ich habe nie aktiv den Entschluß gefaßt »in die Wüste zu gehen« um meinen spirituellen Kern zu entdecken.  Ich bin dazu vielmehr durch äußere Umstände gedrängt worden:  Das begann damit, daß uns »die Russen« auf die Insel Rügen verschleppten, und endete als ich es mit McLenaghan endgültig verschissen hatte, weil ich ihm das gewünschte Memorandum in sein Gegenteil verkehrt hatte, und alles dazwischen war [nicht vierzig Tage, sondern vierzig Jahre währender] Wüstenaufenthalt und Totemsuche.
Das erste Ereignis hat mich aus dem Paradies versto
ßen und das zweite hat mir, ohne daß ich es damals richtig erfassen konnte, den Weg geöffnet die Hölle zu verlassen, in der ich während dieser langen Jahre schmachten mußte ... Damit bin ich aber nicht »ausgezeichnet«.  Fas geht allen so, die meisten fühlen sich nur relativ comfortable und diesem Zustand und kommen auch gar nicht auf die Idee, daß irgend etwas anders sein könnte.  Seit vor 8-9,000 Jahren die ersten einigermaßen formalisierten sozialen Großinstitutionen entstanden lebt der Einzelne unvermeidlich in solchen Höllen der nahezu allumfassenden Fremdbestimmtheit. Nicht das Eigentum, nicht irgendwelche Göttervorstellungen, nicht die Rechtssysteme und die ihnen unterliegenden contract socials und Regierungsformen, nicht das was Max Weber mit dem »Beruf des Politikers«, dem »Beruf des Wissenschaftlers«, und allen anderen geduldigen Dickbrettbohrern zu erfassen suchte ist Ursache für diese höllischen Zustände. In dem Schritt zurück, der in der Totemsuche Jesu symbolisiert ist, wird doch sichtbar, daß man »nur in der Wüste« in der Absonderung aus diesen höllischen Bedingtheiten heraus kommt.  Und der humble Rebbe hatte keine anthropologischen Kenntnisse, die ihm hätten helfen können, zu erkennen was er da tat.
Ich habe die Ruinen des alten Philadelphia gesehen.  Die klotzigen Reste ehemaliger imperialer Verwaltungsgebäude in dieser, doch eigentlich eher peripheren Provinzkapitale, lassen spüren, mit welchem ungeheuren Anpassungsdruck sich damals der Einzelne hat auseinandersetzen müssen.  Bei allem Wohlstand, bei allen kulturellen Lustbarkeiten, wie sie so deutlich greifbar in den Ruinen des Amphitheaters sich auch jetzt noch nachvollziehen lassen, litt schon damals die zivilisierte Welt an der big void, die zu erkannt haben, wir als das große Ereignis des XX. Jahrhunderts zu sehen belieben.
Ich habe mich ja gestern mit der Idee des Absonderlichen und der Gefolgschaften, die daraus entstehen können herumgequält.  Das ist ein »rein Geistiges« und doch zugleich eine ursprüngliche Triebkraft, die sich in der »Formulierung« Gefolgschaften sucht. Das Lostrennen von der großen Herde ist durchaus kein menschliches Privileg, das sich auf Bewußtheit und auf ein Geistiges allein gründet.  Solches Lostrennen ist schon bei Bienenvölkern zu beobachten, denen man allgemein Bewußtsein völlig abspricht.  The big void ist nichts anderes als dieser Antrieb, herauszukommen aus dem Trott in den die große Herde verfallen ist: Neue Weiden finden und einen Neubeginn suchen, aus dem allein das Leben seine Vitalkraft sich erhalten kann.
Aber die etablierten Mächte entfalten gegen solche Impulse große Gegenkräfte. Mein Freund Michael hat mich das gut genug spüren lassen, indem er mich aufforderte, mich doch endlich 'mal dazu zu bringen, mich der Disziplinierung »richtiger geistiger Arbeit« zu unterwerfen. Zivilisation kann geradezu definiert werden als die Etablierung der Ausweglosigkeit: Selbst der Gottessohn, der nur durch Absonderung dazu werden konnte, wird als der gute Hirte dargestellt, als Einer, der sich der verirrten Schäflein annimmt. So gutmütig ist man in unseren Zeiten nicht: Wenn schlechte Noten und Drohungen mit reduzierten Beförderungschancen nicht helfen wollen, dann greifen Hohn und Häme:  »Da könnte ja jeder kommen!« Wenn es dann einem Andy Warhol gelingt, mit Nichts Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, wo Hohn und Häme nicht mehr greifen können, dann sind es gerade die Schadenfrohen, die auf so etwas hereinfallen:  «Es muß etwas daran sein, er hat meine Macht gebrochen!«

 

2364

 

Nurture versus Nature: Mir ist immer wieder unfaßbar, wie Origines, dieser Wichser, der seine Obsession durch Selbstentmannung überwunden hat, in meinen Gesichtskreis geraten ist:  Das ist ein Musterbeispiel von Osmose, von einem schleichenden Prozess der Einverleibung, über den der Einzelne keine Kontrolle hat.  Nur weil das Wenige, was ich von ihm und über ihn weiß, meine eigenen Konflikte und Krisenzustände widerspiegelt und sich eben nicht glatt, in meine Ideenwelt einfügen läßt, bin ich mir bewußt geworden, daß es diese, durchaus problematische, Figur gibt, und daß sie einen fragwürdigen Einfluß, nicht nur auf mein Denken, sondern eben allgemein, aber immer irgendwie durch die Hintertür ausübt.

 

2365

 

Die in provinzialen Egoismus verstrickten Vertreter der Idee der internationalen Verbrüderung der Besitzlosen und Entrechteten, darüber sind wir uns einig geworden, haben nichts mehr übrig von diesen Idealen, ob sie es wollen oder nicht, sehen sie sich von den Umständen gezwungen dem typischen Konsalnik-Leser [und damit dem Ur-Feind der 68er] politische Lösungen anzubieten die ganz genau darauf hinauslaufen, das zustande zu bringen, was Die Zweite Welt hat zerbrechen lassen.  Was Rau und Lafontaine im Sinne haben ist Breschnew-Politik in Reinkultur, sterbende Industrien nicht sterben lassen und mit der Umleitung knapper Mittel zur Erhaltung dieser Industrien, die zugrunde zu richten die noch eine Zukunftchance haben. Aber die Zukunftchancen deutscher Produktionen sind allein schon durch die Idee von deutscher Wertarbeit gefährdet; denn überall dort wo der Technische Fortschritt sich noch schnell entwickelt ist Wertarbeit -- und die damit notwendig verbundenen hohen Preise schädlich: Wenn mir Malaysia und die Philippinen Produkte zu einem zehntel des Preises liefern können, dann kann ich wenigstens damit rechnen, daß sie mir kaputt gehen, bevor sie technisch zum Uraltmaterial geworden sind [was für ein Ärgernis für mich, den Televideo PC und den NEC-Printer die noch in perfect working condition waren, auf den dump zu schmeißen].
Es gibt gar keine Die Zweite Welt mehr und große Teile der  Dritten Welt sind dabei in totales Chaos zu versinken – und so völlig aus der Welt herausgestoßen zu werden.  Aber darüber berichten die Medien nicht, die vollständig damit beschäftigt sind mir die Meinung türkisch-stämmiger Bergarbeiter zur gesamtwirtschaflichen Lage der Bundesrepublik darzubieten, oder, wie Dan Rather, mir die Übergewichtigkeitsrangskalenordnung [obesity ranking order] US-amerikanischer metropolitan areas vorzutragen, während sich in Zentralafrika blutige Stammesfehden und in Albanien das blutige Zusammenbrechen aller öffentlichen Ordnung zutragen.
Das Thema ist vom Tisch unabhängig davon, wie wichtig es für das Verständnis zukünftiger Entwicklungen sein könnte.  Das nenne ich einen, wenn nicht sogar den zentralen Regelungsmechanismus, den sich die Welt der instant information & participation gefunden hat. Weil es keine ernsthafte Auseinandersetzung über politische Grundsatzfragen mehr gibt, werden wir in ununterbrochener Permanenz über Anschuldigungen, insinuations und Vermutungen überschüttet, wie hochrangige Offizielle mit öffentlichen und privaten Geldern umgehen:  Halb Anklage, halb Neid ... das verkauft Zeitungen und macht TV-Medien attraktiv.  Und wenn aus der Gegenwart wirklich nichts mehr schauerliches zu berichten ist, dann wird schnell an den Holokaust erinnert und ein Hitlerbild aus den Archiven beigebracht.
In der Hauptstadt der Bewegung ist ja jetzt, mit finanzieller Hilfe von Jan-Philipp Reemtsma eine Nestbeschmutzungsaustellung er
öffnet worden, die diese Emotionen richtig ausbeutet. Da wird in aller Unschuld behauptet: hier wird zum Ersten Mal öffentlich gemacht, daß auch die deutsche Wehrmacht sich in die Schuld an der deutschen Einmaligen verstrickt habe.  Was dabei völlig vergessen wird, ist natürlich, daß das in den späten 40er Jahren und den verhaßten 50ern jeder wußte und jeder damals überglücklich darüber war, daß die Alliierten zu Nürnberg ihr Schuldzuteilungsurteil gefällt hatten, das es erlaubte einigermaßen unbelastet einen Neuanfang zu versuchen.  Dabei ist dann bequemerweise vergessen worden, daß großer Teile der Waffen-SS in den vordersten Kampflinien verheizt wurden, und viel zu kostbare erstklassige Kämpfer waren, als daß man sie zur »Aufräumungsarbeit« Hinter der Front hätte mißbrauchen wollen. Solche Aufräumungsarbeit ist den wehrunfähigen aufgetragen worden, die dann der Herr Goldhagen als die ganz besonders typischen Normaldeutschen glaubte identifizieren zu müssen und dann gleich noch eins drauf gibt indem er unverfroren behauptet, das Abknallen der Juden hätte denen ganz besonderen Spaß gemacht.
Wie spaßig der Krieg für die Deutschen wirklich war kann man wenn man will, aus den Zuständen der späten 40er und eigentlich hin bis zum Schicksalsjahr der mit der Gnade der späten Geburt beglückten, ablesen.  Und wenn man nur genau genug hinschaut, dann kann man sehen, was a nation in shell shock tut um diesen zu überwinden. Aber statt dessen wird kaltblütig behauptet ein Buch wie Strafbataillon 999 verherrliche den Krieg und rette wenigstens die Ehre des Landser.  Da war aber überhaupt nichts mehr zu retten.  Die habe alle mit dem Gesicht in der Scheiße gelegen und es ist die große Kunst des als Trivialautor verachteten Konsalnick, die Zustände des in-der-Scheiße-Liegens in der Roheit, in der sie sich dem Einzelnen dargestellt haben unbeschönigt darzustellen -- und wer eine eher geistige Seite der gleichen Zustände nachvollziehen will, der kann ja bei Peter Bamm nachlesen [aber auch der ist ja inzwischen »vom Tisch«]. Stunde Null war irgendwie für jeden angesagt und jeder der Beteiligten brauchte ein halbes Leben um mit der anderen Hälfte einigermaßen »ins reine« zu kommen.  Ich habe gestern abend gerade einen, immerhin erst 1980 geschriebenen, Ausbruch gegen die damaligen Zustände gelesen: Buchheim glaubte auch zu dem Zeitpunkt noch, es gäbe identifizierbare »Nazischweine«, die die Ursache aller Übel gewesen sei, und die Kinder dazu brachte in den Stahlkäfigen deutscher U-Boote gegen die Tommies zu kämpfen ... Da ist ein besonders Sensibler der auch zehn Jahre später noch auf eine Weise mit der Vergangenheit Umgang pflegt, die ihm den Vorwurf eingetragen hat, selber so ein Nazischwein zu sein. Mehr ist eigentlich zu diesem Thema gar nicht zu sagen.

 

2366

 

Die Wissenschaftler, die höhnisch von anecdotal evidence sprechen leugnen einen fundamentale Tatsache: sie selber und alles was sie Nobel-Preis-trächtig zutage fördern ist durch und durch selber Anekdote ... das wird weggefegt vom nächsten Paradigmenwandel, als wäre nichts geschehen ...

 

2367

 

Man kann Überdrußgesellschaft dadurch definieren, daß in ihr die einzige wahrhafte Bedrohung die der Selbstzerstörung ist...

