Vernunft

 

Der Zusammenstoß zwischen Natur und Vernunft findet im Einzelnen jeden Augenblick im Jetzt und Hier statt. Wir sind dieser Zusammenstoß. Tat ist immer auch koordinierte Gemeinschaftshandlung. Das reicht weiter zurück als Vernunft und Sprache. Die "Gleichschaltung" ist also unausweichlich auch Teil der gewissenhaften Handlung..

Institutionen "glauben" vielleicht tatsächlich an die unerschütterliche Tragfähigkeit der sie begründenden gesellschaftstheoretischen Theorien; aber es bleiben doch noch genügend übrig, die sich weitergehende Gedanken machen, die durch die Ritzen fallen, und deshalb empfänglich werden für die Themen die erst dann relevant werden, wenn man die Vernunft in ihre Schranken verwiesen hat.

Ich kenne einige «hochqualifizierte Besserverdienenden» die sich totgearbeitet haben. In ihrem Bemühen die Welt rational zu durchdringen, sind sie offensichtlich auf Grenzen gestoßen, die sich ihnen als Grenzen zwischen Leben und Tod darstellten. Bei einigen ging das so weit, daß sie sich selber nicht verzeihen konnten, an diesen Grenzen zu scheitern; die wollten lieber gleich tot sein, bevor sie sich geschlagen gaben. Ich bezweifle aber sehr, daß auch nur einer von diesen vieren in der Lage gewesen wäre, zu erfassen, was im tiefsten Grunde mit ihnen falsch lief. Dazu waren sie viel zu sehr Gläubige. In einem inbrünstigen Akt der Unterwerfung unter die unabänderlichen Bedingungen, des sokratischen Strebens nach Weisheit, der Vernunft verpflichtet und nur der Vernunft.