 

2368

 

es fehlt mir eine Vision, so wie mir hier bei der Produktion von Texten eine Vision verloren gegangen ist, in dem Moment wo ich nicht mehr daran glauben konnte, daß es außerhalb von Schulenbildungen und Gefolgschaftssystemen irgend etwas gibt, was sich durch Ansammlung von Ideen und durch Herleitung eines geschlossenen Handlungsrahmens von selber tragen könnte.  Das ist eine viel schlimmere Einsicht als die – damals noch immer »mutig erscheinende« – Aussage „es giebt keine Metaphysik“ Das ist heute auf Konsensus-fähige Meinungen reduziert worden ... es gibt aber auch nichts, was ohne die Idee der Gefolgschaft ohne die Idee der Absicht »denen zeig' ich's aber!« die nötige Begeisterung hervorrufen kann, daß sich Geist so weit entfalten kann, daß daraus etwas selbst-reproduzierendes erwachsen kann ... der Geist der Λογον muß den sich selbst reproduzierenden Prinzipien der lebenden Substanz folgen wenn überhaupt eine Chance bestehen soll, daß etwas Bleibendes geschaffen wird.  Wenn also die Idee vom Paradigmenwandel eine Tragfähige sein will, dann muß sich das gewandelte Paradigma als Mutation, als Anpassung an substantiell veränderte Umweltbedingungen verstehen.  Jetzt erst kann ich den Satz, den ich vor zehn Jahren geschrieben habe: »Das schlimmste was einer Wahrheit passieren kann ist --- Prüfungstoff zu werden ...« erst richtig bewerten; denn in dem Augenblick wo eine Wahrheit Prüfungsstoff wird, muß sie als Wissen absolut gesetzt werden und wird damit der Möglichkeit einer modifizierenden Anpassung an Erweiterungen des Ausblicks entzogen... wie soll ich denn solche tiefen Einsichten so mit Leben erfüllen, daß ich sie liegen lassen kann und sie doch weiter wirken können ...wie soll ich denn von der Obsession zur Entscheidung, vom Traum zum Handeln kommen, wenn es mir doch eigentlich gar nicht mehr um Handlungen gehen kann

 

2369

 

Gretchenfrage, eine unangenehme, oft peinliche und zugleich für eine bestimmte Entscheidung wesentliche Frage (nach der von Gretchen an Faust gerichteten Frage ›Nun sag, wie hast du's mit der Religion?‹, Goethe, ›Faust‹, 1. Teil). Und natürlich ist des was zwischen Judt und mir sich abgespielt hat genau die Fragen nach dem woran ich glaube und ob sich das mit seinem abendländisch-aufgeklärten-Geschichts-wissenschaftlich-orientierten Weltbild vereinen läßt. Die Hamburger-Normen-Bestand-Bewahrer würden vielleicht in höhnende Häme ausbrechen, wenn ich publik machen würde, daß ich mich als faustisch Suchenden erlebe.  Aber weil mir das jetzt einfällt, zeige ich mir damit, daß ich doch nicht viel anderes will als »Anerkennung« finden

 

2370

 

...immerhin hat Napoleon den jetzigen Weltzustand vorausgesehen, als er auf St. Helena voraussagte, daß die Welt über kurz oder lang entweder ein russisches Gewaltimperium oder eine amerikanische Republik sein wird.  Jetzt, nach dem Ende des kalten Krieges sind wir so weit -- also doch Ende der Geschichte [ja! wenn es bloß keine Muselmanen gäbe und keine Chinesen] -- ... vielleicht hat Napoleon sogar vorausgesehen mit welcher Agonie der Selbstzerfleischung Europa aus der Geschichte ausscheiden wird.  Wie sehr wir amerikanische Republik geworden sind zeigt sich ja zum Beispiel an den Tragödien im Balkan -- Europa's Hintergarten, mit dessen Wirkungen ja der Untergang Europa's anfing, und zwar, wenn man Heine liest, dann war das schon um 1840 ein festgefahrener Prozess in dem sich die Europäer lieber selber vernichteten, als daß sie versucht hätten irgend etwas Gemeinsames zu gestalten -- und heute können die Europäer noch nicht einmal Ordnung im kleinen Kosovo schaffen -- nicht viel mehr als ein Landkreis mittlerer Größe. Bill Clinton muß nach Russland reisen und den Herren in Moskau die Leviten zu lesen und diese Herren brauchen Amerika's Unterstützung so sehr wie die Deutschen 1948, die Russen wissen das nur noch nicht -- an den Gedanken europäisches back water zu sein müssen die sich erst noch gewöhnen

 

2371

 

[...dem geologischen Begriff der Doline wo Oberflächengewässer verschwinden, steht im Englischen das mit relativ deutlichen Gefühlswerten geladene Wort sinkhole gegenüber, aber im deutschen finde ich keinen entsprechenden Begriff, der dieses absaugen von Lebensenergie, dieses verschwinden von geistiger Tragfähigkeit angemessen fassen würde]

 

2372

 

.... und doch bin ich allein dadurch, daß ich mich mit dem Begriff des Geistigen auseinandersetze, Platoniker ... Einer der sich dagegen wehrt, die Welt als den Hubble-Einstein'schen Luftballon zu erleben in dem es weder Ewigkeit gibt, noch Unendlichkeit, noch ein irgendwie geartetes Absolutes.  Ein Gläubiger, der nichts mehr glaubhaft finden kann. Und nirgendwo läßt sich das deutlicher erfassen als in diesen beiden kosmologischen Modellen. Das Geistige, auf das ich am Boulevard Léopold gewartet habe, diese Muse, die mich küßt und mit diesem Kuß in den Mittelpunkt des Universums als eines ewig Endlosen versetzt, das suche ich im Grund noch immer: Und ich habe ja mit der Idee der Unendlichkeit nach allen Richtungen einen Ansatzpunkt, wo mein bliss-point, mein aus einem Geistigen im Hier und Jetzt [das sich aber auch um das Katzenklo, die Geschirrspülmaschine -- und ja sogar um die Einkommensteuererklärung -- kümmern kann] geformtes Ganzes ist.  Nur weiß ich eben inzwischen auch das Bild zu schätzen, das uns der Forschungseifer aus dem Weltraum erbracht hat, wo die richtige Interpretation verwaschener winziger Lichtflecke auf hochempfindlichen Photoplatten, zu dem unausweichlichen Schluß führt, daß das Universum in dem wir leben, ein von Krisen und Katastrophen geschütteltes ist in dem mit unvorhersagbarer »Regelmäßigkeit« Galaxien ineinander stürzen und in diesem Vorgang »schwarze Löcher« in einander stürzen: wo Nichts mit Nichts sich vereint und dabei ungeheure Energien freisetzt.  Luzie und ich jeder mit seinem eigenen bliss-point beschäftigt und doch aus unausweichlich vereint: Wo bleiben denn da nur die freigesetzten Energien?

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...die seit der Mitte des XVIII. Jahrhunderts aus dem Geiste der Aufklärung lernten systematisch zu zählen, wie Wortfolgen den Sprachverlauf bestimmen und dabei unausweichlich zu dem Schluß gedrängt wurden, daß es sich um ein inkonsistentes Sammelsurium widerstreitender Ideen handelte, die sich aus ganz verschiedenen Quellen speisen:  Dabei steht natürlich der Glaubensatz der Aufklärung im Hintergrund, man könne, im Gefolge von Laplace, die Welt an einem einzigen Punkt erfassen und aus ihm alles andere erklären: Napoleon hat das »erfolgreich« zum Motto der politischen Tat umfunktioniert.  Im Gegensatz dazu halte ich alles was sich um die Literaturkritik die seit 1965 Furore macht, für reine politische Agitation.  Dort wo die alte Tradition der wissenschaftliche Sprachanalyse, mit dem Ziel arbeitet, ein stimmiges, und aus sich selber heraus »wahres« System zu gestalten, dort will heute unter dem Schleier des wissenschaftlich Erwiesenen, Etwas, was sich seiner selbst durchaus nicht sicher sein kann, »Tatbestände« nachweisen, und damit selber zur Tatsache werden.

 

2374

 

 »ausdrücken« klingt so gequetscht und gequält, daß es nun hier her gar nicht mehr passen will -- wie weit ich mich »mitteile« das wird sich noch zeigen ...»artikulieren« »formulieren« paßt mir auch nicht; denn es ist ja mein ganzes Bestreben, das Formelhafte aller Kommunikation, das Hineinzwängen in die Ritualisierungen der Sprachregelung zu überwinden; »abfassen« erinnert mich allzusehr an das im IMF und anderen Großinstitutionen gepflegte drafting ... und überhaupt, alles was ich zu fassen kriege zerfließt ja doch in neue Einzelelemente, die sich, wenn ich ihnen folge, immer wieder aufs Neue verflüchtigen: Abfassen kann man nur, wenn ein Anderer die Richtlinienkompetenz hat, und so bestimmt unter welchen Gesichtspunkten ein Zusammenhang dargestellt werden soll ... Das ist ja das wunderbare an der Bibel, das sind Vorgaben, die alle Aspekte des Lebens irgendwie erfassen, und auch seine innere Widersprüchlichkeit:  Wenn man sich unter Gottes Wort stellt, dann hat man keine Not das Dasein zu fassen zu kriegen, ohne sich der ungeheuerlichen Beliebigkeit des Paradigmenwechsels auszuliefern ...

 

2375

 

 ...ist es nicht interessant, daß Jesu Weg zum rein Göttlichen, in dem 40 Tage Aufenthalt »in der Wüste«, in allen Details der Totemsuche der Steppenindianer entspricht. Das ist also eine ur-menschliche Veranlagung, die keineswegs nur diesen Einen auszeichnet:  Wie anders könnte es auch sein; denn wenn es eine absonderliche Verhaltensweise gewesen wäre, wäre sie längst aus dem Kanon der geheiligten Verhaltensweisen getilgt -- niemand wäre davon angesprochen worden und es geht ja bei allem was sich um diese »biblischen Geschichten« rankt, primär darum Gefolgschaften zu schaffen, einzeln Vereinzelte auf einen Nenner zu bringen. Und gerade darin sehe ich ja das eigentliche Problem aller höheren Literatur: Rattenfängerpfeifen.

 

2376

 

 Aber wir sind dabei natürlich geblendet, weil wir uns nur an die »Erfolgreichen« erinnern: Napoleon und seine Generäle -- Der Beförderer und die Beförderten ... Jeder der dagegen argumentiert ist von vorn herein unter dem Verdacht ein looser zu sein, einer, der es nicht geschafft hat, sie so zu profilieren, daß er zu denen zählt, »mit denen man rechnen muß« und die »Geschichte machen« ...  Aber ich hatte ja hinreichend Zeit, und war nahe genug 'dran, mir die Ärsche anzuschauen, die Geschichte machen.  In den allerbesten Fällen ist das ursprüngliche und überschäumende Vitalität, die genug Intelligenz besitzt zu antizipieren, was es morgen heißt, mit den »Wölfen zu heulen« und da fallen mir gleich ein paar Gestalten ein: die Teresa Ter-Minassian [so eine Type hätte zu Zeiten Ludwig XV alles daran gesetzt eine Kurtisane zu werden, wo sie vielleicht eine größere Chance gehabt hätte, in die Geschichtsbücher einzugehen, als Stellvertretende Abteilungsleiterin im IMF], die Burke Dillon und der Alan Whittome -- und natürlich der Koloss der in Bonn den Bundeskanzler darstellt, dieser Sumo-Ringkämpfer der Politik, der blendend davon lebt, daß man ihn für einen Minderbemittelten hält.  Solche Fleischwerdung des Willens zur Macht ist Naturereignis und hat durchaus nicht mit Verdienst, ja noch nicht einmal mit Leistung zu tun. Der Meisten, die solche Energien in sich walten fühlen, bleibt nicht viel Anderes als ihre Ehefrauen zu verhauen.

 

2377

 

Das Gegenteil von obsession ist indifference, disregard und das wäre ja irgendwo das Ende meines Seins und Denkens

 

2378

»When bad things happen to good people, dann fühlen wir uns herausgefordert uns zu politischen Aktivisten zu machen und diesen guten Menschen zu helfen.   When good things happen to bad people -- dann wird man Moralist und sieht die Zukunft der Menschheit fundamental bedroht.  Das Böse kriecht in alle Schleifen Falten Muster und Strukturen des sozialen Gewebes ein und wird durch den Erfolg geheiligt un zur guten Tradition  - Im Extremfall wird der tyrannische Vater zum Vater im Himmel und rechtfertigt so alle väterliche Tyrannei als das Geheiligte...

 

2379

 

Das Besondere muß aus dem Humus des Gewöhnlichen herauswachsen.

 

2380

 

Die grundsätzliche Frage, die man an die moderne Leistungsgesellschaft stellen kann ist die schlichte Frage, was ist denn so besonderes an den durch Markt- und Wahlerfolg erworbenen Positionen in der Gesellschaft?  Welche Rolle spielen Promis und die Glitterati in dem, was wirklich wesentlich ist am Leben: Reproduktion, und Erhaltung der Lebenslinie die den Einzelnen an den Anfang knüpft? Besteht denn überhaupt ein Zusammenhang zwischen Herrschaftsgelüsten und Reproduktivem Erfolg?  Ist das, was Stellungen wie Präsident, Professor, Sport-, Rock-Star und Generaldirektor darstellen, wirklich der Gipfel des Daseins, oder nur etwas, was sich "Caucasian white males"  – jetzt von "Caucasian white females" herausgefordert – als Spielwiese erfunden haben? Ich kann mir zu diesem Thema mein eigenes Verslein machen. Ich weiß was Statusneid ist, und wie der Einen zerstören kann, wie er Einen blind machen kann für die Freuden des Lebens ... den Sinn ... und Überhaupt.

 

2381

 

Der Weg der Tugend ist mit den Steinen der unbequemen Erkenntnis gepflastert und vom Schweiß der mühsam-bemühten logischen Durchdringung aufgeweicht...

 

2382

 

Alle Versuche das Leiden aus der Welt zu schaffen pflastern den Weg in den Untergang

 

2383

 

Trotz aller Beschwörungen des Gegenteils ist nicht die Liebe sondern der Haß imstande die größten und dauerhaftesten Energien im Menschen zu entfalten. Wenn du willst, daß sich dir deine besten Männer opfern, mußt du nur ihre Emotionen aufheizen und zum Kochen bringen: Ganz sicher nicht in Liebe kochen, sondern im Haß, dem nur eine eindeutige Richtung gegeben werden mußt: Dort ist der Feind. Was verächtlich Massenpsychologie genannt wird hat seinen humusreichen Grund in der Natur des Menschen.

 

2384

 

Ich spreche aus dem Hohlraum, den Russell & Genossen zum Fundament der Moderne erhoben haben:  Kein Wunder übrigens, daß Boris Becker sagen kann: Nichts ist schöner als siegen.

 

2385

 

Zur „falschen Realität“ kommt es dadurch, daß wir über die erste Annäherung zum Verständnis der Dinge hinausgehen, um neue „bessere Realitäten“ zu schaffen: ……die Taubenzüchter-Idee von der Entwicklung der Hausrassen, war eine gute erste Annäherung aber als Idee von der Entwicklung des Lebens im Allgemeinen und der des Menschen im Besonderen wurde diese schlichte Idee zum Zweck der Gestaltung neuer Realitäten gebraucht: Ohne Darwin hätte die Realität sonder gleichen: »……Auschwitz« nicht geschaffen werden können.

 

2386

 

 Der „falsche Glaube“ an irrig konstruierte Realitäten, die wir uns als besonders wünschenswert vorstellen wird dadurch fatal, daß wir tatsächlich falsche Realitäten schaffen können, die sich aus „völlig harmlosen“ vereinfachenden Annahmen herleiten lassen und damit auch noch die Illusion vermitteln die Realisierung [Implementation] solcher „neuer verbesserter“ Realitäten sei einfach.

 

2387

 

Wenn S wie Freud und seine Papageienschar meinen S Bewußtsein nichts anderes ist als frustrierte Sexualität, dann fragt es“ sich wer oder was dieses Bewußtsein besitzt: Offensichtlich nicht ich“ auch wenn mein Stolz das von mir verlangt: Ein bestimmendes Grundprinzip der lebenden Substanz sucht seinen Ausdruck in mir und dabei geht es gar nicht um mich weil ich von der Sexualität als Getriebenheit des es“ ebenso überrascht werde wie von der Tatsache; daß ich damit einem eminent sozialen Impuls unterworfen bin in dem sich das es“ in mir auf das „es“ im Anderen hin sehnt und dabei einer unendlichen Fülle von Vor-Urteilen ausgeliefert ist.

 

 

2388

 

Ich habe wieder ganz außergewöhnliche intellektuelle Träume gehabt.  Träume, die mir Hoffnung geben, doch noch etwas zustande zu bringen, was festzuhalten sich eigentlich lohnen sollte. Aber die jetzt einzufangen ist mir dennoch nicht möglich. Das ist so fein ziseliert, das jeder grobe Versuch in Stichworten festzuhalten was ich sah, das was ich sah von vorn herein zerstören würde.

 

Auf jeden Fall brauche ich Ruhe, und stille Gelassenheit ist das einzige, was mich dem näher bringt, worauf es wirklich ankommt.  Ich bin nicht genug Egoist – oder sollte ich sagen: Egomane –, um nicht von dem, was um mich herum geht aus dem Gleis geschoben zu werden.

 

Vieles von dem was sich mir darstellte hat sich in Wortspielen ausgedrückt. Wortspiele die auf den ersten Blick krankhaft sinnlos scheinen, die aber, wenn sie sich entfalten können, wie Türen in eine neue Wirklichkeit wirken.

 

Ein Bild ist noch hinreichend klar.  Ich sehe den Doktor der Volkswirtschaftslehre, wie er ökonometrische Modelle baut.  Das ist ein Akrobaten—Kunststück, die Gleichungen so auf die Punktewolke zu setzen, daß der Anschein eines robust-stabilen Bildes aufscheint. Blind bleiben gegen die leichten Strömungen, die die Wolke der Meßpunkte weiter tragen.  Balancieren und das Ganze leicht verschiebend weiter tragen.

 

Eigentlich wollte ich gestern schon davon berichten, daß ich eine TV-Sendung über den Aufbruch Chinas und Indiens in eine neue Zeit gesehen habe.  In dieser Sendung sind die Berichterstatter nicht, wie der Journalist der Zeit, geblendet vom eigenen moralischen Vorurteil gegen den Staatstotalitarismus.  So können sie sehen, wie sich die Gesellschaft bewegt, wie sich neue Strukturen entwickeln und wie Schaffenskraft tatsächlich zum "Erfolg" führt: Am Einzelfall zeigen, wie Einer reich wird, indem er Bedürfnisse befriedigt, die künstlich unterdrückt wurden:  In Schanghai war es Einer, der vor 15 Jahren damit anfing bunte Kleider an den Markt zu bringen.  In einem gottverlassenen Nest in Indien hat Einer damit begonnen TV-Schüsseln zu basteln, die auch wirklich funktionieren: Jetzt produziert er 2,000 Stück im Jahr.  Die konsumorientierte Mittelklasse Indiens umfaßt anfang des XXI. Jahrhundert 150,000,000 Menschen, die auch ausreichend Kaufkraft haben, sich die Konsumgüter zu kaufen, mit denen wir in den selber die neue Massengesellschaft geschaffen haben, das sind mehr Menschen als in Deutschland und Frankreich zusammen.

 

"Erfolg" ist so ein Wort, das wie aus meinen Wörtertraumspielen heraus gesprungen ist.  Das bezieht sich nur auf die Träume, die viele haben und die sich nur für die wenigen zur Realität ausgestalten können.  Der Sprung von diesem Einen Glück auf die Wohlfahrt aller bleibt uns verschlossen, wenn wir nicht sehen können woher die Energie sich speist, die das Ganze in Bewegung hält.

 

Diese Energie kommt sich nicht von dem moralisierenden herum-mäkeln von "guten Menschen", denen es gar nicht auf die Schönheit des Besitzes ankommt.  Indien ist dafür ein Musterbeispiel.  Von den Engländern haben sie, die Inder, eine links-orientierte Beamtenschaft geerbt, die sich vor 50 Jahren daran machte eine Zuteilungswirtschaft zu schaffen, in der "Allen" das notwendigste garantiert wurde: Waschmaschinen gehörten nicht dazu; denn es gab eine Kaste, die für jeden der es sich leisten konnte, die Wäsche wusch — Waschmaschinen würden eine ganze Kaste zerstören, also waren sie schädlich und deshalb nicht im sozialistischen Produktionsplan vorgesehen  …Mit der Einrichtung von Spülklosetts wurde ähnlich argumentiert, weil es ja Hunderttausende gibt, die jeden Morgen die menschlichen Ausscheidungen einer guten Verwendung zuführten.

Der Zusammenbruch des hegelschen Denkens in Gesamtheiten, der hinter dem Zusammenbruch der Sowjetunion steht, der ist noch lange nicht ins Bewußtsein der Menschen eingetreten.  Die im Spiegel, die in der Zeit die in den hohen Schulen von Harvard und Colombia University argumentieren fühlen sich noch lange nicht in Frage gestellt.

 

In der NZZ hat im Dezember 2002 eine glänzend formulierende Dame die Kulturpolitik der republikanischen Partei der USA, unter der Führung von Newt Gingrich verdammt.  Voller Verachtung berichtet sie über das niedrige Niveau dessen, was bleiben würde, wenn die öffentliche Hand ihre stützende Teilnahme von der artistischen Produktion wegziehen würde. "Die Amerikaner" produzieren doch nur Talmi und schwachsinnige Unterhaltung und sind vernagelt gegen Höheres: Was die Dame und mit ihr viele intelletualisierende Europäer nicht ahnen das ist die Tatsache einer wirklich multi-kulturellen Gesellschaft in der eine ins Unendlich reichende Vielfalt schöner geistiger Gestaltung gelebt wird:  Wer weiß denn schon vom  revival of Klezmer Music? Wer kennt die unendliche Vielfalt der spiritual movements  die Tiefen erreichen wie sie das Abendland – seit dem Ende der hellenistischen Kultur im Einheitsbrei des von Augustus geschaffenen Imperiums – nicht mehr gesehen hat.

 

Diese Töne unbegründeter europäischer Kultur-Arroganz kann man, bis zum Kampf zwischen Kaiser und Papst am Beginn der Renaissance am Hofe Friedrichs, zurückverfolgen und findet sie immer wieder als Instrument der Herrschaft – so wie es die Leit-Kultur-Diskussion in Bayern und anderen Teilen der Republik offenbart... Die Karrierestützenden Verquickungen, die in Europa die Kultur-Beamtenschaft – dazu zählen die Hämischen von Hamburg, die zum Beispiel in »Die Zeit« und »Der Spiegel« eifernd Beuys und seine Epigonen als die einzig wahre Bildende Kunst verhökern – mit den paar ausgewählten Kunstschaffenden verschwägert und in unselige Ent-Individualisierungen erstarren läßt, die darf man da nicht sehen.  Daß in Film, Musik und Literatur die englischsprachige Produktion praktisch schon Monopolcharakter angenommen hat, das darf man sich nicht eingestehen:  Nur das Schaffen des Herrn Brecht steht unerschüttert auf den Lehrplänen deutscher Ober-Schulen – ohne „Mutter Courage“ kein Abitur.

 

Das hegelsche Denken hat dazu geführt, daß es viele gibt, die glauben, man könne „These“– „Anti–These“ – „Synthese“ »machen«.  Alles was bei solchen Macher-Manipulationen heraus kommt ist aber nichts anderes als eine mehr oder weniger perverse Form des "konservierens" die als Progressive Politik daher kommt.  Nirgendwo ist das so deutlich wie in der europäischen Kunst-Auffassung, ganz besonders der deutschen, die noch dazu unter dem Einfluß der zwanghaften Aufarbeitung des Schreckens von der Verfolgung "entarteter Kunst" steht.  Deshalb wird "DaDa" und was darum herum geschehen ist immer noch dieses Vor-vorgestrige Bürger-Verschrecken als die Vor-Front von avant-garde angesehen …den Bürgern und dem bürgerlicher Geist wurde ja  schon auf den Schlachtfeldern vor Verdun ihr letztes Lebenslichtlein ausgeblasen.

 

Indien ist kaum in Gefahr unter die Dominanz von Hollywood zu fallen.  Die haben ihren eigenen Kitsch. Das ist aber auch der Nährboden auf dem das weniger Populäre sich entfalten, sich eigene Formen schaffen kann.

 

Der Wahn Alles müsse sich auf höchstes Niveau erheben, das ist die Ursache der post-hegelschen Erkrankung der Intellektuellen. Die Bekämpfung der Armut und die Förderung höchster Kulturleistungen stehen da auf der gleichen hoffnungslosen Ebene.  Daß das Besondere aus dem Humus des Gewöhnlichen herauswachsen muß, das ist dieser Art der Progressiven ein unerträglicher Gedanke. Könnte das vielleicht daran liegen, daß sie selber wissen, sie haben nicht das Zeug dazu etwas Besonderes zu schaffen, daß sie in einem undefinierten Niemandsland zwischen den Erbärmlichen und den Wenigen angesiedelt sind und immer in Gefahr n den Sumpf abzusinken ...

 

In dem Maße in dem menschliche Glücks- und Unglückszustände kulturell- und umweltbedingt sind ist natürlich auch das was angeklagt wird die Schuld und das Versagen derer, die da Anklagen; denn sie sind ja als Lehrer und als Meinungsmultiplikatoren diejenigen, die überhaupt die Kultur bestimmen: Linke Lehrer und Professoren, die besonders lauthals klagen, wollen nur nicht ihr eigenes Versagen eingestehen.  Anstatt kulturprägend zu wirken werden sie zu bloßen Experten der Schuld-Zuweisung ... auf andere deuten, um von dem eigenen Versagen abzulenken.

 

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2389

 

Seit der „Entdeckung“ des Paradigmenwandels durch  Professor Kuhn fühlt sich alle Welt berufen, sich als Vordenker und politische Aktivisten zu entfalten Vielleicht war es schon der wackere Sachse, der das absolute Ich und nach ihm der brave Schwabe der den absoluten Geist unters Volk gejubelt hat. Der Zweck dieser Seite ist es zum Nachdenken einzuladen und keinesfalls zu irgendwelchen irgendwie gearteten Aktionen, Handlungen und politischen Zusammenrottungen aufzurufen.  Alle Links und Verweise sind deshalb mit dem Vorbehalt gemacht, bloss zu zeigen was es alles ist, was sich Vordenker so vorstellen, die Welt zu verbessern...

 

2390

 

 instinctus naturae

 

 

2391

………die neuesten Entwicklungen der "modernen Seelenforschung" gegeben wird, in dem vor allem die Publikationen der Naturwissenschaflter und Mediziner berücksichtigt werden. Für mich ist das eine Aufforderung zum intensiven Studium, was mir ohne weiteres möglich sein wird, weil der größte Teil des referierten Materials im Original in Englisch veröffentlicht wurde.

 

Auf den ersten Blick muß ich aber diesen Übersichtartikel1 als eine Katastrophe persönlicher Art ansehen. Denn alles was da gesagt wird, habe ich selber schon genau so gedacht und so gut ich konnte in meinen täglichen Notizen festgehalten.  Nun ist mir die Priorität für meine Gedanken gestohlen worden. Obwohl ich doch originäre Ideen2 hatte, kann ich doch nicht auf irgendwelche Anerkennung für das finden, was ich mir so mühevoll abgerungen habe.

 

Aber das ist eben nur der erste Blick! Was ich mich in den vergangenen Jahren immer wieder gefragt habe, das drängt sich mir jetzt aber mir einer viel größeren Intensität auf: "Woher kommt denn mein Wissen, was betrieb mein Eindringen in diese finsteren Welten der unerschrockenen Befragung der Selbstfindung?" Ich habe an einem Dialog teilgenommen, der gar nicht stattfand, ich war eingeklinkt in ein kollektives Bewußtsein, in dem sich Einzelne unerschrocken schmerzliche Grundfragen stellen und um Antworten ringen, die nicht aus irgendwelchen Traditionen, nicht aus dem Wabern des kollektiven Unterbewußten gespeist sind. Wäre es möglich, daß es über dieses kollektive Unterbewußte hinaus -- anima -- einen Seelenhauch gibt, der sendet und empfängt, wenn man sich nur hinreichend hingibt an das was sich als die akuteste Frage der Zeit aufdrängt.

 

Christof Koch und Francis Crick betrachten das Bewußtsein als ein raumzeitliches Muster neuronaler Aktivitäten, die den Gesetzen der Theorie komplexer Systeme gehorchen.  Im Bewußtsein sammeln sich die in der gesamten Evolution angesammelten Erfolge mit Prozessen der Selbstorganisation. Es ist [sage ich] der vorläufig letzte Schritt der Evolution, die zu dem Schluß gekommen ist, daß sie sehend werden muß, damit sie nicht wieder in grandiose Sackgassen hinein rennt, wie ihr das mit dem Tyrannosaurus Rex passierte, der wohl in vieler Hinsicht eine perfektere Konstruktion war, als der Mensch.

 

Colin Blakemore meint aber, daß die Selbstanalyse des Selbst unmöglich sei: "je mehr wir über das Gehirn wissen, desto bedeutungslose wird es -- ein Phänomen, das sich gleichsam verflüchtigt ..."

 

Einig scheinen sich die Naturwissenschaftler darin zu sein, daß Bewußtsein ein rein physikalisches Phänomen ist [Ernst Pöppel] in dem sich die physikalisch bestimmte Welt ihrer selbst bewußt wird.  Diese Aufhebung des Dualismus von Descartes macht nur John Eccles nicht mit, der die Theorie entwickelte, nach der sich in den quantenmechanisch bestimmten chemischen Vorgängen im Gehirn Geist mit der Materie vereint -- so wie es sich Descartes in der Zirbeldrüse vorstellte. Geist bleibt hier eine metaphysische Erfahrung des "ich" das nicht aus der biologischen Tatsache des Leibes bestimmt ist, sondern selber eine Manifestation des Nicht-Materiellen

 

Gerald Edelman kehrt Descartes um, indem er sagt sum ergo cogito.  Ich kann mich gar nicht dagegen wehren zu "denken" weil das eine direkte Folge der in mir zustande gekommenen Evolution ist.  Die Biologie ist der einzige Schlüssel zu dem Gehirn und den Vorgängen die sich dort abspielen.  Es muß einen Weg geben diese Vorgänge zu verstehen -- und damit das Wesen des Geistes verstehen, der ein unleugbarer Schritt im Prozess der Evolution war und doch zugleich die vorherigen Schritte reflektiert.

 

Roger Penrose und Stuart Hameroff glauben sie könnten die Gesetze der Quantenmechanik in den Prozessen innerhalb der Zelle nachweisen.  Ich glaube ganz sicher, daß hier der richtige Weg der weiteren Erkenntnis verlaufen wird.  Das gesamte Leben findet auf dieser subatomaren Ebene seinen ursprünglichen Ausgangspunkt.  Auf dieser Ebene finden die Energieaustauschvorgänge statt, die nötig sind das komplexe Zusammenspiel verschiedener Formen von chemischen Bindungen und physikalischen Aggregationen zu bewerkstelligen, die Leben überhaupt erst möglich machen.

 

Der Philosoph Thomas Metzinger fand es schockierend, daß kaum noch Einer, der sich mit den Fragen des Bewußtseins befaßt, an die Seele glaubt.  Er ringt sich zu der Einsicht durch, daß "ich" eine "Erfindung der Evolution" sei, der sich niemand, er sei denn Heiliger oder Mystiker, entziehen kann.  Aber für ihn ist diese Illusion des "ICH" unerläßlich, weil wir nur auf diese Weise von der verantwortlichen Handlung sprechen können.

 

Manfred Frank spricht von der prä-reflexiven Selbstvertrautheit des Subjekts. Da frage ich mich, ob er sich mit den Erkenntnissen der Verhaltensforschung auseinander gesetzt hat. Es schein mir offenbar, daß es mehr Lebenwesen als nur den Menschen gibt, die diese prä-reflexive Selbstvertrautheit haben. Selbstvertrautheit bringt aber zugleich einen ungeheuerlichen Komplex von moralischen Normen mit sich, zumindest wenn es zudem noch soziale Wesen sind, wie Hunde, Kühe, oder Affen, [Löwen und Hyänen in ganz besonders ausgeprägtem Maße indem hier die Selbstvertrautheit und damit die Feindlichkeit dem Fremden gegenüber nicht an der Spezies-Grenze halt macht].

 

Die Mörder Dahmer’s waren genau von einer solchen prä-reflexiven Selbst–Vertrautheit gelenkt. Und es ist eine ganz offensichtliche Illusion, wenn man mit dem Wort "Vertrautheit" irgend ein kuschelig warmes Konzept liebevollen Miteinanders verbindet.  Selbst–Vertrautheit die nicht denkt, also prä-reflexiv bleibt, das ist doch das was wir zu fürchten gelernt haben sollten, gerade von den "Anständigen Deutschen" deren Nachfahren sich heute schmerzlich bewußt bleiben, daß sie alle Teil hatten, an der deutschen »Einmaligen Untat«.

 

 

2392

 

 Wenn es Einzelnen gelingt durch dichten und denken Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, weil »die Orientierungslosen« meinen, das sei Einer, der »eine neue Richtung angibt« ... dann geschieht das, was Hegel glaubte unmittelbar miterleben zu können, daß nämlich der Zeitgeist sich seiner selbst bewußt wird ... und Darrida will nun mit aller Gewalt widerlegen, daß so etwas geschieht; denn Zeitgeist impliziert ja etwas Absolutes und dem müssen wir uns mit aller Gewalt erwehren, weil wir damit so schlechte Erfahrungen gemacht haben ... Aber es gibt eben bestimmte menschliche Grundmuster, wie bei jedem Einzelnen die Spannung der unausweichlichen inneren Widersprüche immer wieder mit den gleichen Normensystemen unter Kontrolle zu bringen versucht wird.

 

Das ist eine Art der Verselbständigung des Geistigen, eine Loslösung von Einzelschicksalen, die den Normensystemen »Heiligung« vermittelt.  Wenn diese Normensystem allzu eng mit dem credo einer Gruppe von Herrschenden verbunden wird, dann besteht die Gefahr ihrer Entheiligung, weil alle Menschlichen Institutionen sich korrumpieren, auch solche, die ein, zwei, drei tausend Jahre lang den Anschein der Makellosigkeit zu wahren wissen.  Sobald sich solche Normensysteme, die aus dem relativen, des Heranreifens Einzelner heraus genommen werden konnten, sich mit der Lust nach Gewalt, mit der Verführerkunst politischen Machtinstinkts verknüpft und den so zu Herrschaft kommenden die Unschuld zur Gewaltanwendung vermittelt, werden sie sehr schnell entwertet und viele ihrer Einzelkomponenten in ihr Gegenteil umgewertet: So konnten Wilhelm Reich und Margret Meade Sexualnormen auf den Kopf stellen, die den Menschen schon in vorgeschichtlicher Zeit als der einfachste Ausweg aus dem am schwersten zu lösenden Dilemma der species einsichtig geworden sind.

 

 

2393

 

Im Traktatus hat uns Wittgenstein auf unwiderlegliche Weise das Wort verboten:  Dabei ist das doch der eigentliche Grund dafür, daß wir »Bewußtsein« haben.  Das worüber man reden kann, das ist doch durch und durch trivial. Erst wenn es uns die Sprache verschlagen hat, sind wir aufgefordert das Schweigen zu brechen ... 

 

Nicht nur das Wort hat uns Wittgenstein verboten, sondern auch das Selbst des Ich in Frage gestellt. Das macht ihn zu einem späten Gipfel des europäischen Nihilismus ... aber die ihn leichtfertig verehren sind so voll besserwisserischen Selbstvertrauen und Idealordnungsvorstellungen, daß sie gar nicht begreifen können, welcher Abgrund dort aufgerissen wurde.  Sie meinen, damit sei nur den herrschenden Ordnungsvorstellungen der Boden der Rechtfertigung entzogen, so daß sie in aller Unschuld ihre eigenen zur Herrschaft bringen können.

 

Wir weigern uns zu sehen, daß im Zusammenbruch des Kommunismus zugleich auch die gesamte Neureligion der Wissenschaftsgläubigkeit den Boden verloren hat. Dadurch, daß sich der Rationalismus nicht als Religion erlebt, können wir die Augen davor verschließen, daß mit den Enthüllungen von Cantor bis Wittgenstein das Ende der Wahrheit erreicht und mit Gödel und Popper die Beliebigkeit zum Grundprinzip des Handelns, des Erfahrens, und des Glaubens gemacht wurde: so geht es nicht! Das ist der einzige Maßstab.

 

 Wittgenstein, dieser Witzbold, dem ist es in einem furchtbar sauertöpfischen Wiener Kaffeehausernst gelungen, spekulatives Denken lächerlich zu machen.  Nun ist das irgendwelchen geldschneiderischen Gurus und Trivialromanautoren überlassen. Eine vergleichbare Entwicklung, wie vormals bei der Entheiligung der Bacchanalen, die uns heute bloß noch als Staßenprostitution geblieben sind, und in Fasching, Halloween und ähnlichen Volksbelustigungen überleben ... seit 2,000 Jahren.  Glaubte der Witzbold wirklich, er habe endgültig Schluß gemacht? ... Zumindest ist es ihm gelungen, die Universitätsphilosophie zu einer grauenvollen grauen Sache zu machen.

 

 In unserer Bemühung um das Wahre und Endgültige liegt etwas tragisches das sich an solchen entsetzlich einsamen Figuren wie dem Wittgenstein enthüllt. Keiner ist von Angeberei und Prätention frei:  unser menschliches Wesen auch wenn sich das Ich solipsistisch-philosophisch absolut setzen will setzt sich doch auch zugleich damit über alle anderen hin und will Herr sein und dominieren und nutzt (bewußt oder unbewußt) die Unterwürfigkeitsmechanismen aus die in uns hinein gebaut sind.  Das alles ist doch so beängstigend fragwürdig:  Besserwisserei ohne Machtsubstanz ist nur eine andere Form von Neid ...

Die Variablen mit denen die Sozialwissenschaftler arbeiten stellen doch gar keine Wirklichkeit dar: man betrachte nur einmal genauer einen einzigen Datenpunkt in einer Zeitreihe und alles was dahintersteckt an Zufall und vergessenen Zusammenhängen, das sind zurechtgemachte Geschichten, wie das Balzgehabe der Tanzreiher. Mit diesen "Tatsachen" sollen wir uns begnügen, denn dahinter zu schauen fehlen uns die Begriffe, und da weiter zu suchen hat uns doch Herr Wittgenstein verboten. Und doch ist hier der einzig sinnvolle Ansatz für das soziale Gewissen sich selber zu ergründen:  müssen wir uns dazu die Begriffe und Wirklichkeiten in Kausalketten schaffen, oder sollten wir es mit schopenhauerischer Anschauung versuchen? Und siehe da auch der hat einen Weltgeist das läßt sich nicht verheimlichen -- und überhaupt wie ist denn das mit den psychischen Kräften und unseren magischen Erinnerungen an Zeiten wo ich "deine Schwester war, oder deine Frau"...

 

Jedes Wort ist ein [bloß] Versuch – hat FN festgestellt - ist aber nicht zur Kenntnis genommen worden; denn Wittgenstein hat sein ganzes Leben daran gesetzt irgendwie aus Worten Wahrheit abzufiltern -- und die Herren Dekonstruktionisten nehmen ihre eigenen Worte so ernst, daß sie glauben den wahren Realitäten auf den Grund zu kommen die hinter den Worten derer stecken, die irgendwann schon einmal gedruckt worden sind; denn wer gedruckt wird, der muß ja etwas zu sagen haben, wo man doch weiß wie ungeheuer schwer es ist Verleger zu überzeugen das Wagnis der Veröffentlichung eines Unbekannten einzugehen...

 

Mit der Libidotheorie nimmt mir Freud den Teil meiner selbst, der im Geistigen grenzenlos ist - das nehme ich ihn ebenso übel, wie ich Wittgenstein das Schweigegebot nicht verzeihen kann.  Hölderins Hymnen und die meditativen Erfahrungen, die aus der "Weltablösung" buddhistischer Mönche geboren sind überwinden sowohl das Schweigegebot, wie auch die Einbindung in ein ausschließlich auf Reproduktion gerichtetes Zwangssystem.

 

 

 

2394

 

Wenn ich verstehen will, was mores sind, dann kann ich nicht den Inhalt befragen, den wir unter diesem Begriff zusammenfassen.  So gesehen ist alles was sich Friedrich Nietzsche zu diesem Thema ausgedacht hat, verfehlt.  Jenseits von gut und böse gibt es alles mögliche, aber das was da ist, hebt doch die Tatsache eines bestimmten und über die Jahrtausende kaum veränderten Grundmusters sittlichen Verhaltens nicht auf.  Bei der Frage nach dem was »jenseits« ist kommt man doch – vom Inhalt her gesehen – unweigerlich auf metaphysische Spekulationen – so sehr sich der Frager auch dagegen stemmt dieser Transzendenz argumentativen Wert zuzubilligen.  Nietzsche hat sich aber den Weg zu einer fruchtbareren Fragestellung – außerdem noch – dadurch verbaut, daß er die Frage nach der Sittlichkeit mit der Frage nach »menschlicher Größe« verknüpfte und sich dabei dazu hinreißen ließ solche Größe aus dem Zusammenhang des sozialen Effektes heraus zu heben, und also »absolute Größe« zu suchen.  Die »Heerde« war für ihn der Abscheu schlechthin und das war nicht nur ein »philosophischer« Abscheu, sondern im Ursprung begründet von einer Abneigung gegen, das was Herde schafft und für den Menschen unausweichliche Notwendigkeit ist: das Zusammenleben gebär-williger Weiber... Und seine Erfahrung mit den Naumburger Drachen – und die Begegnung mit dem Fräulein Salomé – hat ihm, in dieser Hinsicht, total einen Strich durch die Rechnung gemacht; hat ihn mit seiner Gynäkophobie und der damit gegebenen Misogamie unfähig gemacht selber das Abenteuer der Reproduktion auf sich zu nehmen.

 

Ich habe gestern zwei Stunden damit verbracht mit meinem Enkel Nicholas die Idylle am Bachus5 zu erleben. Das ist eine menschliche Ur-Erfahrung. Ein klar plätscherndes Bächlein im milden Hochsommer-Wetter, wo die Tier- und Pflanzenwelt ganz und gar eins ist – mit uns.  Da war eine Entenfamilie, die eifrig nach Futter suchte und die großen gelben Schwabenschwänze tanzten in den Sonnenstrahlen und Nicholas spielte völlig selbstvergessen mit Stöcken und Steinen und lies das mitgebrachte bunte Plastik-Spielzeug meistens links liegen. Ein Dreijähriger, in der Welt wie sie vor 8,000-12,000 Jahren für alles und Alle die Regel war.

 

Den Menschen können wir am besten dadurch verstehen, daß wir uns anschauen, welche Tiere er domestiziert hat: Adler und Schlange kann man sich als pets halten aber eben nicht als dauerhafte Lebensgefährden, mit denen man eine auf Zucht und Züchtung6 ausgerichtete symbiotische Einheit formt. Und wir konnten uns nur die Tiere ins Haus nehmen, die uns ähnlich waren.  Da lese ich bei Jared Diamond:

 

»Almost all species of domesticated large mammals prove to be ones whose wild ancestors share three social characteristics: they live in herds; they maintain a well developed dominance hierarchy among herd members; and the herds occupy overlapping home ranges rather than mutually exclusive territories. For example, herds of wild horses consist of one stallion, up to half a dozen mares and their foals.  Mare A is dominant over mares B, C, D, and E; mare B is submissive to mare A but  dominant over mares C, D, and E; mare C is submissive to A and B but dominant over mares D, and E; and so on. When the herd is on the move, its members maintain a stereotyped order: in the rear the stallion; in front the top ranking female, followed by her foals in order of age, with the youngest first; and behind her the other mares in order of rank, each followed by her foals in order of age.  In that way, many adults can coexist without constant fighting and with each knowing its rank.

 

That social structure is ideal for domestication, because humans in effect take over the dominance hierarchy...

 

American bighorn sheep are suitable to us and similar to Eurasian mouflons in most respects except a crucial one: they lack the mouflon’s stereotypical behavior whereby some individuals behave submissively toward other individuals whose dominance they acknowledge...

 

Das ist der Mensch!  Er bildet soziale Gruppierungen, lebt in überlappenden Territorien und er hat Dominanz-Strukturen, wobei festgehalten werden muß daß diese Hierarchien Verhaltensmuster sind, bei denen some individuals behave submissively – Behave yourself: Benimm Dich! Der Anstand, der Rang und der Lebensraum – das was mores sind –  sind unentwirrbar in einander verstrickt, aber nicht absolut – auch das lammfrommste Lamm wartet in freundlicher Stille darauf, mit zu helfen die α-Zibbe kirre zu machen, wenn sich in deren Verhalten Schwächen zeigen, die den Bestand der Herde bedrohen.

 

Die Menschheit als Einheitsbrei gleichrangiger Individuen betrachten ist Blindheit für die Realität der Natur des Menschen und dort wo versucht wird durch Abschaffung alter Rangordnungen »Gleichheit« zu erzwingen schafft man sich nichts anderes als constant fighting: Achieving Societies im besten Fall. Das endet dann in den scoring lists die von Leporello so schön vorgetragen werden.  Und Leporello ist wieder so ein Geniestreich! Der Moderne kommt gar nicht aus, ohne den, der ihn gekonnt rühmen kann. So wie Don Giovanni seinen Leporello hatte so hat der Beuys in den Hämlingen von Hamburg seine claque gefunden.  Aber diese Klugscheißer hatten damit eine ganz andere Agenda, denen war der Filz-Scheiß nur deshalb lobenswert, weil sie damit überkommene ästhetische Traditionen verächtlich machen konnten.

 

Islam heißt behave submissively und das ist der eigentliche Grund dafür, warum sich bei den Trägern dieser Weltanschauung ein so abgrundtiefer Hass gegen alles herausgebildet hat, was mit dem dauernden Kampf der Achieving Societies in Zusammenhang gebracht werden kann. Aber auch die liberalsten Leistungsgesellschaften7 haben Stellvertreter, die Institutionen der Macht und des übergeordneten Ranges verwalten.  Diese Stellvertreter bekommen ihre Ämter nur verliehen und müssen sich durch Förderung eines Gesamtnutzens beweisen Was uns von Schipansen unterscheidet ist gar nicht so sehr die Gehirnmasse sondern die grundsätzliche Tatsache, daß wir bereit sind uns unterwürfig zu verhalten auch wenn offenbar ist, daß die Machtträger eigentlich gar nicht den Standards entsprechen, denen sie eigentlich genügen sollen.  Das ist ein Abwägen zwischen den Kosten der Zerstörung der alten und der Schaffung neuer Hierarchien und dem Nutzen den sich Einer der »Unterwerfung« nur vorspielt aus den bestehenden Ordnungsverhältnissen schaffen kann...  Die Schimpansen verschwenden viel zu viel Zeit damit ihre Rangordnung immer wieder neu zu erstellen und haben deshalb gar keine Zeit gehabt in aller Ruhe Hirnmasse anzusammeln und eine größere Zahl eßbarer Pflanzen und Tiere zu erforschen und zu erinnern, wodurch im Zeitraum von 3,000,000 Jahren so viel Zeit war, daß sich sogar ein Erinnern an nützliche Faustkeil-Formen und erst danach an Werkzeugmachen ermöglichte.

 

2395

 

Dieser Erlösergott hat sich nicht träumen lassen, daß die übervölkerte Erde die Unverletzlichkeit des Lebens von der unerwünschten Befruchtung [ein Ovarium wird in dem Moment Person wo es sich mit einem Spermium vereint]  bis zur absoluten Leere der Hirnerkrankung absolut setzen konnte.

 

2396

 

Vom Bösen spricht der, dem eine Politik des Hasses und der Feind-Seligkeit am Herzen liegt.  Das »Böse« muß ausradiert und vernichtet werden, dazu braucht es keinen Verstand, sondern nur fanatischen unerschütterlichen Willen. Das Böse muß kompromißlos aus der Welt geschafft werden, darüber muß nicht lange nachgedacht und argumentiert werden – Im Gegenteil: Argumente könnten nur darauf hinwirken, die Entschlossenheit zu schwächen im Kampf gegen das Böse.  Durch logisches Denken ist dem Bösen nicht beizukommen und alle argumentierende Vernunft hat nur den Effekt das moralische Fundament aufzuweichen.  Etwas, das höher ist als alle Vernunft muß da den Weg zeigen: Das Irrationale, dem man nicht beikommen kann mit vernünftiger Abwägung.

 

2397

 

Rübezahl:  Die Geschichte, Legende, das Märchen vom Rübezahl hat sicher einen realen Hintergrund, wer wie ich über den Menschen nachdenkt, dem ist auch die Hypothese bedenkenswert DAS KÖNNTEN ERINNERUNGEN AN DIE BEGEGNUNGEN DES HOMO SAPIENS SAPIENS MIT DEM HOMO NEANDERTHALIS SEIN. Vergleichbar auch die Geschichten vom Abominable Snowman, vom Yeti [http://unmuseum.mus.pa.us/yeti.htm] lassen sich auf die Begegnungen des Homo Sapiens Sapiens mit den Nachfahren des Peking Menschen... beide Begegnungen haben vor 30-40,000 Jahren stattgefunden und es wird dazu noch spekuliert, daß der Zeitraum in dem diese beiden Species gleichzeitig lebten etwa so lang ist wie die Periode seitdem der Mensch seßhaft geworden ist und mit der Nahrungsmittelproduktion sich daran machte die Welt zu verändern...
Ich bin zu dieser Auffassung gekommen, weil ich eine völlig absurde Geschichte in http://www.archlsa.de gelesen habe, wo angenommen wird, daß es möglicherweise noch in der Bronzezeit Drachen, d.h. Saurier gegeben haben könnte.  Ich habe in den großen Wüsten-Schluchten in der äußeren Mongolei Auswaschungen gesehen, wo eine Fülle verschiedenster Saurier-Skelette identifiziert werden konnten. Das ist wahrscheinlich auch schon früher möglich gewesen, und der gute germanische Recke Siegfried und so mancher keltisch oder chinesische Heros haben einen eindrucksvollen Drachen-Kopf nach hause geschleppt und sind dafür so verehrt worden, wie jetzt der fromme Mann aus Texas, der ja irgendwo auch sowas ist wie ein Drachenschlächter.
Eine vergleichbare Geschichte wurde heute in der Washington Post dargeboten, wo es darum geht, ob in Stae & Federal Parks ein Buchverkauft werden darf, in dem christliche Fundamentalisten ihre creation theory veröffentlichen. Indem sie die Bibel wortwörtlich nehmen glauben sie, die Erde kann nicht älter sein als höchstens 6,000 Jahre und der Grand Canyon wird als exemplarisches Beispiel für die Sintflut genommen. Das Aussterben der Saurier läßt sich aber praktisch auf den Tag genau berechnen, weil der Einfall eines Reisenmeteoriten global eine Spur [identified by a thin stratum of iridium] hinterlassen hat, deren Alter sich sehr exakt auf 65,000,000 Jahre bestimmen läßt.

 

 

2398

 

Ruhmsucht als Krankheit fängt schon damit an, daß wir unsere Helden, Dichter, Denker & Religionsgründer so vor uns hin stellen, daß man gar nicht mehr an ihnen vorbei kann. [24. April 1987]

 

2399

 

George W. läßt mich exemplarisch erkennen, wie der menschliche Herdentrieb die Ehre des Ober-Alpha-Typen als die Eigene ansehen läßt. Jedes Möchte-Gern-Würstchen, sieht sich selber in dem Einen – so kommt es zur Solidarisierung und dabei finden sich Individuen zusammen, die sich im »Normalsfall« gegenseitig weder zum Kaffe noch zu einem Bier einladen würden und die auch sonst wohl kaum produktive oder erfreulich Beziehung eingehen. In Zeiten der Krise verstärken sich diese Bindungen: »Durch dick-und-dünn-dem Führer-folgen...«  Gar für ihn sterben... die Ehre der Nation und des wahren Glauben... Dabei ist das ganze nichts als ein Zufallsprozess: Da wird ein X-Beliebiger hochgespült... die Umstände vermitteln ihm Statur und Substanz...  Wehe! Jetzt wird er in Frage gestellt... und vom Lord bis zum letzten Fahnenschwenker stehen sie wie Ein-Mann hinter ihm…

 

2400

 

Da zählt sich so mancher zur avant garde und will nicht wahr haben – kann gar nicht wahr haben wollen, weil es außerhalb seines Wahrnehmungsbereiches ist, – daß die Vor-Front-des-Guten-Wahren-Schönen wie es sich in den politischen Strebungen, den Wissenschaften und der Kunst manifestiert schon seit einigen Generationen – oder noch länger – überlebt ist.

 

2401

 

Der Mythus von der Bedrohung durch terroristische Gewalttäter ist ebenso wie die Vorstellung den Islam vor den schädlichen Einflüssen westlicher Dekadenz zu schützen, nichts anderes als in aller Unschuld gewalttätig sein dürfen.  Der scharfe Hund, der – unter dem Beifall aller Guten und Rechtschaffenen im Dienste der Vergangenheitsbewältigung – mit aller Konsequenz gegen kahl-geschorene Schul-und-Lebens-Versager durchgreifen will, übt in aller Unschuld Gewalt wie damals jene, die der reinen Rasse dienen wollten und heute die für den Grünen-Frieden kämpfen.

 

 

2402

 

Worum geht es überhaupt bei der Diskussion um die Europäische Union und ihre Verfassung ?  Sollte der xenophobische Nationalismus mit den Gegnern der Globalisierung und dem Ideal sozialistischer Besitzstandswahrung ein Bündnis eingehen, das auch noch den Segen der Kirche hat?  Sollte das was in der innenpolitischen Diskussion als das total Unvereinbare gilt, nach außen hin als eine Einheitsfront auftritt zur Herrschaft kommen.  Solche Tendenzen gibt es nicht nur in Frankreich. Sie sind Sumpfblüten die sogar im ehemals welt-offenen Holland aus dem Morast der Übersättigung sprießen: Die von rückwärts-schauenden fantasielosen Bedenkenträgern geführten Massen sehen sich in allen ihren Ängsten von der großen Politik bestätigt – bloß keine Veränderung des Status quo, das führt doch immer wieder in zusätzliche Einbindungen in ein System, das schon längst seine Fähigkeit zur Selbst-Stabilisierung verloren hat, weil es überdeterminiert ist, weil es danach strebt Ziele zu verwirklichen, die einander ausschließen.

Da heißt es dann eindeutig werden.  Die MininsterIn für den Schutz der deutschen Verbraucher verspricht Kuschel-Wärme durch Verzicht auf Wettbewerb und sie ist sich mit der Mehrheit der von ihr angeführten Verbraucher einig, daß Produzenten die Ursache allen Übels sind. Als Arbeitgeber haben sie doch schon lange nicht mehr das geleistet, was man sich von ihnen glaubte versprechen zu können: Die sollen Arbeit geben aber ohne die Mühsal zu produzieren; denn alle Produktion resultiert doch nur in einer zusätzlichen Verschlechterung der Umweltbedingungen. Arbeit, möglichst mit Vorzimmer, das vor Störungen schützt  und einem Schreibtisch der ausreicht «Die Zeit» voll ausgebreitet studieren zu können.
 

 

2403

 

Das Abendland und die abendländische Kultur, die jetzt zum Vorwand genommen wird unerwünschte Konkurrenz fern zu halten und die Tore zu schließen gegen Völkerschaften, denen noch eine viel größere Vitalkraft eigen ist als uns selber – dieses Abendland ist etwas ganz anderes, als in den Parteizentralen, in den Polizeileitstellen und den Offizien des reinen Glaubens angenommen wird. Das Abendland ist das Ergebnis eines historischen Prozesses, der mit der Klimaänderung vor 15,000 Jahren begann und der sich nicht eindeutig geographisch abgrenzen läßt gegenüber anderen auf dem Eurasischen Kontinent entstandenen Kulturkreisen.  Im Gegenteil: Wesentliche Elemente der materiellen und der geistigen Grundlagen der abendländischen Kultur sind gar nicht denkbar ohne die Befruchtung, die sich aus dem Überlappen mit benachbarten Kulturkreisen ergeben hat.  Das kann man alles bei Jared Diamond8 nachlesen, der zu dem Schluß kommt, daß dieser Kontinent maximal drei einigermaßen unabhängige Anfangsstadien gehabt haben kann, daß die Domestizierung von Tieren und Pflanzen in fast allen Fällen nur ein einziges Mal begonnen wurde und im übrigen durch Diffusion in alle Winkel des Kontinents getragen wurde.  Das Abendland hatte seinen absoluten Höhepunkt in der 300 Jahr-Periode um die Zeitenwende, dem heute global-gültigen Kalender, dessen Null-Punkt mit der Geburt eines Gottes-Sohnes gleichgesetzt wird: und der Zufall will es, daß zu diesem Zeitpunkt die Theodizee des ermordeten Gaius Julius automatisch auch zur Erhebung Octavian’s zum Augustus und Deus Filius führte.
 

 

2404

 

…die Natur des Menschen «erleben» das kann ich ganz wunderbar mit meinen Enkelinnen. GANZ SICHER STREBEN WIR Menschen nicht in Richtung Sanftmut und Friede, sondern NACH MACHT!  Wenn Luisa sich unbeobachtet fühlt, macht sie sich an Ella’s Lieblings-Sachen und Ella macht sich umgekehrt einen Spaß daraus Luisas Maus zu schnappen – wenn die das sieht und hilflos zuschauen muß, daß die Größere wieder mal dominiert.

…ein Erlebnis der besonderen Art hat mir Emma vorgeführt. Es war gestern schreckliches Wetter und entsprechend hat sich jeder zu schützen versucht. Emma war gerade mit Andreas angekommen und wir standen noch alle im Kamin-Zimmer: Da öffnet sich die Tür und Christian tritt ein, im dunkelblauen Anorak mit Kapuze, der sprichwörtliche schwarze Mann… Da kann Emma gar nicht anders als vor Angst zu schreien!  Der böse Schwarze Mann ist also ein Teil unserer atavistischen Erbschaft.  Indem man das weg-diskutiert schiebt man ganz leicht diese Angst ins Unbewußte.  Damit verschwindet sie aber nicht sondern wird bloß namenlos. Das erste mal habe ich das erlebt als ich mit Luzie zusammen zog und sie ihre Ängste ich Bildern vom schwarzen Mann, der hinten einsteigt, zu überkommen versuchte

 

 

2405

 

Angst vor der Blöße eine Angst, die weit über alles materielle hinaus reicht – wenn ich nicht auf dem letzen paradigm mit schwimme bin ich schon fast ganz nackt –…körperlich Nacktheit wird insofern nur aus einem symbolischen Beweggrund tabuisiert und dieses Tabu löst sich in dem Moment auf in dem die Menschen-Gemeinschaft nicht mehr als Reproduktionsgemeinschaft erlebt wird.

Was bedeutet Trennung zwischen Reproduktionsgemeinschaft und Zeitgeist?

Da hat einer der nicht mehr reproduktionsfähig war an der Grenze zum Wahnsinn hinausgeschrieen: «Es wird nach mir Kriege geben, wie es nie zuvor Kriege gegeben hat…» Er spürte in sich, daß er nicht mehr das Zeug dazu hatte sich der Verantwortung der Reproduktion zu stellen – aber zugleich erkannte er auch mit jeder Faser seines Wesens, daß sein streben danach «reiner Geist» gegen den Zeit-Geist zu sein sich in ein absolutes Nichts aufgelöst hat, weil er das Nicht-Sein aller Meta-Physik zum Grundpostulat gemacht hat …da muß er ganz am Schluß seine Nacktheit erkennen: nur Narr nur Dichter und also Schwätzer im Sinne Hegels zu sein…

 

2406

 

Mein Thema ist jetzt «Realität» und die Fähigkeit das Reale als das einzig wahre zu sehen Ursache für meine Einsamkeit.  Wenn man nicht an der «Realität» seiner Mitmenschen teilnehmen kann, dann fällt man in das Loch der absoluten Bedeutungslosigkeit. Bei Hegel ist das noch ganz und gar positive gesehen worden: «Jeder der nicht im Sinne des Zeitgeistes reden kann, ist damit automatisch ein Schwätzer, dem nur totale Verachtung gebührt…» Dabei scheint noch niemandem aufgefallen zu sein, daß Hegel — mit seiner bewundernden Vorstellung in Napoleon dem «Zeitgeist zu Pferde» begegnet zu sein — selber einer Chimäre auf den Leim gegangen ist.  Dadurch daß Napoleon die Massen bewegte und große Veränderungen bewirkte ist noch nicht bewiesen, daß er auch in irgend einer Form Realitätsverständnis bewiesen hat: Das ist vielmehr ein exemplarischer Fall von «Scheiß’ auf die Realität …ich will nichts anderes als meine persönliche Macht verstärken und das kann ich am besten indem ich Beförderungen verspreche…

…Charlie hat mich die Essenz der Fragwürdigkeit des Zeitgeistes-Heute sehen lassen. Er erzählte [eigentlich ganz außerhalb dessen, was uns als Freunde und Familie interessiert das ist: zusammen bringen könnte]: Als kurz vor Kriegsende General Patton über den Rhein setzte [genau vor 60 Jahren] hat er ostentativ und scheinbar vor der anwesenden Presse in das deutsche Heiligtum gepinkelt …zur gleichen Zeit hat die GESTAPO in Bensheim ihr Behelfs-Hauptquartier Hessen aufgelöst und die in den Kerkern verbliebenen Gefangenen hinten im Tal in ein Wäldchen getrieben, wo sie erschossen und verscharrt wurden.  Letzte Übeltat der «Einmaligen Übeltäter»…

das sind zwei Realitäten die jede ihre eigene metaphysische Motivation haben, auch wenn die nicht bewußt wird.

Bei Patton kommen atavistische Urantriebe zum Ausbruch, die gar nicht durch höhere geistige Begründungen gerechtfertig werden.  Bei der Gestapo dagegen wird bis zuletzt eine Wirklichkeit verteidigt, die nur dann verständlich ist, wenn man bereit ist zu sagen, Realität ohne metaphysische Glaubensakte ist gar nicht denkbar. Das heißt nicht daß die Metaphysik etwas Reales sei, sondern es heißt, bei den meisten Menschen können Denk- und Verhaltensweisen gar nicht vollzogen werden ohne den Rückhalt einer Tranzendtentalen Begründung. Die meisten Menschen können es gar nicht wagen, so wie Patton oder wie Napoleon direkt aus ihren atavistischen Antrieben zu handeln weil sie wissen, daß sie sofort fix-und-fertig-gemacht werden: «Da könnte ja jeder kommen…»

Charlie beklagt, daß diese Nazis nach dem 8. Mai spurlos verschwunden seien… Ich weiß aber, daß in den Hirnen so manches Unverbesserlichen der Zeitgeist des «Dritten Reiches» durchaus fortgelebt hat und die [zum Beispiel Tante Käthe und der Herr Pfann] haben das alle auch als heldenhafte Standhaftigkeit empfunden, so wie man hier in den USA die Vietnam-Krieger, die sich in Feind-Gefangenschaft nicht zum Verrat an der eigenen Sache quälen ließen als Helden verehrt…

Das Abknallen in letzter Minute war nichts anderes als ein nicht-los-lassen-können war Ausdruck einer Realität, die absolut und ohne Frage ernst genommen und auch gegen jeden inneren Widerstand erfüllt werden mußte.  Die wollten teilhaben und weigerten sich ihren Zeitgeist als leeres Geschwätz entblößt zu sehen …auch wenn nun sechzig Jahre linke Propaganda und allied reeducation efforts einem-jeden offenbar sein lassen, daß diese teuflischen zwölf Jahre von A bis Z auf leeres Geschwätz gebaut waren…

…(und Charlie sagt) eine Sekunde …eine Nano-Sekunde nach Null waren sie alle verschwunden – die Nazis – wobei er aber vergißt, daß Nazi eine Konstruktion der Feindpropaganda war und jeder «echte Nazi» mit selbst-gerechter Empörung solche Verunglimpfung von sich weisen würde. Sie waren [unschuldiges] Volk und als Funktionsträger [dem Führer] verantwortlich: Bis zum Letzten… Als der Führer nicht mehr war, blieb den Lebenstüchtigen gar nicht anderes als sich einer neuen Gefolgschaft anzuschließen einer Gemeinschaft der Rechtschaffenen: Bei vielen gelang das völlig unbewußt und ohne böse Hintergedanken …nahtlos und ohne Übergang: Dr. Sibylle Quack als Superbeispiel…… Oder: Kein Mensch denkt heute daran, daß der Mode Zeitgeist Führer Hugo Boss seinen Erfolg auf den Schultern von Zwangsarbeitern baute, die für seinen Vater Uniformen – einschließlich derer mit den ominösen Streifen – schneiderten…

 

2407

 

Das Abendland hat dort seinen Ursprung wo man jetzt mit aller Macht den Zugang zur Europäischen Union verschließen will. In der Türkei findet man so ziemlich alle Urformen unserer Nutzpflanzen und es gibt archäologische Funde, die darauf hinweisen, daß die blutigen Spiele mit den Stieren, die noch heute in Spanien zur Volksbelustigung gegeben werden schon vor 5000 Jahren am Fuße des Taurus-Gebirges als heilige Handlungen begonnen worden sind. Unsere geistigen Wurzeln reichen zurück in die Hochkulturen des Zweistromlandes und des Nil.  Das Abendland begann an den Gestaden des mare nostrum wo sich Asien, Afrika und Europa treffen: So übergreift es die neuzeitliche Aufteilung der Welt in Kontinente und ist in seiner Verengung auf die Vorstellung einer Western Civilization gar nicht mehr das, was es ursprünglich war.  Die multi-kulturelle Gesellschaft ist eben keineswegs ein Paradigma, das aus den Köpfen post-moderner Übersättigter entsprungen ist. Das Abendland ist ganz im Gegensatz zur Kultur des Reichs der Mitte — essentiell — Koexistenz des Unvereinbaren

 

2408

 

Bei William F. Buckley paart sich die Begeisterung für GPS mit der Feststellung, daß uns in spiritueller Hinsicht die Orientierung immer mehr verloren geht, je mehr wir über unsere Umwelt Kontrolle ausüben können ... und ist nicht der Erfolgsmensch Buckley die Fleischwerdung dieser Problematik, die doch im Ende darauf hinausläuft, daß wir nicht mehr unterscheiden können, zwischen denen die hervorragende Leistungen hervorbringen und denen, die Leistung nur hervorragend darzustellen wissen.

 

2409

 

Wir sind so stolz auf des «selbst Geschaffene,» daß wir gar nicht wissen wollen, woraus dieses «Selbst» besteht – besonders dann wenn es unsere «guten Seiten» sind. Ich will mich genauer damit befassen: der «Erbsünde» die Erbgüte entgegen zu stellen und dazwischen, das einigermaßen hilflose «ich,» das gar nicht begreifen kann, wieso das «ich will» nicht immer so heraus kommt, wie es sich das vorstellt.

 

2410

 

Wer ein Weib erblickt und sie nicht begehrt, der leidet an Triebschwäche, wer es mit jeder treibt, an Charakterschwäche…

 

2411

 

Alles was einen Effekt hat, hat auch Nebeneffekte – und manche von ihnen dämmern nur sehr langsam – bis sie sich zu besonders bösen Folgewirkungen mutieren.

 

2412

 

Eine – unvermeidlich kommende – Global-Kultur muß unvermeidlich mit Methoden des social engineering arbeiten: so wie 2005 weltweit eine fast schon an Hysterie grenzende Kampagne zur Verhinderung einer potentiell katastrophalen Influenza-Epidemie nicht anderes ist als social engineering. Ein anderes Beispiel ist die Kampagne gegen das Rauchen, die ohne die Techniken des social engineering niemals erfolgreich sein könnte.  Und auch die Kontrolle des Bevölkerungswachstums – einer der wichtigsten ungenannten Gründe für die Radikalisierung der Massen in muslimischen Ländern – braucht Techniken, die der Vernunft auf die Sprünge helfen.  Ich konnte den Bericht über Zwangsabtreibungen in China, den die BBC gebracht hat, nicht fertig sehen, weil er mir zu sehr «unter die Haut ging» aber ich erkenne trotzdem, daß «humane» Mittel gefunden werden müssen diesem Problem zu begegnen. Ob sie es wissen oder nicht, die Frauenbewegung enthält ein Element des social engineering zur Verhinderung unerwünscht schnellen Bevölkerungswachstums, das viel effektiver ist als jeglicher «staatliche Zwang.» Das muß nur – auf die angemessene Weise – dort hin getragen werden, wo es heute noch nicht zum Keimen gebracht wurde: Als Glaube das eine Verhaltensweise gut und richtig, daß sie sittlich ist und aus uralten Mores wächst.

 

2413

 

Bewußtsein – und damit auch cogito ergo sum – ist fast immer nur Versagen des Vergessens…

 

2414

 

Wittgenstein mühte sich zwar der Sprache etwas abzugewinnen, was uns verständlich macht, warum sie sich strikter Logik entzieht …mit Darrida und den Narrotologen ist außerdem jeder der Text veröffentlich verdächtig und sie versuchen «dahinter zu kommen» Aber was ich hier erfasse das ist Sprache als probability mechanism der nicht nur fragwürdigen und manchmal «offenen» Bedeutungen ausgeliefert ist, sondern wo Absicht, sinn und Zweck bei Sprecher und Zuhörer «offen» sind …manchmal will man täuschen aber manchmal auch nicht – manchmal will man die ehrliche Wahrheit hören und meistens lieber geschmeichelt werden …ich muß das mit dem:  Sprache als “probability mechanism erst mal auf sich beruhen lassen: Nur noch so viel: Die Narratologen9, die versuchen mit ihrer Narratologie10 «dahinter zu kommen» sind doch selber diesem Wahrscheinlichkeitsmechanismus ausgeliefert, haben mehr unbewußte als bewußte Motivationen und können deshalb alles möglich erreichen, bloß das nicht was sie zu suchen «vorgeben»

 

2415

 

Alle bisherigen Religionen Rechts- und Staatsphilosophien und Sozialtheorien überhaupt, waren darauf ausgerichtet entweder bestehende Eliten an der Macht zu halten oder neuen Eliten die Rechtfertigung des Machterwerbs zu ermöglichen. Damit muß es ein Ende haben. Wie kann ich nun aber eine Sozialtheorie erfinden die fundamental nur auf den Einzelnen ausgerichtet ist? Damit muß ich nun in aller Ruhe und Gelassenheit zurechtkommen.

 

2416

 

Der Schmerz und das Leiden ist ein Segen! Das sage ich, obwohl ich mir bewußt bin daß gute Menschen unschuldig von furchtbaren Ereignissen überwältigt werden können.  When bad things happen to good people, dann fühlen wir uns herausgefordert uns zu politischen Aktivisten zu machen und diesen guten Menschen zu helfen.  Für mich ist aber die Frage umgekehrt deutlich geworden When good things happen to bad people – dann wird man Moralist  und sieht die Zukunft der Menschheit fundamental bedroht.  Das Böse kriecht in alle Schleifen, Falten, Muster und Strukturen des sozialen Gewebes ein und wird durch den Erfolg geheiligt und zur guten Tradition —  Im Extremfall wird der tyrannische Vater zum Vater im Himmel und rechtfertigt so alle väterliche Tyrannei als das Geheiligte . Der Schmerz und das Leiden soll uns nicht zur Verzweiflung bringen und lähmen, sondern nur den Zweifel daran nähren ob auch unsere jetzigen Handlungsmuster den Anforderungen der Umstände angemessen ist.

 

2417

 

Ich muß mir immer im Bewußtsein halten, daß Hinterhältigkeit und eine feige Aggressivität Charakteristika sind, die durchaus fundamental physiologische Anlagen darstellen und nicht etwa im Erziehungsprozess geschaffen werden. Es ist ein Grundirrtum des Rousseau’schen Traumes, daß menschliche Institutionen für solche Verirrungen verantwortlich sind.  Die gescheiten Hinterhältigen und geborenen Lügner und Versteller werden sich in allen noch so ausgesucht selbstkontrollierenden Institutionen breit machen und immer genau das tun was politisch korrekt ist und immer mit der außerhalb des Bewußtseins angesiedelten Absicht potentielle Gegner auszurotten und zu vernichten, wenn es nur möglich ist. Doppelzüngigkeit und lügnerische Verstellung gehört mit zu den erfolgreichen Erfindungen der Evolution als wichtige Grundanlage.

 

2418

 

Der spannungsvolle Zustand zwischen dem Wonnevollen und dem Schmerzlichen ist das Eigentliche: Lebensenergie. Ohne diese Spannung gäbe es keine Bewegung.  Aber das Bild von diesen Spannungszustand habe ich in der Schule gelernt. Ich kann mich noch erinnern in der Quarta in Breisach als die Physiklehrerin das Bild von den Potentiallinien an die Wand gemalt hat:  das war ein Urerlebnis, auf diese Weise hat sich mir eine neue Welt eröffnet und es war für mich von dem Augenblick an, gar nicht mehr möglich in den alten Kategorien des Festgefügten zu denken.

 

2419

 

Was bedeutet es, wenn ein ausländischer Hoheitsträger und bekennender Atheist, in einem katholischen Land eine katholische Ritualbewegung vollzieht, im Gedenken an von diesen Ausländern vollbrachten Dinge, deren Vollzug einer Mehrheit dieser Katholiken eine große Genungtuung war?

 

 

2420

 

Die Wissenschaftler, die höhnisch von anectotal evidence sprechen leugnen einen fundamentale Tatsache: sie selber und alles was sie Nobel-Preis-trächtig zutage fördern ist durch und durch selber Anektode ... das wird weggefegt vom nächsten Paradigmenwandel, als wäre nichts geschehen ...

 

 2421

 

Im Gegensatz zu den asiatischen Despoten, die »unschuldige Boten« hinrichten ließen, die das Pech hatten schlechte Botschaften überbringen zu müssen, sehe ich in den Herrschaften, die das Glück hatten »bei den Medien einen Job zu landen und zu halten« die Despoten der Neuzeit, die mehr Macht und mehr Einfluß auf zutiefst persönliche Verhaltensweisen haben, als es je Priester und Geheimpolizisten und andere Handlanger des Apparats des Despoten sich träumen ließen ... und das ganze unter dem Deckmantel des edlen Ideals der Freiheit der Rede und des Rechts auf Information.

 

 2422

 

Die »Tragik« ist doch, daß Menschen, wie van Gogh, in allen sozialen Umständen an der Grenze zum Wahnsinn balancieren und daß ihnen »Anerkennung« und greifbarer Erfolg wahrscheinlich schaden würden ... und doch muß ich glauben, daß sich auch für sie fruchtbarere Umstände schaffen lassen ... Wahrscheinlich hat dem Kölner Genie Beuys nichts mehr geschadet als die wohlgefällige Beweihräucherung durch die eloquenten Herrschaften von Hamburg ... Abgesehen von wenigen Augenblicken in den Städten wie Cyrene hat sich aber in der Menschheitsgeschichte der Typus »van Gogh/ F. Nietzsche/ ...« erst am Ende des XIX. Jahrhunderts überhaupt erst entfalten können ... in allen Not-Gesellschaften war dafür weder Raum noch irgendwann ein Publikum ...

 

 2423

 

Der »Weg in die Knechtschaft« kann durchaus auch mit einer liberalen Grundordnung gepflastert sein, wenn dem Geld höheres zugebilligt wird als eine reine Austauschfunktion: In dem Maße in dem Geld zum sozialen Rangordnungskriterium erhoben wird, gibt es Unterwürfige, die sich um Beförderungen bemühen und somit um Einkommensströme, die nicht auf Leistung beruhen ... [aber die liberale Grundordnung wird von der Mehrheit in Überflußgesellschaften aus Instinkt abgelehnt; denn die Produktion von Überfluß hat naturgemäß die Eigenschaft, daß der ökonomische Erfolg solcher Produktion nicht vorhergesagt werden kann, und also ist das Risiko bei jeder einzelnen unternehmerischen Innovationsinitiative unendlich groß [bzw. ganz und gar unbestimmt]

 

 

 

 2424

 

Bevor wir genug wissen um zu einer persönlichen Entfaltung kommen zu können, sind wir schon so sehr von Herrschaftswissen durchdrungen, daß wir fast unausweichlich somebody else's agenda zu unserer eigenen zu machen versuchen und dadurch fremdbestimmt gar nicht mehr an die wünschbarkeit und den Sinn einer individuellen Entfaltung glauben können:  He put so much effort into getting there only to find out that there was no there there«

 

 2425

 

Schöpferische Zerstörung, das hat die lebende Substanz gelernt, lange bevor sie sich mit der Notwendigkeit konfrontiert sah, Bewußtsein zu entwickeln. Wenn wir wirklich der eigentlichen Aufgabe unserer Bewußtheit näher kommen wollen, dann müssen wir begreifen lernen, was die lebende Substanz aus der Kombination von Bewußtsein und schöpferischer Gestaltung erwartet ... wir werden den Weg der Saurier gehen, wenn wir dem nicht gerecht werden können.

 

 2426

 

Wer glücklich in seiner Triebstruktur ausgeglichen ist, der muß nicht unbedingt als ein besonders glücklicher auffallen, denn es gibt bei ihm nichts was sich dominierend über alle anderen Anlagen erheben könnte ... das sind die wahrhaft Starken, diejenigen dagegen, die durch extreme Leistungen auffallen, sind im Zweifel Monstren, denen es an allem fehlt was menschliche Charaktereigenschaften ausmacht.

 

 2427

 

Berufsethiker brauchen wir von dem Augenblick an, an dem es keine natürlichen Lösungen zur Kontrolle unnatürlicher Entwicklungen mehr gibt ...

 

 2428

 

Berufsethiker werden dort prominent wo der demokratische Prozess nicht zu eindeutigen Wertentscheidungen mehr führen kann, wo sich über die Geschlechter, Berfsgruppen und über verschiedene Altersklassen unterschiedliche Notwendigkeiten ausbreiten, die nicht mit den Vorstellungen der Allgemeinheit in Einklang zu bringen sind [das Recht auf einen würdigen Tod und die ärztliche Pflicht Leben mit allen Mitteln zu erhalten].

 

 2429

 

Welcher Alp lag eigentlich dem Moses auf der Seele, daß die Überwindung dieses Drucks so viel Energie frei setzte, daß er Büsche zu brennen brachte?

 

 2430

 

Schopenhauer war blind für die Notwendigkeit, soziale Regelmechanismen aufzustellen, die zumindest als Grenzziehungen verbindlich sind ... Er nennt den Koran ein dummes Buch ... aber der will gar nicht irgend etwas begründen, sondern schlicht befehlen was sein soll und was verboten ist.  Genauso wäre es für mich selber Blindheit, wenn ich das Herrschaftswissen, mit dem heute die großen Massenbewegungen kontrolliert werden verwerfen würde. Die Sozialwissenschaften führen nicht zu irgendwelchen Erkentnnissen [auch der Habermas’sche Konsensus-Prozess soll nicht erkennen sondern sagen was der Fall ist; was wir wollen und nicht wollen dürfen] sondern erlauben eine mehr oder weniger effiziente Lenkung von großen Massenphänomenen. [Was Konfuzius aber schon vor mehr als 2500 Jahren sah, dafür sind wir blind:  Wie schaffen wir in der Herrschaftselite eine moralische Substanz, die der Verantwortung für die Kontrolle der Massenphänomene einigermaßen gerecht wird? So sind wir dem Typus Jago ausgeliefert.]

 

 2431

 

... es gibt keine noch so raffinierte logisch-rationale Analyse, die eine Entscheidung verursachen könnte. Entscheiden tun wir nicht weil wir etwas wissen, sondern weil wir etwas wollen.

 

 2432

 

Titanenkämpfe:  im Grunde hat sich die gesamte Kulturgeschichte mit diesem Gegensatz zwischen individueller Entfaltung und den gesellschaftlich sanktionierten Erfolgskriterien herumgeschlagen. Das reicht zurück in die Frühzeit der ersten Stadtkulturen, die vom Überfluß der neolithischen Revolution an, aus dem Bereich der reinen Notwendigkeit heraus traten ... die Ablösung der Götter in der griechischen Welt, die uns al die Titanenkämpfe überliefert sind reflektiert eine Ablösung von übergeordneten Zwängen ... ausschlaggebend dabei ist aber, daß es dem Einzelnen nicht gegeben ist zugleich Erfolg zu erleben und sich die Erfolgskriterien selber zu definieren es sei denn er verhielte sich wie ein Wahnsinniger

 

 2433

 

L'art pour l'art, das ist doch nur eine faule Ausrede derjenigen, denen die Kraft zerronnen ist, an das zu glauben, was sie sich noch zusammen denken können.

 

 2434

 

Man kann Überflußgesellschaft dadurch definieren, daß in ihr die einzige wahrhafte Bedrohung die der Selbstzerstörung ist.

 

 2435

 

Das schlimmste was einer Wahrheit passieren kann ist --- Prüfungsstoff zu werden ... In diesem Augenblick muß es als Wissen absolut gesetzt werden und wird damit der Möglichkeit einer modifizierenden Anpassung an Erweiterungen des Ausblicks entzogen.

 

 2436

 

... es gibt aber auch nichts, was ohne die Idee der Gefolgschaft ohne die Idee der Absicht »denen zeig' ich's aber!« die nötige Begeisterung hervorrufen kann, daß sich Geist so weit entfalten kann, daß daraus etwas selbst-reproduzierendes erwachsen kann ... der Geist der Λογον muß den sich selbst reproduzierenden Prinzipien der lebenden Substanz folgen wenn überhaupt eine Chance bestehen soll, daß etwas Bleibendes geschaffen wird. Wenn also die Idee vom Paradigmenwandel eine Tragfähige sein will, dann muß sich das gewandelte Paradigma als Mutation, als Anpassung an substantiell veränderte Umweltbedingungen verstehen ...

 

 2437

 

Wahre Wirklichkeit ist in ihrer Unmittelbarkeit absolut nicht zugänglich ... sobald man aber aus der Unmittelbarkeit heraustritt wird jegliche Wirklichkeitsanalyse »Geschichte« und damit Rechtfertigung des für die Zukunft geglaubten ... Die Vergangenheit brauchen wir nur in dem Maße in dem wir uns der Zukunft zu vergewissern trachten ... Das Handeln in der Gegenwart rechtfertigen ... moralisch einwandfreie, sittlich hochstehende Kulturen brauchen kein Geschichtsbewußtsein, sie sind sich ihrer Werte sicher, ihre Werte sind absolut und lassen sich von keinem Tagesgeschehen, weder dem heutigen noch dem was gestern war, beeinträchtigen ...

 

 2438

 

If you find on your way, anything self-evident, you can be sure, that you are not on your way to last questions ...

 

 2439

 

Die rapide Zunahme der öffentlich geförderten Lust am Glückspiel reflektiert eine große Resignation: Immer mehr Menschen glauben es sei wahrscheinlicher sich durch das Los den großen Sprung nach vorn zu ermöglichen als durch irgend eine Form effektiver Bemühungen -- Aller Erfolg reiner Zufall und Fleiß und eingenes Bemühen wenigen Ausnahmebegabungen vorbehalten.

 

 2440

 

Ich habe eine Meinung auch wenn ich nicht danach befragt werde ... Aber zugleich habe ich auch den großen Trieb, mich dadurch hervorzutun, die politisch korrekte Öffentliche Meinung als Schutzschild und als Anspruch vor mir her zu tragen ...

 

 2441

 

Unsere Kindheitserinnerungen haben dadurch einen solchen starken Glanz, daß sie eine Widerspiegelung von Erinnerungen ist, Erinnerungen mit denen wir geboren wurden ...

 

 2442

 

Wem Gott hier und jetzt Bestätigung verweigert, den will er vielleicht unsterblich machen ...

 

 2443

 

Aus der Perspektive meines Leidens erscheint mir Hiob wie ein abgestumpfter Massenmensch, dem »die anderen« Böses tun ... Homer Simpson dagegen, in seiner stupid pointless nothingness dem ist so wenig zu helfen wie mir ... Aber das ist ja nur eine Comic Strip Figure ... realer als so mancher «gute Mensch»…

 

 2444

 

Wenn einfache Menschen wirklich tun können was ihnen beliebt, dann kann man mit Sicherheit damit rechnen, daß dabei nichts außergewöhnliches entstehen kann ... die Mehrheit hat gar keinen Impuls in irgend einer Weise aus den Konventionen heraus zu treten ... Wer sich Sorgen macht um die Kontrollierbarkeit der Massen. der sollte sich umso intensiver mit denen beschäftigen, die den Massen sagen, was heute die politisch korrekten Konventionen sind ...

 

 2445

 

Der Homosexuelle erlebt Sexualität noch als sozialen Prozess ... der Onanist nur als rein körperliche Funktion ...

 

 2446

 

Der erste Weltentwurf, in dem die uns angeborenen Anlagen in allergrößter Geschwindigkeit mit den »Tatsachen« unserer Umwelt in Einklang gebracht werden ... Das war ursprünglich ein einmaliger Akt, in dem der Einzelne seinen Totem fand ... Die Umwelt änderte sich so wenig, daß man ohne Schaden für die Zukunft sich zwischen seinem zehnten und zwanzigsten Lebensjahr festlegen und zum unerschütterlichen Charakter machen konnte.  In dieser ausschlaggebenden Zeit ist meine Generation aus drei vier [bäuerlich-braunschwarz-links-dörflich-städtisch-christlich-positivistisch-wissenschaftsgläubig] Weltentwürfen herausgerissen worden  und bei vielen hat sich dabei der Glaube entwickelt es sei doch irgendwie alles gleich ... und im übrigen können wir jeden dieser geistigen Prozesse auch mit Substanzen in den Griff bekommen und so lenken wie es uns beliebt.

 

 2447

 

Mein eigentliches Problem ist, daß ich das was in mir steckt -- rein aus mir selbst herau -- gar nicht bringen kann. Die Mobilisierung von 90 Prozent meiner Talente hängt davon ab, was meine sozial Umwelt von mir will ... Die Wettbewerbsgesellschaft in die ich hineingeboren bin, will aber vor allem, daß ich »euch« aus dem Weg gehe ... ich lasse von Natur aus den Vortritt und warte darauf, daß eine Notlage kommt, wo sich niemand mehr vordrängeln möchte.

 

 2448

 

Es gab eine Zeit wo man glaubte den Sexualtrieb unter Kontrolle zu halten indem man nicht über Unterwäsche sprach ... Im ausgehenden XX. Jahrhundert erwarten die amerikanischen Politiker, daß ihre Berufssoldaten geschlechtslose Wesen seien, wo man Männlein und Weiblein ohne Unterschied in die gleichen Baraken stecken kann ...

 

 2449

 

Cantor's madness war mit den Menschen von allem Anfang an: Es ist uns nicht etwa das Glück des cogito ergo sum gegeben sondern von Anfang an sind wir der lebende Widerspruch, der sich daraus ergibt, daß Bewußtsein immer Bewußtsein aller Möglichkeiten ist, einschließlich der Bewußtsein seiner selbst zu sein ... je mehr wir wissen desto schmerzlicher werden wir uns dieser Tatsache des unauflösbaren Widerspruch bewußt ...

 

 2450

 

Das Geheimnis und die Möglichkeit des menschlichen Hirns ist in den kantischen Antinomien bloßgestellt:  das Hirn muß sich selber, den Körper der es nährt, die potentielle Vermehrung und die Umwelt in der der Körper und die Vermehrung stattfinden kontrollieren so gut es geht -- unauflösbare Widersprüche sind dabei keine Entschuldigungen -- es muß entschieden es muß gehandelt werden ...

 

 2451

 

Aus dem Verdienst der Väter/Mütter Ahnenstämme die an den Anfang des Lebens zurückreichen und die das Wunder der Reproduktion plus Anpassung weitergetragen haben müssen wir mehr erwarten, die Zukunft zu gestalten, als aus den zufälligen Verknotungen von Ereignissen im jetzt und hier, vor allem, wenn diese Ereignisse unendlich viele Interpretationen zulassen.

 

 2452

 

Ich bin mir gar nicht sicher wie viele Denkende es gibt, die die Ungeheuerlichkeit erfassen, die hinter der Realität der Evolution des Lebens sich wirklich verbirgt. Auf der einen Seite muß die lebende Substanz aufs strikteste darauf achten, daß die erfolgreichen Baupläne so perfekt wie möglich reproduziert werden und auf der anderen kann sie nur auf eine Zukunft rechnen, wenn sich die lebende Substanz den Veränderungen der Umwelt schnell und effizient anpaßt.

 

 2453

 

Die Idee der Rationalität, die in wesentlichen Teilen der Sozialwissenschaften und der Moralphilosophie vertreten wird ist einigermaßen primitiv -- sie reflektiert das Planungsvermögen und die Intelligenz von Ameisen ... Ratten sind schon viel intelligenter, sie haben Intuition, die sich aus unmittelbar gegebenen Ursache-Wirkungszusammenhängen nicht erklären lassen ...

 

 2454

 

Das Interessante ist doch, daß menschliche Institutionen durch und durch von den biologischen Gegebenheiten der Menschen bestimmt sind ... und wenn wir dann mit »Gerechtigkeitsvorstellungen« Institutionen »reformieren« dann wissen wir gar nicht, was wir damit eigentlich bewirken, was wir erreichen wollen ... und wie weit dieser Prozess, der angeblich aus dem politischen Tagesgeschehen erwächst selber biologisch begründet ist ... viele der besonders modernen rationalen Modelle der sozialen Reform sehen aus wie self imposed population growth control ...

 

 2455

 

... das »Unbewußte« ist durchaus integraler Bestandteil des Bewußtseinsprozesses ...

 

 2456

 

Deutsche Intellektuelle sind durchaus nicht so geistig, wie sie es gerne sein möchten. Nicht zuletzt weil die Formulierungskünste einiger ihrer Geistesheroen [Kant, Hegel, Heidegger, Marx] mehr oder weniger bewußt hermetisch orientiert waren, d.h. man kann sie nicht verstehen. So entstehen unverstandene, dafür aber höhere Formen des Weltschmerzes und der Kulturkritik und das macht die Lektüre ja so attraktiv; denn »man zeichnet sich selber dadurch aus, daß man so hochgestochenes Zeug liest«.

 

 2457

 

Wenn ich ein zusätzliches Boot in die Tabelle hinein nehme, dann verschiebt sich der Reverenz-Punkt für alle Boote.  Das heißt doch, daß alle Bemühungen um ein fair level rating measure vergeblich sind, die gelten immer nur ceteris paribus. Das gilt natürlich in viel größerem Maße in allen Formen des  fair level rating measure zwischen lebenden Intelligenzen. Überall, wo man sich darum bemüht mit »objectiven« Berertungkriterien eine faire Ordnung herbei zu führen, kommt man an den Punkt, daß ein Neuankömmling das System über den Haufen werden kann, wenn er über Fähigkeiten verfügt, die die Maßlatte beeinträchtigen.

 

 2458

 

Im Picasso Museum trifft es mich wie ein Schlag: Natürlich hat Herr Krupp nicht alle Kanonen selber gebaut und die Herren Daimler und Benz haben nicht die Autos gebaut, die ihren Namen berühmt gemacht haben. Warum sollte das für Picasso anders sein. In seinen letzten 30-40 Jahren jedenfalls hat er das was ihm heute zugeschrieben wird nicht erzeugen können, dazu hat er viel zu viel Zeit gebraucht prominent zu sein ...

2459

 

 

 

ICH KANN GAR NICHTS FALSCH MACHEN! ICH MUSS NUR MACHEN ...

 

Wir alle fühlen uns bedroht von den unheimlichen Veränderungen, die uns die Moderne aufzwingt, dabei ist das nichts als unser eigenes Tun

 

Es gibt keinen Grund über das Elend in der Welt zu klagen!  Mach sie doch besser!

 

Ich habe im vergangenen halben Jahrhundert versucht alles das zu sammeln, was ich nicht so in die Welt um mich herum hineintragen konnte, wie ich das wollte. Eines Tages werde ich das noch einmal richtig sagen. Das ist inzwischen zu einem unübersehbaren Wortwust angewachsen, von dem manches schon in den folgenden WebSeiten erschienen ist Mir ist oft genug das Wort verboten worden, weil ich mich mit Fragen befaßte für die es noch keine vorgefertigten Formeln gab.

 

Was ich seit 1966 mit mir herumschleppe, das bezieht sich nur sehr indirekt auf informationstheoretische Fragestellungen.  Das liegt außerhalb der mathematischen Formulierbarkeiten. Es ist auch keine Psychologie, oder sonstige Sozialwissenschaft, sondern es steckt erst einmal den Rahmen ab, innerhalb dessen solche Wissenschaften funktionieren und ihre Schulen bilden können.

Nichts ist schöner als siegen!  Sollte damit ein nihilistisches Manifest begonnen werden? Die selbstzerstörerischen Elemente die sich in sozialen Prozessen frei machen, sind  immunologische Reaktionen:  Es muß etwas zerstört werden, das bestimmten Schichten lieb und wert ist, weil diese Schichten damit die Unterlegenen schädigen.

Alle bisherigen Religionen Rechts- und Staatsphilosophien und Sozialtheorien überhaupt, waren darauf ausgerichtet entweder bestehende Eliten an der Macht zu halten oder neuen Eliten die Rechtfertigung des Machterwerbs zu ermöglichen.

Als ich damit begonnen habe, meine Einsichten Sprüche und Gedanken ans Web zu bringen, da war ich schon lange »fertig« in dem Sinne, daß ich meinem Vorsatz: »selbst-zu-denken« über mehr als sieben Jahre treu gefolgt bin unter dem Motto: »Arbeiten ohne den Zwang zum Einkommenserwerb«. Und jetzt steh ich vor der unendlich schwierigen Aufgabe, aus diesem »Fertigen« einen Beginn heraus zu holen. 

Das verdammte XX Jahrhundert:  Im zwanzigsten Jahrhundert sind beinahe zwei hundert Millionen Menschen eines gewaltsamen politischen Mordes gestorben. Das ist eine erschütternde Zahl, das ist eine Zahl die uns den Schlaf raubt, wenn wir uns die Qual und das Herzeleid vorstellen das bei diesen Menschen und denen die überlebten ausgelöst wurde. Auf der anderen Seite steht aber die unerschütterliche Tatsache, daß trotz (oder gerade wegen?) dieser ungezügelten Mordlust die in vielen Menschen lauert, auf den Moment sich mit gutem Gewissen zu entfalten, ein Wachstum der Bevölkerungsmassen steht, das es unmöglich macht, aus den heutigen Parametern auch nur auf das Jahr 1900 zurück zu rechnen.

Die Droge ist der Schlüssel zu einem Text, der in den Genen sich verloren hat. Die Droge wird dort unwiderstehliche Marktbedingungen finden, wo die Konventionen des Textbezuges hohl geworden sind und alles zu dem Wortspiel wird an dem sich Foucault [wie vor ihm Heidegger] so ergötzt.

Ich hatte ein Leben lang geglaubt sophisticated sei eine positive, wünschenswert-erstrebenswerte Eigenschaft, bis mir meine Freundin Margot bewußt gemacht hat, daß das »gekünstelt«, schlimmer noch »durchtrieben und mit allen Wassern gewaschen« heißt. Da hatte ich die Erfahrung der Arbeit in einer Großorganisation schon fast hinter mir und mußte mir eingestehen, daß ich mit meiner sophistication meiner Bildung und Belesenheit, noch nicht mal die Hälfte dessen erreicht hatte, mit dem Durchschnitt mit zu halten, der in dieser Welt der Alles-und-noch-besser-Könner wirkend Herrschenden.  Die Abgefeimten und Skrupellosen, die glatt in jede neue Herausforderung eintreten, haben mich gelehrt, daß es über das Streben nach Wissen und Wahrheit hinaus noch etwas viel Erstrebenswerteres und für mich unerreichbares gibt. Aber zugleich habe ich auch sehen gelernt, daß diese Einfältigen des Erfolges nicht alles haben und nichts behalten werden.

 

[1997 habe ich etwas notiert, was aus heutiger Perspektive den Druck Krieg zu führen ganz anders versteht] Ausraubung der Erwerbtätigen durch die Rentner: Das war lange schon vorauszusehen. Das ist schon seit den frühen sechziger Jahren bekannt. Was neu ist, das ist die Tatsache, daß mit dem Wegfall der großen Verschwendung im Bereich der Rüstung auf einmal die Zuwächse aller anderen Produktionsmöglichkeiten auch beschnitten sind ... und zudem werden Massenwaren – einschließlich hochtechnischer Spielzeuge –  in Billiglohnländern hergestellt, was zur Folge hat, die Beschäftigten in den reichen Ländern ernsthaft um ihre Arbeitsplätze bangen müssen. Lösungen werden sich da schon finden:  Vielleicht wird sogar wieder ein Krieg als Ultima ratio in Erwägung gezogen. Das ist nur eine Frage der Art und Weise, wie sich Frustrationen zum politischen Willen gestalten werden. Die grüne Bewegung, die doch so betont pazifistisch zu sein scheint, ist in diesem Zusammenhang nichts anderes als ein voll auf dem Trend der downsizing ideology liegender Weg der politischen Willensbildung. Aber mit der Reduktion der erlaubten Produktionsmöglichkeiten bewirken sie die Frustrationen, die irgendwann massiv den Frieden bedrohen werden.

 

{ebenso die Funktion der Geheimdienste} Zukunft des CIA.  Da ist eine Institution, die es sich vollständig zur Aufgabe gemacht hat Untergrundströmungen zu entschlüsseln, mit dem Ziel Gefahren abzuwenden. Aber der CIA leugnet, daß er bei dieser Arbeit selber auch Gefahren schafft.  Damit habe ich ein Grundproblem der Unmöglichkeit die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft zu gestalten angesprochen ... So wie »nicht wissen« durchaus segensreich sein kann, so ist auf jeden Fall »nicht im Untergrund wühlen« eine Grundvoraussetzung dafür, daß die Dinge in der Tendenz eher bleiben was sie sind. Ich denke dabei vor allem an die Tschechen und Polen, die sich um 1900 in Paris und London Unterstützung suchten und nach deren Vorstellungen, dann auch 1918 und 1945 die Landkarte Europas gestaltet wurde. Das waren durchaus nicht die großen Massen die das in Bewegung brachten. Eine Andeutung davon kann man bei Will Durant nachlesen, der in den 1940er Jahren auch der Lausitz Unabhängigkeit, oder zumindest Zuordnung zu Polen oder die Tschechei zubilligte: Auf so eine Idee muß man erst einmal gebracht werden.

 

Multikulturelle Zivilisation kann nur erreicht werden, wenn es uns gelingt das Fremde an Sitten und Gewissensregeln schlicht hin zu nehmen. Die scheinbar liberale Haltung, die manche Intellektuellen vor sich her tragen ist doch ebenso intolerant, wie das was diese Intellektuellen bekämpfen. Sie sind eben auch Fundamentalisten und hoffen, daß ihre Weltsicht zur Weltherrschaft wird.—Das ist so eine Grundeinsicht, mit der ich noch lange Zeit Umgang pflegen muß, damit sie mir ganz zu eigen wird. So sehr wir auch als Einzelne es nicht vermeiden können uns ein (Glaubens)-Fundament zu schaffen, so gefährlich ist es doch, mit diesem zur Herrschaft kommen zu wollen.  Aber das ist eine der angeborenen Nöte, daß wir uns unserer Gegebenheiten nicht sicher sein können, wenn wir nicht die Illusion haben, mit dieser Einstellung zu den Erwählten zu gehören. Die Anderen müssen entweder auf unsere Linie einschwenken oder vernichtet werden: durch Hohn und Häme treiben wir sie in die Selbstvernichtung -- ein morden bei dem man sich die Finger nicht schmutzig macht.